Aachen - Schrittmacher-Festival: Modern Dance in höchster Perfektion

Schrittmacher-Festival: Modern Dance in höchster Perfektion

Von: Sabine Rother
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Höchste Konzentration, perfekter Körperausdruck: Die Richard Alston Dance Company begeisterte in Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Sie verdichten Kraft und Eleganz zu atemberaubend klaren Bildern. Das sind getanzte stürmische Gefühlswelten, dunkle Gedanken und heftige Emotionen: Die Richard Alston Dance Company aus England hat es erneut zum Aachener Schrittmacher-Festival in die Fabrik Stahlbau Strang gezogen.

Begeistert von der Architektur dieser Spielstätte, ließ Alston, Gründer und künstlerischer Leiter der Company, bereits 2011 alle Vorhänge entfernen. Pur sollte der Industrie-Raum sein, denn pur ist es auch, was seine Tänzerinnen und Tänzer mitbringen.

Es sind starke Persönlichkeiten, die es schaffen, ihre jeweilige persönliche Ausstrahlung zu bewahren und doch – je nach Choreographie – blitzschnell eins mit dem Ensemble zu werden, eine Wand zu bilden oder sich plötzlich im animalischen Vierfüßlergang geduckt Richtung Publikum zu bewegen, das in diesen Momenten den Atem anhält. „Ein legendärer Name im zeitgenössischen britischen Tanz”, begrüßt Festivalleiter Rick Takvorian an diesem Abend die Akteure der Richard Alston Company als „alte Freunde“ besonders herzlich.

Vier Choreographien stehen auf dem Programm, vier sehr unterschiedliche Arbeiten, denen sich die Company mit höchster Konzentration widmet. Reizvoll bei „Brink“ von Martin Lawrance ist die Nähe der Körper zur magisch in sie einfließenden Live-Musik des Akkordeons. In einem Lichtkegel sitzt Ian Watson mit seinem Instrument, versunken in eine Rarität der Musikliteratur: „Ayuno – Eurasion Tango“, dunkle Tango-Erotik, japanisch unterkühlt und glühend wie Lava. Watson lässt sein Akkordeon zunächst heiser „atmen“, ein muskulöser Tänzer, ein tastender Schatten, dann ein Paar, ein zweites, ein drittes.

Nähe und Distanz, das Ringen miteinander, die Spielarten sind sehr unterschiedlich, jedes Paar hat seinen Charakter. Es geht um Unterwerfung und Hingabe, ein schmaler Grat. Die Company schöpft aus der berührenden Ästhetik und suggestiven Macht des Tanzes, verbindet den Willen, eine Passage bis zur letzten Reserve auszutanzen, mit dem Wissen um Disziplin und Stil. Modern Dance ohne überflüssige Spielerei.

Schön im Anschluss „Unfinished Business” von Richard Alston zu Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviersonate KV 533. Weich und hingebungsvoll, ein klassisch-gegenwärtiger Pas des deux in samtigen Violett – dank reizvoller Lichtregie, bei der Hände und Füße wie in Farbe getaucht erscheinen. Auch hier wieder Liebe und Sehnsucht, Suchen und Verlassen, die philosophisch gezeichnet und lyrisch getanzt werden.

Mit Lyrik beschäftigt sich Alston auch bei „Holderlin Fragments“, bei denen die Company den gesungenen Liederzyklus von Benjamin Britten bewegt umsetzt, zerbrechlich, eindringlich und verschlüsselt, wie die visionären Texte des berühmten Romantikers.

Höhepunkt des großen Abends ist „Madcap“ von Martin Lawrance zur Musik von Julia Wolfe („Lick“ und „Believing“). Rasant und kämpferisch umkreisen sich die Mitglieder der Company wie eine Streetgang kurz vor dem Ausbruch heftigster Kämpfe. Da gibt es hohe, elastische Sprünge und schnelle Hebungen, athletische Kunststücke, millimetergenau abgepasste Aktionen, kurze Passagen großer Nähe, nach denen die Funken umso heftiger fliegen.

Die Paare finden und verlieren einander, schließlich umkreist die Gruppe als dunkler, nach Beute jagender Schatten Tänzer Nathan Goodman, der durch seine Leistungen innerhalb der Company sehr auffällt – eine szenisch packende Arbeit, tänzerisch grandios umgesetzt. Jubelnder Applaus. Zum Schluss kommen sogar Altmeister Richard Alston und sein Tanzdirektor Martin Lawrence auf die Bühne, schieben aber sofort wieder die neun Mitglieder der Company in den Vordergrund. Ein großer Abend, der lediglich durch die Passagen weise zu scheppernde und laute Musikeinspielung kleine Einbußen erlitt.

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