Schöner kann man Bach-Musik nicht mehr spielen

Von: Alfred Beaujean
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Aachen. Dass junge Pianisten hochgejubelt werden, ist im Public-Relations-Zeitalter nichts Besonderes. So ist man eher skeptisch, wenn man Anpreisungen liest, wie sie dem 18-jährigen Amerikaner Kit Armstrong vorausgingen. Nach seiner Darbietung bei den Aachener Meisterkonzerten musste man feststellen, dass sie dennoch zu zurückhaltend waren.

Ja, man muss schon bis zu den Tondokumenten des legendären Glenn Gould zurückgehen, um einem Bach-Spiel zu begegnen, wie dieses so bescheiden und unprätentiös auftretende Klaviergenie es an diesem Abend bot. Man ist fast versucht, ihn in Bezug auf pianistische Eloquenz und klanglichen Feinschliff noch über diesen Bach-Papst zu stellen.

Das Problem allen Bach-Spiels auf dem modernen Konzertflügel, nämlich größte lineare Transparenz und Deutlichkeit mit blühender, dynamisch reich gestufter Tongebung zu verbinden, löste Armstrong mit einer Souveränität und ohne die geringste Manieriertheit, die den Hörer bei allen Ansprüchen, die das Programm an die Hörkonzentration stellte, beglückt empfinden ließ: Ist das herrliche Musik!

Ob es sich um Liszts Transkription der g-Moll-Fantasie und Fuge für Orgel, um vier Präludien und Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier, um vier Duette aus der Klavierübung II oder um die grandios gespielte Chromatische Fantasie und Fuge handelte, der Eindruck war immer der gleiche: Das kann man nicht besser und vor allem nicht schöner spielen.

Daneben gab es Liszt, dessen Verbeugung vor Bach sich in den Variationen über „Weinen, Klagen” aus der Kantate BWV 12 niederschlug. Dass Armstrong auch über die Pranke des Virtuosen verfügt, zeigte sich bei der Darstellung des f-Moll-Stücks aus den „Etudes execution transcendante”; seine berückende Wiedergabe der „Cloche de Geneve” und der „Vogelpredigt des Heiligen Franz von Assisi” hätten fast in ihrer feinnervigen Koloristik von Claude Debussy sein können.

Ein Klavierabend, den man so schnell nicht vergisst.
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