Monschau - „Schnee von gestern“ glitzert in Monschau

„Schnee von gestern“ glitzert in Monschau

Von: Eckhard Hoog
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„Schnee von gestern“ im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau (KuK): Bestritten wird die Ausstellung von den Kunstprofessoren BjØrn Melhus (l.) und Thomas Rentmeister. Hier sitzen sie in einer Installation aus TV-Simulatoren in Plastikeimern. Foto: Peter Stollenwerk

Monschau. Da keimen doch tatsächlich nostalgische Gefühle auf, und man erinnert sich gerne wieder einmal an die legendäre Schau „Umwelt-Akzente“ von 1970 im idyllischen Monschau – an die Mutter aller weltweiten Open-Air-Ausstellungen.

„Open Air“ ist dieses Mal zwar nicht angesagt, da die Veranstaltung komplett im Gebäude des Kunst- und Kulturzentrums der Städteregion Aachen (KuK) stattfindet – doch der experimentelle, leicht verrückte Esprit kann durchaus mit den damaligen Einfällen von Größen wie Rune Mields und Günther Uecker mithalten.

KuK-Leiterin Nina Mika-Helfmeier, ansonsten vollkommen der künstlerischen Fotografie verschrieben, hatte die Idee: zwei völlig unterschiedlich arbeitende deutsche Kunstprofessoren von internationalem Renommee einzuladen und thematisch unter einen Hut zu bringen – Thomas Rentmeister, Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, und BjØrn Melhus, Professor an der Kunsthochschule Kassel. Der eine Bildhauer, der andere Video-Künstler. Das Thema: „Schnee von gestern.“

Die Jahreszeit spielt eine Rolle

Schnee von gestern? Die Inspiration dazu hat mit der Jahreszeit zu tun: „Zum Jahreswechsel erinnert man sich an das Vergangene und fasst gute Vorsätze für das neue Jahr – die meist nicht ganz neu sind. In dieser Zeit sind viele Dinge wieder aus dem Bewusstsein verbannt und zu ‚Schnee von gestern‘ geworden“, erklären die Kuratorinnen Nina Mika-Helfmeier und Tanja Wessolowski.

Erinnerungen und Vergänglichkeit: Das sind die Motive, die beide Künstler bewegt haben – im weitesten Sinne. Und da wir uns ja schließlich im Medienzeitalter befinden, ist es nicht der reale kalte Schnee, der ihnen zum Thema einfiel, sondern gewissermaßen ein Trauma aus der Kindheit: das schwarz-weiße Schneerauschen auf dem Bildschirm, nachdem es hieß: „Sendeschluss!“ Rentmeister hat die spießige Idylle jener Zeit nachgebaut: mit einem polsterbesesselten Wohnzimmer und dem unvermeidlichen TV-Gerät im Modus des Ätherrauschens – längst undenkbar in unserer digitalen Welt.

Leider haben damit auch die Geister aus dem Jenseits ihr Medium verloren: Rentmeister erinnert mit einem Artikel aus der damaligen „Aachener Volkszeitung“ an den Aachener Rentner Klaus Schreiber, der Ende der 80er für Furore sorgte, nachdem ihm nicht nur seine verstorbenen Familienmitglieder, sondern auch Curd Jürgens und Ludwig II. auf dem schneerauschenden Fernsehbildschirm erschienen waren. Schnee von gestern . . .

Schon als Kind war Bjørn Melhus von amerikanischen Science-Fiction-Serien fasziniert. Seine Medienerinnerungen münzt er um in eigene SF-Videokreationen, in denen er selbst in die Rolle des Kapitäns eines Raumschiffs schlüpft, begleitet von einem kühnen Mann – sein Vater – und einem Jungen im Kommunionsanzug – sein Neffe, unterlegt mit dem originalem Dialogsound aus den Filmen.

Wie ein abgestürzter Satellit

Kollege Rentmeister stellt dazu eine rostige Eisenskulptur, die ein abgestürzter Satellit sein könnte – in Wahrheit ein schrottiges Fundstück aus der Landwirtschaft, das ihm ein befreundeter Bauer zur Hochzeit geschenkt hat! Nostalgisch beschwört er überdies die wohl in der Kindheit gespürte Magie der alten Glotzkiste, indem er sie als Keramik nachbaut. Und wenn Rentmeister Spiegel mit Penatencreme einsalbt, dann empfindet er das – durchaus plausibel und nachvollziehbar – als „absurde Logik“. Und als „Persiflage auf den abstrakten Expressionismus“. Das KuK-Publikum wird also ordentlich gefordert... Näher am Thema sind da schon Siebdrucke von Aufnahmen, die der Künstler von verdreckten Schneehaufen auf einem Supermarktparkplatz gemacht hat – das ist dann tatsächlich „Schnee von gestern“.

TV-Simulatoren, wie man sie zur Abschreckung von Einbrechern im Baumarkt bekommt, hat Melhus in 48 Eimer gesteckt, die wunderbar blinken zur schönen Weihnachtszeit...

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