Berlin/Würselen - Schwebendes Markenzeichen für den BND

Schwebendes Markenzeichen für den BND

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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So wird das Objekt von Stefan Sous vor dem Neubau der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin-Mitte einmal aussehen: wie ein überdimensionaler Faustkeil im Schwebezustand - aber aus Spezialstahl, 20 mal zehn Meter groß und bis zu 20 Tonnen schwer.

Berlin/Würselen. Der Würselener Künstler Stefan Sous hat mit einem Riesenobjekt den „Kunst am Bau”-Wettbewerb in Berlin gewonnen. Täglich werden jede Menge Agenten im Herzen Berlins daran vorbeigehen.

Übers Fernsehen soll sie sich als unverwechselbares Markenzeichen des Bundesnachrichtendienstes (BND) in die Köpfe der Deutschen einbrennen: eine monumentale, braun-rot-anthrazitfarbene Stahlskulptur, die selbst James Bond nicht wegschleppen könnte.

16 bis 20 Tonnen wird das kolossale Teil wiegen - geschaffen von einem Würselener Künstler, der seit sechs Jahren in Düsseldorf lebt: Stefan Sous. Wir besuchten den 44-jährigen Bildhauer und ließen uns auch seine anderen Projekte vorstellen.

Wie der Vater so der Sohn - oder hat doch eher die Mutter ihre kreative Ader weitervererbt? Stefan Sous zögert mit einer Antwort. Tatsache ist allerdings, dass der Würselener Albert Sous einer der bekanntesten Bildhauer unserer Region ist und hier auch zahlreiche Spuren hinterlassen hat (Kugelbrunnen, Aachen, Adalbertstraße).

Sohn Stefan rühmt indessen Mutter Susi, die wie der Vater an der Werkkunstschule in Aachen studiert hat: „Sie ist die Zeichnerin schlechthin.”

Laserinstallation in Havanna

Der Abkömmling konnte sein Talent nicht verbergen - seine Geschwister, Vera, Susanne und Milos, sind übrigens auch Künstler geworden. Das Handwerk lernte er an der Düsseldorfer Kunstakademie bei keinem Geringeren als Tony Cragg, jetzt als Rektor Nachfolger von Markus Lüpertz.

Soeben ist Stefan Sous aus der kubanischen Hauptstadt zurückgekehrt, wo er sein Heimatland auf Einladung der dortigen Botschaft während einer deutschen Kulturwoche als Künstler vertreten durfte. „Havanna ist für einen Europäer eine unglaublich laute Stadt; überall ist Krach und Lärm”, erzählt er.

Das machte er zum Thema eines Kunstwerks: Er antwortete auf die akustische Lebensfreude der karibischen Inselbewohner mit einer haushohen Laserinstallation, die über Richtmikofone die Geräusche ringsum aufnahm und in blitzende Lichtimpulse umsetzte.

Die Kubaner waren begeistert, inszenierten sie sich doch quasi selbst. Heiß diskutiert wurde allerdings der Titel des Werks, der den ausgeprägten Sous´schen Sinn für Ironie und Humor dokumentiert: „High Fidelity” - ob Fidel Castro auch darüber gelacht hat, ist leider nicht überliefert...

Den Riesenbrocken für Berlin will der Künstler im nächsten Jahr anliefern, erst einmal muss er eine Partnerfirma finden, die ihm bei der Herstellung hilft. 20 Meter lang, zehn Meter breit - das klopft man nicht mal so eben in Blech.

Sous hat bereits eine Duisburger Werft ins Auge gefasst, die hat garantiert ausreichend Erfahrung in der Bearbeitung größerer Stähle. Zum anderen brächte die Rheinnähe einen entscheidenden anderen Vorteil mit sich: Das Objekt lässt sich wegen seiner ausufernden Dimensionen ausschließlich auf dem Wasserweg an die Spree transportieren.

Was aber mag der Jury an der Skulptur so besonders gut gefallen haben, die aussieht wie ein überdimensionaler Faustkeil aus der Steinzeit, an dem man nirgendwo einen rechten Winkel feststellen kann, nur konkave Wölbungen? Auf Deutsch eher: Kerben. Genau das ist es: „Die Qualität der Arbeit liegt auch in den Anachronismen zwischen der Materialität aus gegossenem Corten-Stahl und ihrem Erscheinungsbild als Naturstein, zwischen ihrer Monumentalität und ihrem Schwebezustand sowie zwischen ihrer zeitlosen amorphen Erscheinung im Gegensatz zur symmetrischen Strenge der Architektur”, urteilte das Preisgericht.

Und: Die Behörde erkennt sich selbst wieder in dem Stück. „Der Ernst und das Gewicht der Arbeit des BND und seiner Tätigkeit in Zonen von Instabilität und Gefahr finden ihren Ausdruck im scheinbar drohenden Kippen des Objektes.” Kurz: ein (kon-)genialer Entwurf.

2013 soll der Neubau an der Chaussee-Straße fertig sein. Platziert wird das Sous´sche Kind dann an der repräsentativen Vorfahrt des gewaltigen Komplexes.

Sous blättert in einem Stapel von Fotografien - Dokumente seiner anderen, kaum weniger spektakulären „Kunst am Bau”-Projekte. Zum Beispiel Freiburg. Dort sollte die neue Kiefer- und Zahnklinik repräsentativ durch ein Objekt verschönert werden.

Wie frisch ausgespuckt...

Auch hier gewann Sous wieder den Wettbewerb, mit seiner künstlerischen Partnerin Heinke Haberland - dank einer genialen Idee: Sie kauten zwei Kaugummis kräftig durch, scannten die „Ergebnisse” mit dem klinikeigenen Scanner ein, ließen sie in überdimensionaler Größe in Styropor fräsen und von einem Steinbildhauer als Muster benutzen.

Der bildete die Kaugummis originalgetreu in drei Meter großen, blütenweißen Carrara-Marmorblöcken ab. Die Teile liegen jetzt im Gras vor der Klinik - wie frisch ausgespuckt. Kein Wunder eigentlich, dass sich Zahnärzte und Patienten bestens damit identifizieren können.

Auf der Brücke über der Wurm zwischen Landgraaf-Rimburg und Übach-Palenberg wird am kommenden Sonntag um 13 Uhr das Ergebnis eines weiteren gewonnenen Wettbewerbs mit einem Fest eingeweiht: Zwei Schildkröten, Abgüsse von ausgestopften Originalen von den Seychellen, die sich im Naturkundemuseum Berlin befinden, symbolisieren jeweils auf beiden Seiten der Brücke europäische Werte - zum Beispiel Freundschaft, Dauerhaftigkeit, Gelassenheit...

Es gäbe noch viele, viele Sous-Projekte zu beschreiben, allesamt von ganz besonderer Originalität. Der Hinweis auf seine Website muss genügen.
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