Heerlen - Schrittmacher-Tanzfestival: Indien pulsiert im Modern Dance

Schrittmacher-Tanzfestival: Indien pulsiert im Modern Dance

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Magie der Hände: Die Akram Khan Company gastierte beim Schrittmacher-Tanzfestival im Theater Heerlen. Foto: Jean Louis Fernandez

Heerlen. Atemlose Spannung im voll besetzten Zuschauerraum des Heerlener Theaters. Minutenlang ziehen ein samtig dunkles Rechteck vor hellem Hintergrund und der braune Rücken eines stolz aufgerichteten Tänzers alle Blicke auf sich.

Es ist ein Sog, den Akram Khan, der britische Tänzer und Choreograph bengalischen Ursprungs, mit seiner Company auf das Umfeld ausübt. Zum Schrittmacher-Tanzfestival in Heerlen, Partner des Aachener Kulturbetriebs, hat Khan sein legendäres Werk „Kaash“ mitgebracht, ein Stück, das ihm 2002 den Durchbruch ermöglicht hat, und das nun, 14 Jahre später und in einer stilvollen Weiterentwicklung, die Reife und inspirative Kraft dieses Künstlers offenlegt.

Khan, der 2012 zu den Choreographen der Olympischen Sommerspiele gehörte, fühlt sich stark dem indischen Kathak, einem im 13. Jahrhundert entwickelten religiös geprägten Tanzstil, verbunden. Was ursprünglich als bewegte und gesungene Erzählungen aus dem Leben der hinduistischen Götter mit kostbaren Kostümen und klingenden Glöckchen an den Fußgelenken andächtige Gläubige beeindruckte, hat Khan in eine großartige Modern-Dance-Form übertragen, die er und sein Ensemble mit archaischer Strenge und tänzerischer Perfektion umsetzen.

Komponist Nitin Sawhney hat zum Teil gewaltige Soundcollagen geschaffen. Die Bühnengestaltung stammt von Anish Kapoor aus Bombay, einem der wichtigsten Bildhauer der jüngeren Generation. Licht, Raum, Klang und Tanz verschmelzen bei „Kaash“ zu einer eigenständigen Kunstform.

Khans Choreographie ist ein ernstes Spiel der muskulösen Körper, der sprechenden, extrem beweglichen Arme, die verblüffendes Eigenleben entwickeln. Da senken sich die zu Schlangenköpfen oder warnenden Krallen geformten Hände, gibt es akrobatische Umschlingungen und meditative Posen. Immer wieder leben sie auf, die Mythen von Vishnu, dem Gott mit kosmischer Bedeutung, der die Zeit in Bewegung setzt, und sogar von Ganesha, dem populären „Herr der Scharen“. Arme der Tänzer mutieren dabei zum Rüssel seines Elefantenkopfes.

Den Akteuren gelingen rasche, atemberaubend synchrone Bewegungsabläufe, die im nächsten Moment als Bilder von berührender Schönheit stillstehen. Drei Frauen in schwarzen Kleidern, zwei hochgewachsene Männer mit nackten Oberkörpern und weit schwingenden schwarzen Röcken beherrschen mit heiligem Ernst die Heerlener Bühne, bieten hingebungsvolle Sololeistungen, Zweierkombinationen, bei denen eine subtile Verbindung der Partner herrscht, und Momente der Stille nach Schweiß treibenden Aktionen. Den Klangraum beherrschen häufig martialische Trommeln.

Glocken wecken Erinnerungen an die Tradition des mit üppigen Fußschellen getanzten Kathak. Dann wieder ertönt rhythmisch gesprochene, verrätselte Sprache. Die Company antwortet mit sich steigernden Bewegungsmustern und fantasievollen Variationen. Ein gewaltiges Getöse gibt den Zuschauern plötzlich das Gefühl, unmittelbar unter einem startenden Flugzeug zu sitzen – in der Stille danach sind alle Sinne geschärft und bereit, die feinsten Regungen der Tänzer zu deuten.

Das Publikum feiert die Akram Khan Company mit viel Applaus. Das Festival erreicht bei diesem letzten Abend in Heerlen einen weiteren Höhepunkt. „Wir hatten in diesem Jahr rund 5000 Zuschauer, ein internationales Publikum, die Zahlen steigen“, zieht Bas Schoonderwoerd, Direktor von Parkstad Limburg Theaters, eine positive Bilanz. Experimentelle Ausdrucksformen, Produktionen aus aller Welt – so will man weiterhin Schrittmacher als niederländisch-deutschen Treffpunkt der Generationen pflegen.

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