Seit zwei Jahren Erster Solo-Cellist im Sinfonieorchester Aachen

Von: Eckhard Hoog
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Im 6. Sinfoniekonzert spielt er in Brahms‘ Doppelkonzert einen Solopart: Daniel Wenzel, Erster Solo-Cellist im Sinfonieorchester Aachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Jung, dynamisch, sportlich – in Blue Jeans und kragenlosem, rotem Pullover wirkt Daniel Wenzel wie ein drahtiger Naturbursche, als er auf seinem Fahrrad am ehemaligen Umspannwerk in der Aachener City zum Gespräch mit unserer Zeitung eintrifft.

Allenfalls der Instrumentenkasten – längs auf den Rücken geschnallt – gibt zu erkennen, dass der Sport wohl eher nicht die erste Geige in seinem Leben spielt. Seit zwei Jahren ist der gebürtige Münchener der Erste Solo-Cellist im Sinfonieorchester Aachen.

Am kommenden Sonntag und Montag steht sein Auftritt im Mittelpunkt des 6. Sinfoniekonzerts, wenn er die Saiten streicht in Johannes Brahms‘ Doppelkonzert a-Moll für Violine, Violoncello und Orchester op. 102. Im ehemaligen Umspannwerk probt das Orchester.

An seine erste Reise von München nach Aachen, um hier vorzuspielen, kann er sich noch bestens erinnern: „Der ICE hieß ‚AachenMünchener‘ – da dachte ich gleich: Wenn das kein gutes Omen ist . . .“ Daniel Wenzel konnte auf Anhieb überzeugen. Der Reiz, sich für diese Position zu bewerben, lag für ihn vor allem im Opernangebot des Aachener Theaters. „Das Opernrepertoire bietet für Cellisten viele Solopartien“, sagt er.

Bei mehr als einem halben Dutzend prominenter Lehrer hat Wenzel während seines Studiums in Stuttgart, Oslo, Lübeck, Kopenhagen, Wien, Paris und danach noch Meisterkurse absolviert. „Mir ging es immer darum, aus einem möglichst großen Pool von Einflüssen das für mich Richtige herauszupicken“, erklärt er sein Bestreben, eine individuelle Linie zu entwickeln. Dass er dabei internationale Wettbewerbe gewonnen hat, hält der 31-Jährige heute nicht mal für erwähnenswert. „Das ist gar nicht so wichtig“, meint er. „Was zählt, ist doch sowieso nur Qualität.“ Und die muss sich immer wieder neu beweisen. Da mag der „Stammbaum“ noch so viel Lorbeer tragen.

Das Thema „Crossover“ hat Wenzel übrigens zeitweise auch gestreift – ziemlich hautnah, in seiner frühen Jugendzeit in München. Nach dem Vorbild der finnischen Gruppe Apocalyptica, die Metal-Stücke auf dem Violoncello spielt, hatte er sich drei weitere Jung-Cellisten gesucht, um als Band ohne Namen bei Auftritten in München knallharten Rock auf vier Celli zu covern. Das Kapitel ist zwar längst gegessen – indessen: „Crossover“ findet Wenzel nach wie vor wichtig: „Das ist etwas, um auch anderes Publikum für klassische Musik zu begeistern.“

Mit dem Brahms-Stück am Wochenende verspricht Wenzel dem Publikum eine besonders spannende musikalische Begegnung, spiegelt sich für ihn in dem Doppelkonzert doch sehr deutlich eine besondere Phase im Leben des Komponisten wider. Danach schrieb Brahms das Stück für seinen Freund Joseph Joachim, um die abgekühlte Verbindung zwischen beiden wieder aufzufrischen. Violine und Violoncello sollen den Konflikt, der harmonisch ausklingt, hörbar machen.

Und was macht ein Cellist, wenn er gerade nicht Cello spielt? „Windsurfen an der holländischen Küste.“ Hatten wir fast gedacht.

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