Aachen - Schwitzen wird Marcus Bosch bei „Tristan und Isolde” schon

Schwitzen wird Marcus Bosch bei „Tristan und Isolde” schon

Von: Jenny Schmetz
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Sie schmiegt sich an Tristans
Sie schmiegt sich an Tristans Schlafsack: Claudia Iten debütiert als Isolde. Foto: Ludwig Koerfer

Aachen. Er könnte sich seinen Abschied wahrlich leichter machen. Aber zum Abschluss seiner zehnjährigen Ära in Aachen wagt Generalmusikdirektor Marcus Bosch sich an ein Musikdrama, das alle Dimensionen sprengt: Wagners „Tristan und Isolde”.

Auf die vorsichtige Frage, ob es nicht etwas wahnsinnig sei, dieses Ausnahme-Werk an einem mittleren Haus wie dem Aachener Theater zu spielen, grinst der 42-Jährige jedoch gelassen und fragt zurück: „Warum nicht?” Gut, „Tristan” sei „natürlich eine Herausforderung”, gibt er zu. „Man steht länger am Pult - ja!” Aber es gehe für ihn schließlich „immer darum, persönlich und für die Kunst an Grenzen zu stoßen”. Sonst müsste man ja jeden Abend Musical spielen.

Das mag kokett klingen, auf jeden Fall super-selbstbewusst. Doch seine Erfolge mit dem Aachener Sinfonieorchester lassen Boschs Brust zu Recht schwellen. „Wir sind ein B-Haus, aber eines der besten in Deutschland”, sagt der Dirigent. „Das Orchester steht im Zenit meiner zehnjährigen Arbeit.” Warum also nicht Wagners Meisterwerk? Vom Orchester sei es „gut zu realisieren”. Und für Bosch gehört es unbedingt in den Kanon. Er bedauert die „Repertoireverengung” der vergangenen Jahrzehnte. „Schade, dass die Wagner-Tradition in Aachen verloren gegangen ist.”

Zuletzt war „Tristan” vor mehr als 30 Jahren am Aachener Stadttheater unter Gabriel Chmura zu erleben. Bosch reiht sich ein in so klingende Namen wie Leo Blech, Herbert von Karajan und Wolfgang Sawallisch. Sie alle haben „Tristan” in Aachen dirigiert. Aber Bosch hat das „nicht in Listen nachgeschlagen”, beteuert er.

Anders als noch Sawallisch 1955 kann er die Oper, die vor allem von den Sängern fast Unmenschliches fordert, nicht ausschließlich mit hauseigenen Kräften besetzen. Die Titelpartien übernehmen also Gäste: Isolde singt die Schweizer Sopranistin Claudia Iten, die als Chrysothemis in Weimar oder Senta in Dortmund aufhorchen ließ.

An ihrer Seite sollte eigentlich der US-Tenor Lawrence Bakst lieben und leiden, aber „aus gesundheitlichen Gründen” musste für ihn zwei Wochen vor der Premiere der Norweger Ivar Gilhuus einspringen. Noch ein bisschen zusätzlicher Stress, der Bosch aber nicht aus der Ruhe zu bringen scheint.

„Das grenzt an Weltklasse”

Der Musikchef schwärmt lieber von einem Aachen-Rückkehrer: Woong-Jo Choi als König Marke „grenzt an Weltklasse”. Der südkoreanische Bassist war von 2005 bis 2008 im Ensemble und hat bereits als König Heinrich und Holländer Wagner-Wohlklänge verströmt. Auch dass die Sänger in ihren Partien allesamt Debütanten sind, macht Bosch offenkundig nicht nervös. „Der Einzige, der schon ,Tristan gemacht hat”, sagt er und lächelt, „bin ich.” Das war 2004 im Teatro Filarmonico in Verona.

Nach „Lohengrin” stemmt Bosch Wagners Liebesdrama wieder mit Chefregisseur Ludger Engels. Auch für ihn keine leichte Aufgabe, gilt „Tristan” doch vielen als uninszenierbar. „Keine opernkonventionellen Handlungsabläufe, sondern Gedanken, Empfindungen, extreme Seelenzustände”, beschreibt Engels die Schwierigkeit. Während Bosch versucht, „die Musik aus der Entstehungszeit heraus zu lesen”, will Engels das Stück „aus unserer heutigen Sicht erzählen”. Durchaus realistisch, in einer Bühnenwelt, die anfangs an eine Schiffskajüte erinnert, sich aber zunehmend auflöst.

Bosch und Engels sind „gespannt, wie sich das Publikum auf die Reise einlässt”. Eine lange Reise: Rund fünf Stunden (inklusive zwei Pausen) wird sie dauern. Und vielleicht in einen Rausch führen. Bosch jedenfalls wird die reale Zeit beim Dirigieren sicherlich vergessen. Und nach der Premiere - wie bei seinen „Meistersingern” in Nürnberg - wohl zweieinhalb Kilo weniger wiegen.

Wen der Aachener „Tristan” dann süchtig macht, der sei schon auf die kommende Saison vertröstet. Dann wird ihn Bosch wieder dirigieren - am Staatstheater Nürnberg.

Die Premiere von Wagners „Tristan und Isolde” im Theater Aachen beginnt am kommenden Sonntag um 17 Uhr; Einführung um 16.30 Uhr.

Weitere Termine: 26. Mai, 1., 7., 17. und 24. Juni sowie 1. und 7. Juli.

Marcus Bosch dirigiert alle Vorstellungen, außer am 24. Juni und 1. Juli. Dann steht der Erste Kapellmeister Péter Halász am Pult.

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