Schrittmacher: Im Mambo bündelt sich das explosive Lebensgefühl

Von: Sabine Rother
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Fliegende Körper: die Compagnie Danza Contemporánea de Cuba beim Schrittmacher-Festival in Heerlen. Foto: Theater Heerlen

Heerlen. Sie überschreiten Grenzen – und das sehr konkret. Das Schrittmacher-Festival unterwegs. Seit Jahren pflegt man die Partnerschaft mit dem Parkstad Limburg Theater. Das Festival ist nicht nur in der Aachener Fabrik Stahlbau Strang zu Hause, sondern auch im Heerlener Theaters, wo rund 1100 Zuschauer in weichen, mit rotem Plüsch bezogenen Sesseln Platz haben.

„Wir hätten nie gedacht, dass sich diese Partnerschaft so entwickelt. Das Haus ist ausverkauft, eine gute Mischung aus niederländischen und deutschen Zuschauern“, freut sich Bas Schoonderwoerd, Direktor in Heerlen. Auf der Bühne wird Danza Contemporánea de Cuba erwartet, Kubas führende Tanzkompanie, Aus dem großen Reisebus steigen über 40 Aachener Schrittmacher-Fans, begleitet vom Aachener Festivalleiter Rick Takvorian. „Wir bieten diesen Service zu allen Schrittmacher-Veranstaltungen in Heerlen an“, sagt er und informiert die Zuschauer im Bus über die Besonderheiten des Abends. „Als ich für die Ludwig-Stiftung unterwegs war, habe ich die kubanische Compagnie zum ersten Mal gesehen, es war unbeschreiblich“, schwärmt er.

Danza Contemporána de Cuba – eine 20-köpfige Truppe – ist erstmals auf Tournee durch die Niederlande. Kraftvoll und diszipliniert lassen die Tänzerinnen und Tänzern ihr explosives Temperament in die atemberaubenden Bewegungsabläufe anspruchsvoller Choreographien einfließen. Drei Stücke prägen den Abend. Dreifach gibt es fliegende Körper, schwingende Hüften, Modern Dance auf höchstem Niveau, durchzogen von klassischem Ballett, Akrobatik, Robot Dance, Street Dance, HipHop und den uralten Rhythmen, die im jungen kubanisch-karibischen Blut glühen. Der israelisch-niederländische Choreograph Itzik Galili hat für „Sombrisa“ Männern und Frauen Boxhandschuhe angezogen. Es geht um Dominanz und Unterwerfung, Muskelspiel, Balzverhalten und Raffinesse.

Auf eine spiegelnde Fläche schickt der Spanier Rafael Bonachela bei „Demo-N/Crazy“ die Compagnie. Wasserkühle Blautöne dominieren. Schmerzliche Streicherakkorde öffnen Klangräume. Innenspannung herrscht, ein kaltes Feuer, Bilder, die sich wie in einem Kaleidoskop blitzschnell verändern. Zutiefst emotional: eine Serie von Szenen zu Jacques Brels Chanson „Ne me quitte pas“, männliche Paare im Ringen um die letzten Fasern einer einst verbindenden Liebe von der zärtlichen Belagerung bis zur aggressiven Attacke.

Höhepunkt des Abends und ein heftiges Statement der jungen Kubaner: „Mambo 3XX!“ vom eigenen Choreographen George Cés-pedes. Straff und kühl wird der berühmte Rhythmus zunächst in Reih und Glied wie eine Militärparade umgesetzt. Leer die Blicke, zackig die Bewegungen – ein getanzter Protest gegen jede Form von Unterdrückung. Doch der Mambo mit seinen religiös-afrikanischen Wurzeln ist viel stärker, ergreift die Körper und Seelen. Es zeigt sich, was diese Companie ausmacht: Es ist eine starke, kämpferische und lebensfrohe Truppe mit einem großen Willen. Jubelnder Applaus, die Zuschauer hält es nicht mehr auf den Plätzen. Blumen fliegen – diesmal von der Bühne Richtung Publikum. Die Dankeschön-Sträuße des Theaters werden von den glücklichen Künstlern zerflückt.

Und später im Bus zurück nach Aachen: „Wahnsinn“, sagt eine der Mitfahrerinnen. „Das war einfach Wahnsinn . . . “

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