Mönchengladbach - Sehnsuchtsjuchzer im Bett des Wahnsinns

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Sehnsuchtsjuchzer im Bett des Wahnsinns

Von: Armin Kaumanns
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Schauplatz des Geschehens ist das Hochzeitsbett: in der Oper „Gestrandete Zukünftige” von Peter Maxwell Davies im Theater Mönchengladbach. Foto: Matthias Stutte

Mönchengladbach. Nach der guten Stunde, die „Gestrandete Zukünftige” dauert, ist man nicht wirklich schlauer. Denn was sich da im Kleinen Haus der Mönchengladbacher Ausweichspiel-stätte auf den Landungsstegen einer von Papierschiffchen mit der Aufschrift „Ewigkeit” übersäten Seelandschaft abspielt, kreist reichlich verworren um sich selbst.

Sprich: das zerwühlte Messingbett einer Frau, die seit dreißig Jahren in den Überresten ihres Hochzeitsfestes lebt, dem Tag, als ihr schmucker Marineoffizier nicht erschienen war (die schöne Bühnen baute Birgit Eder).

Sie ist die angegraute Zukünftige, gestrandet in ihrer Unfähigkeit, Vergangenheit und Gegenwart zusammenzubringen. Ihr Wahnsinn ist der Strudel der Zeiten, ausgelöst vom Schlag ins Wasser ihrer Hochzeit.

So weit, so gut, weil vom großen britischen Komponisten Peter Maxwell Davies in den 70ern zu einer Kammeroper für eine Sopranistin und kleines Ensemble musikalisch äußerst differenziert und mit wachem Gespür erdacht für die Abgründe dieser Miss Donnithorne, deren Vorbild 100 Jahre zuvor wirklich gelebt hat.

Christine Graham, die als Gast des Ensembles diese Partie übernimmt, laviert sich ganz überwältigend virtuos durch die wahnsinnig schwere und vom Wahnsinn beschattete Gesangspartie. Höchste Sehnsuchtsjuchzer, seliges Girren, röhrende Verzweiflung führen die Stimme an die Ränder des Singbaren - mit berauschendem Effekt.

Stück wird zerschnippelt

Die junge Regisseurin Amelie Beer hat für die gar nicht so kleine Gladbacher Studiobühne DaviesÔ Stück zerschnippelt und von dem Theater-Komponisten Falk Hübner mit Vor-, Zwischen- und Nachspielen auffüllen lassen. Dazu später.

Beers Konzept destilliert der verwirrten Ewig-Braut gleich drei andere Ichs ab, die Aspekte ihrer Person verkörpern - als junges Mädchen, businessmäßig und in reifem Alter.

Diese Damen, sämtlich in Brautkleidern, singen: verlassene, einsame Frauen bei Verdi , Offenbach und Wagner. Auch hier hört man solides Kehlwerk von Susanne Seefing, Isabelle Razawi und Dara Hobbs, die im harten Gegenschnitt zu DaviesÔ Klängen die große Isolde-Arie „Mild und leise” mit kostbarem Samt ausstattet - allerdings im Friesennerz.

Beer gelingen im Zusammenspiel der Frauen mit der alten Donnithorne teils anrührende Szenen gegenseitiger Wertschätzung, der Zuschauer spürt die Absicht, die Möglichkeiten des Musiktheaters auszuloten.

Doch der Gesamteindruck bleibt gespalten: Musikalisch fügt Falk Hübner mit Hilfe von Live- Elektronik dem schauerlichen Seestück (am Pult der soliden Niederrheinischen Sinfoniker Philip van Buren) Rauschen aus dem Computer bei, er bemüht Bassklarinette, Kontrafagott, Tuba und Cello zur Charakterisierung seiner gewöhnungsbedürftigen Bearbeitungen der klassischen Vorlagen, die mit viel Brimborium Sound machen. Das finale Quartett entwickelt sich zu einem Ringelpiez mit Anfassen mit Lloyd-Webber-Anklängen. Alles in allem: ambitioniert, ausbaufähig.

„Gestrandete Zukünftige”, Oper von Peter Maxwell Davies im Theater Mönchengladbach, Infos unter 02166/6151100. Dauer: 70 Minuten, keine Pause. Nächste Vorstellungen: 17., 29. Dezember, 3. Januar.

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