Seine Farben leuchten weltweit

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Benno Werth
Seine filgranen Skulpturen und nuancenreichen Farbexplosionen werden von Biennalen und Galerien zwischen Mexiko, USA, Portugal und Italien angefragt: Heute wird der Aachener Künstler Benno Werth 80 Jahre alt. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Korrespondenzen”, nennt er seine Ausstellung zum runden Geburtstag. Ein Begriff, der geradewegs in die künstlerische Seele des international renommierten Aachener Malers und Bildhauers Professor Benno Werth führt.

Am Samstag wird er 80 Jahre alt. Kein Alter, das unkonventionelles Outfit ausschließt: Schwarze Lederhose, tailliertes schwarzes Hemd, hellwache, warme Augen, langmähnig auf die Schulter fallendes Grauhaar und eine Brille, die an einer Schnur mit jeder Bewegung auf der Brust baumelt. Freundlich reicht er die Schale mit den Schokostücken an und griemelt: „Ich selber darf nicht, ich habe ja keinen Magen mehr.”

Prinzip Hoffnung

Benno Werth hat gelernt, mit gesundheitlicher Einschränkung zu leben. Wie er es gelernt hat, auch anderen Krisen seines Lebens mit der Devise seines Schaffens zu begegnen - dem „Prinzip Hoffnung”, wie er selber sagt. Dies hat ihn durch ein komplexes, vielseitiges Leben geführt, dessen künstlerische Ernte in der ganzen Welt aufgeht.

Wobei ihn oft genug das Prinzip Hoffnung nicht nur in den Tiefen der Farbklänge seiner Ölmalereien sowie den filigranen und skelelettartigen Strukturgebilden seiner Skulpturen getragen hat. So lernte er vor 15 Jahren eine Mathematikerin kennen, die ihm die Formel einer späten Liebe näher brachte: Du + Ich = Wir. Professor Gisela Engeln-Müllges, lange Zeit Prorektorin der Fachhochschule Aachen, heißt „das Geheimnis meiner andauernden Schaffenskraft”, sagt Benno Werth. Setzt sich die Brille auf und blickt der Lebensgefährtin tief in die Augen: „Sie ist meine große Motivation. Sie stützt, begleitet und inspiriert mich.”

Eine „Korrespondenz” in intensivster Form, wie sie sich sonst nur in seinen stets improvisierten Gussformen und nuancenreichen Farberlebnissen widerspiegelt, mit denen er Pinselzug um Pinselzug in geheimnisvolle Räume führt.

So wie bei seinem neuesten Bild, für das er sich zum Geburtstag ein Rekordmaß schenkte: Leuchtende Gelb-Rot-Kompositonen scheinen auf 1,60 Meter mal 2,50 Meter in einem blütenblauen Himmel zu explodieren. Werke, die mit ihrem Betrachter kommunizieren und Botschaften ins Auge fallen lassen, die jeder für sich selbst wahrnimmt.

Benno Werth lässt den Liebhabern seiner Bilder breiten Spielraum zur persönlichen Entschlüsselung. „Wichtig dabei ist, dass sie mit einem Lächeln nach Hause gehen.” Wie die Aachener Journalistin Sabine Rother mit ihren lyrischen Texten zu seinen Bildern. Kostprobe: „Das Glück hat keinen Namen, aber es glänzt in den Farben einer unendlichen Sehnsucht.”

„Korrespondieren” heißt auch, in Verbindung zu bleiben. Etwa zu seinen Studenten als langjähriger Professor und Dekan an der Fachhochschule Aachen. Aber allen voran zu seinen acht Kindern aus drei Ehen, zu einem Adoptivkind und elf Enkeln. Alle werden sie heute das Lichtenbuscher Domizil des Künstlers bevölkern. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass das Geburtstagskind am Flügel wieder Werke spielt, die „nie ein zweites Mal zu hören sein werden”, sagt der Meister der Improvisationen, die er auch musikalisch pflegt.

Wie lange er in seinem Alter täglich arbeitet? Werth beantwortet die Frage mit einem verschmitzten Blick, als sei sie die dümmste, die man stellen könne: „Immer”, sagt er. „24 Stunden lang. Ich gehe aus dem Atelier, und die Bilder begleiten mich. Meine Gedanken verschmelzen.” Da haben wir es wieder - verschmelzen! Auch das ist eine Form von „Korrespondenz” - in diesen Fällen mit sich selbst.

Der nationale und internationale Output dieses Mannes macht Benno Werth zu einem wahren Botschafter der Aachener Region. Wie dieser Freigeist dazu steht, jetzt 80 Jahre alt zu werden? Er zögert keinen Moment: „Ich bin glücklich und dankbar, weiter unter den Menschen sein zu dürfen.” Und immer in Korrespondenz zu bleiben.

Kirchen, Plätze, Brunnen, Krankenhäuser...

Über einhundert Ausstellungen zählt Benno Werth zwischen den Biennalen in Italien und Mexiko, Galerien in Paris, Kopenhagen, Porto und Monschau, wo am 25. April im Aukloster seine Geburtstagspräsentation „Korrespondenze” eröffnet wird.

Doch auch Arbeiten in und an öffentlichen Gebäuden wie dem Goethe-House in New York, der Handwerkskammer in Düsseldorf oder der RWTH in Aachen tragen seinen Namen.

Zahlreiche Plätze schuf der Künstler - vielfach mit Brunnenanlagen, so in Düsseldorf, Aachen, Attendorn. Krankenhäuser gestaltete er in Altena, Dortmund, Olpe und Wiesbaden.

Kirchen versah Werth mit figürlichen Darstellungen in Eiche, mit Leuchtern und Antikglasfenstern, etwa in Berlin, Bredenscheid oder Roetgen. In Riesa (Sachsen), seiner Geburtsstadt, richtete das örtliche Museum sogar einen Benno-Werth-Saal ein.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert