Aachen - Schumann-Programm: Stilsicher und ex­qui­sit

Schumann-Programm: Stilsicher und ex­qui­sit

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Keine Raritäten, dafür zwei populäre Höhepunkte aus Robert Schumanns explosiver Schaffensphase von 1840 bis 1842 zierten das erste Kammerkonzert der Saison im voll besetzten Spiegelfoyer des Aachener Theaters: Auch das brauchen die städtischen Kammerkonzerte ab und zu.

Und das Publikum dankte es den tüchtigen Musikern mit begeistertem Beifall.

Zunächst erklang Schumanns Klavierquintett in Es-Dur op. 44, getragen von einer Aufbruchstimmung, die die Pianistin Karina abac und ihre Streicherkollegen vom ersten Takt an mit sicherem Gespür aufgriffen. Zu hören war eine lebendige, in sich stimmige und auch spieltechnisch hochwertige Interpretation, die den feinen stilistischen Fassetten des anspruchsvollen Werks gerecht wurde. Die Pianistin setzte zwar starke Akzente, achtete aber darauf, die Streicher nicht in Bedrängnis zu bringen. In der Dynamik und der Phrasierung ließe sich zwar noch vieles veredeln, aber für ihre Gesamtleistung verdienen die Geiger Fabian Grimm und Chuanru He, Lara Sophie Schmitz an der Bratsche, Cellist Daniel Wenzel nebst der Pianistin ein dickes Kompliment.

Das gilt auch für den Tenor Patricio Arroyo und Ulrich Eisenlohr am Klavier, als nach der Pause Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“ anstand. 16 meist kurze, bisweilen aphoristisch knapp gefasste Gesänge mit schroffen Stimmungswechseln, die ein hohes Maß an Flexibilität und gestalterischer Intelligenz verlangen. Arroyo, als lyrischer Tenor seit 2010 Mitglied des Aachener Ensembles, tut gut daran, seine Opernerfahrungen durch eine intensive Beschäftigung mit dem Lied zu ergänzen.

Der Chilene überzeugte mit seiner biegsamen und, von einzelnen Spitzentönen abgesehen, mühelos ansprechenden Stimme, mit der er sowohl die lyrisch empfindsamen als auch die von innerer Erregung erfüllten Töne der Gesänge kultiviert zu formen verstand. Die exzellente Tonbildung, verbunden mit einer vorzüglichen Textverständlichkeit, seine erfreuliche Legato-Kultur und sein Bemühen, den Stimmungsgehalt der Gesänge möglichst differenziert zum Ausdruck zu bringen, führte zu einem rundum überzeugenden und entwicklungsfähigen Vortrag. Als echter Partner am Klavier empfahl sich Ulrich Eisenlohr, der den von Schumann recht sparsam gesetzten Klavierpart werk- und sängerdienlich ausführte.

Ein denkbar schöner Auftakt der Kammermusiksaison. Entsprechend begeistert reagierte das Publikum. Das Kammerkonzert wird heute Abend um 20 Uhr im Spiegelfoyer wiederholt.

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