Schnell, scharfzüngig, witzig: Urban Priol

Von: Grit Schorn
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Schoss sich im Aachener Eurogress kräftig auf die Berliner Koalition ein: Kabarettist Urban Priol. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Längst kein unbekannter Kabarettkobold mehr: Der 48-jährige Urban Priol, der „Randbayer mit fränkischem Migrationshintergrund”, trat nicht nur im „Westzipfel” der Republik bereits mehrfach in Erscheinung - bundesweit bekannt wurde der agile Aschaffenburger durch die beliebte ZDF-Satiresendung „Neues aus der Anstalt”, deren irrwitziges Programm er gemeinsam mit Kollege Georg Schramm betreibt.

Im gut gefüllten Aachener Eurogress wirkt er zunächst weniger bürgernah als sonst: Von der Empore aus gesehen wirkt der Merkel-Hasser weniger präsent als im Fernsehen, wo Großaufnahmen und Anstaltsambiente den wortflinken Weizenbiertrinker ins rechte - eher linke Licht rücken... Doch dies tut der guten Laune im Saal keinen Abbruch, denn der Mann mit dem ständig gesträubten Haupt-Resthaar ist weit mehr als ein köstlicher Scherzkeks und Entertainer.

Natürlich schießt er sich gleich auf die frischgewählte schwarz-gelbe Koalition ein - mit schwarz-gelbem Outfit - und gerne auch auf Aachens „Ulla”, die mit ihrem gestohlenen Dienstwagen „auf dem Standstreifen der Bedeutungslosigkeit” gelandet sei. Priol ist schnell, scharfzüngig und ausgesprochen witzig, zuweilen arg drollig.

Vieles ist bitterernst gemeint

Trotz aller Komik meint er aber vieles bitterernst, nicht nur, was seine Permanent-Kritik an der alten und neuen Kanzlerin betrifft. „Er trifft halt gerne ins Schwarze”, meint eine elegante Dame in der Pause, dem Akzent nach eine Landsmännin des fränkischen Wortakrobaten. Lustvoll macht sich Priol zum Clown, besonders wenn es um die „Gelben”, die FDP, geht.

„Jetzt will sie keiner gewählt haben”, feixt er und schont auch die geschockte SPD nicht. Immer wieder von Applaus unterbrochen, veräppelt er ebenso NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers als „Hobby-Ethnologen” und neuen „Arbeiterführer”, der sich vor der „Schicksalswahl im Mai 2010” fürchte. Und für Westerwelle hat er viel Mitgefühl - Frau Merkel sieht Priol als „Gottesanbeterin”, das weibliche Insekt, „das nach der Begattung den Partner frisst”!

Nach Aachen ist er natürlich mit der Bahn gekommen, aber jetzt stehe er ohne Text da. Denn man habe „seinen Rucksack gesprengt”, weil er denselben auf dem Bahnhof einen Moment lang aus den Augen verloren habe. Ein Seitenhieb auf Schäubles „Terrorphobie”

Das wahre „Terrornetz aus Banken, Brokern und Versicherungen” deckt Priol auf, indem er erneut den haarsträubenden „Verkauf seines Kredits nach Kalifornien” aufgreift, natürliche über dubiose internationale Kanäle. Mit der aktuellen Ausgabe seines Dauer-Programms „Tür zu!” macht er dem Eurogress-Publikum viel Freude - von Verbraucherschutzministerin Aigner und Außenminister-Aspirant Westerwelle bis zum ministerial aufgestiegenen Pofalla und der „verarmten” Frau Schickedanz lässt er niemand ungeschoren.

Doch wirklich Tür zu heißt es erst nach mehr als drei Stunden - eine halbe Stunde zu lang, wie etliche Besucher meinen. Dennoch ein gelungener Abend, mit Highlights wie dem „Betroffenheits-Flokati” der Grünen, Claudia Roth, und „Peterchens Mondfahrt”, das von Peter Hintze, Theologe und CDU-Politiker, geforderte Mond-Erforschungsprogramm. Herrlich der „Sturm auf die Destille”, der deutschen Kneipe, während die Franzosen immerhin einen revolutionären „Sturm auf die Bastille” gewagt hätten...
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