Aachen - Schwerstarbeit und viel Applaus beim Sinfoniekonzert

Schwerstarbeit und viel Applaus beim Sinfoniekonzert

Von: Armin Kaumanns
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Prokofjews Herausforderungen bravourös gemeistert: Pianistin Lise de la Salle und Generalmusikdirektor Kazem Abdullah mit dem Aachener Sinfonieorchester im Eurogress. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Kazem Abdullah greift gerne in die Vollen. Wenn das Aachener Eurogress vor lauter Schalldruck des Sinfonieorchester Aachen aus den Fugen zu geraten droht, dann ist der scheidende Aachener Generalmusikdirektor in seinem Element, selbst wenn er in seiner unprätentiösen Art zu dirigieren kaum Aufhebens davon macht.

Diesen geradezu körperlichen Eindruck gewinnt der Besucher des fünften Sinfoniekonzerts der Saison jedenfalls bei Richard Strauss’ „Ein Heldenleben“, das 50 Minuten lang mit großen orchestralen Gesten wahrlich nicht knausert. Acht Hörner, zwei Harfenistinnen und vier Schlagwerker, um nur die präsentesten zu nennen, polstern den Klangkörper des Orchesters auf für die großen Aufgaben, die Strauss in seine Partitur geschrieben hat. Neben dem programmatischen Helden wird der Klangapparat selbst zum Protagonisten des Konzerts.

Bratscher und Cellisten schwingen sich beim Heldenthema mit großem Legato durch die Modulationen und das Publikum staunt ob der Klangpracht. Gerade das tiefe Blech geizt nicht mit Wonnen, man schreckt recht ordentlich zusammen, wenn das von Piccoloflöte und Es-Klarinette angeführte Holz die kakophonen Widersacher des Helden intonieren – und erfreut sich an dem großen, schönen Auftritt von Konzertmeister Felix Giglberger, der an der Solovioline des Helden Gefährtin in zartest vibrierte Töne kleidet.

Zu berichten ist von manch tumultuösem Getöse, vom tadellosen Horn-Solo und vom großen, ganz streicherfreien Ende, mit dem der Held der Sinfonie der Welt entrückt.

Ein großartiger Schlusspunkt des Konzerts also, das ganz nett mit Mozarts „Prager“ Sinfonie begonnen hat. Der große Streicherapparat wirkt da nicht quick genug für Mozarts diffizile, energetische Mittelstimmen; die Trompete klingt derb, nicht gülden; das Horn grantelt mit dem Ansatz. Die lange Einleitung wirkt halbherzig, das finale Presto wenig rasant. Hausmannskost, gemessen an Abdullahs Fähigkeiten.

Ganz anders Prokofjews 1. Klavierkonzert in Des-dur, opus 10. Hier sind die Musiker des Sinfonieorchesters im Prinzip gleichwertige Partner der Pianistin Lise de la Salle. Zwischen ihnen entspinnt sich ein ungemein temperamentvoller Dialog, bei dem allerdings die fantastische Solistin schnell die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Die 28-jährige Französin ist eine Große ihrer Zunft und birst förmlich vor Energie. Die halsbrecherischen Passagen des Werks haut sie mit einer Kraft und Selbstverständlichkeit aus dem Steinway, dass einem Mund und Ohren offenstehen. Ekstatisch und mit hohem Tempo geht es durch den Schlusssatz, in dem das Orchester auch mal die dicke Hupe rausholen darf.

Nach 15 Minuten Schwerstarbeit zaubert die Solistin noch ein Schumann/Liszt-Leckerchen auf die Tasten, die berühmte „Widmung“ in wunderbar glühenden Arpeggien. Da jubelt der Saal. Und das völlig zu Recht.

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