Schranzen, die im Verein buckeln

Von: Armin Kaumanns
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Vor lauter Puppen sieht man die Menschen nicht mehr: Gilda (Olesya Golovneva) und ihr Vater Rigoletto (Boris Statsenko) im Dickicht einer künstlichen Schaufensterwelt. Foto: Thilo Beu

Düsseldorf. Für diesen „Rigoletto” muss man einfach nach Düsseldorf fahren: Die schier überirdische Qualität der Rheinoper-Sänger macht Verdis Opern-Hit zu einem Live-Ereignis, wie es nur ganz selten zu erleben sein dürfte. Die Gilda der russischen Sopranistin Olesya Golovneva strahlt in allen Farben des Regenbogens.

Ein Wunder geradezu ihre Sicherheit in höchsten Tönen, die Musikalität, die Innigkeit des Ausdrucks. Im Zenit seiner Karriere dürfte Andrej Dunaev angelangt sein, der ebenfalls russische Tenor, der die leichtfertigen Liebesschwüre des Herzogs von Mantua mit einem Schmelz und verzückenden Farben ausstattet, dass man vor Seligkeit vergehen möchte. Da hat es der großartige Bariton Boris Statsenko nachgerade schwer, die Qualität seiner Rigoletto-Partie zu behaupten. Kein Wunder also, dass nach der Premiere sich die Bravi überschlagen, Zustimmung, die auf die von Johannes Debus leidenschaftlich geführten Düsseldorfer Symphoniker abfärbt.

Nun allerdings ist eine Opernaufführung mit einer Inszenierung verbunden: Man sieht eine Bühne, auf der Personen agieren. Dem hat sich der Rheinopern-Rigoletto im Herbst schon einmal entzogen, als die Duisburger Premiere wegen ungelöster künstlerischer Probleme kurzerhand konzertant stattfinden musste. In Düsseldorf hat also jetzt der deutsch-französische Aufsteiger-Regisseur David Hermann seine Sicht auf die Fluch-Oper vorgelegt. Prompt handelte er sich ein fulminantes Buh-Konzert ein. Es gibt gute Gründe für diese Ablehnung.

Hermann vertraut zu sehr der Magie des edlen, abstrakten Designs: der Bühne Alexander Polzins - ein schwarzes Loch, in dem puristisch ein graues Quadrat zu Wand-, Himmel-, Plateau-Ehren kommt; der Grau-Schwarz-Optik, in der atemberaubende Lichteffekte (Volker Weinhart) möglich sind, die aber das Statische, Statuarische der Bildsprache noch unerträglicher macht. Hermann zeigt eine höfische Welt, in der die Schranzen im Verein buckeln, wenn der Herzog kommt; Rigoletto, der Narr, hat sich selbst mit Gummiband die Freiheit der Bewegung genommen. Später bevölkert ein zur Terrakotta-Armee erstarrtes Heer von Schaufensterpuppen die Szenerie, in der Gilda, Rigolettos geschändete Tochter, ihrem tragischen Ende entgegenglüht. Wie ein Witz wirkt da ihr Versteck, das im Keller eines Efeu-bewucherten Glashauses liegt: Ein Verlies mit Edelstahl-Wänden, das aus dem Boden wächst, wenn Rigoletto herabsteigt.

Hermann entwirft eine Welt ohne Liebe, bewohnt von Menschen, die in ihren Rollen gefangen, erstarrt sind. Macht tötet jede Beziehung. Diesem „Rigoletto” ist also mit dem Pathos zugleich der Zauber ausgetrieben, der die Oper zum Liebling des Publikums machte. Hermann hat sein Konzept konsequent durchgesetzt, sogar ein modisch-selbstironisches Augenzwinkern eingestreut. Verdi-Fans jedoch werden diesen Abend trotz der Inszenierung lieben müssen.

Termine und Infos

Verdis „Rigoletto” ist noch am 14., 16., 18. und 21. März, am 3. und 21. April sowie am 7., 9., 14. und 16. Mai im Düsseldorfer Opernhaus zu sehen.
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