Aachen - Schön gespielt und laut gehustet

Schön gespielt und laut gehustet

Von: Thomas Beaujean
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Sie spielte super, beschwerte
Sie spielte super, beschwerte sich allerdings auch energisch über hustende Zuhörer: Pianistin Olga Scheps im Aachener Eurogress. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der jungen Pianistin Olga Scheps, die die neue Saison der Meisterkonzerte in Aachen eröffnete, war in letzter Zeit einiges an Medienaufmerksamkeit zuteil geworden. Dass die 24-jährige, in Russland geborene und seit vielen Jahren in Deutschland lebende Nachwuchskünstlerin mehr ist als eine aparte junge Frau, die schön Klavier spielt, das wurde den Zuhörern schnell bewusst.

Sie verfügt nicht nur über eine beachtliche spieltechnische Souveränität, sondern hat als eigenständige Künstlerpersönlichkeit einiges zu sagen. Ihr Programm mit romantischer Klaviermusik wurde eingerahmt von Werken des Jubilars Frédéric Chopin, zu dessen 200. Geburtstag sie kürzlich eine viel-beachtete CD herausbrachte.

Die eingangs gespielte Fantasie f-Moll fand mit ihrer freien, schweifenden Form eine ebenso stringente, großbogige Wiedergabe wie das Nocturne Des-Dur und die Ballade Nr..1 g-Moll. Ein höchst differenzierter Anschlag, sorgfältige Ausformung der einzelnen Stimmverläufe durch nuancierte Farbgebung, ein leuchtender Ton im Diskant machten diese Wiedergaben in Verbindung mit einer zwingenden Natürlichkeit des Ausdrucks zu durchaus reifen Darstellungen.

Ähnlich überzeugend gelang der Block mit zwei Préludes aus op. 23 und den Variationen auf ein Thema von Corelli von Sergej Rachmaninoff. Anrührend das Spiel mit verschiedenen Klangfarben im Prélude D-Dur, kraftvoll ohne Brachialgewalt der Zugriff beim vielgespielten Prélude g-Moll, dessen Mittelteil ohne Sentimentalität auskam. Dass sie hier ihr Spiel unterbrach und das Publikum recht energisch darauf aufmerksam machte, dass sie das fortwährende laute Husten störte, war nachzuvollziehen.

Über Rachmaninoffs langen, gestalterisch und pianistisch sehr anspruchsvollen Variationszyklus spannte sie einen großen, zusammenfassenden Bogen, in dem die Spannung nie nachließ. Spieltechnisch hohe Anforderungen stellt auch Robert Schumanns Faschingsschwank aus Wien, den sie mit jenem romantischen Überschwang interpretierte, die die Musik des jungen Schumann benötigt. Dass technisch nicht immer alles makellos ablief und es bisweilen kleine spieltechnische Unsauberkeiten gab, sah man ihr angesichts der sonstigen Qualitäten ihres Spiels gerne nach.

Als Zugaben servierte sie dem begeisterten Publikum Stücke von Glinka und Rachmanininoff.
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