Schauspieler Stéfan Horn ist tot: Leben für Kleinkunst

Von: eho
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2013 stellte er seine Memoiren vor: der Aachener Schauspieler und Mitbegründer der Kleinkunstbühne Eschweiler Talbahnhof Stéfan Horn. Am Pfingstsamstag ist er 73-jährig gestorben. Foto: Michael Jaspers

Eschweiler. Den Talbahnhof in Eschweiler hat er zusammen mit Walter Danz als führende Kleinkunstbühne in der Region etabliert, von 1981 bis 1988 spielte und inszenierte er zuvor als festes Ensemblemitglied am Stadttheater Aachen: Stéfan Horn.

Am Pfingstsamstag ist der Schauspieler im Alter von 73 Jahren gestorben, wie Walter und Agnes Danz, die Kleinkunst Initiative Euregio e.V. und das Team vom Talbahnhof jetzt mitteilten.

Geboren wurde Stéphane Francis Horn, wie er mit Geburtsnamen heißt, in der französischen Kleinstadt Saint-Claude in der Region Franche-Comté. Der Vater, aus einer jüdischen Familie stammend, war mit seiner Frau vor den Nazis aus Köln hierher geflohen. Bereits im Kindesalter war er fasziniert von der Magie des Verkleidens, früh keimte in ihm der Wunsch auf, Schauspieler zu werden.

Als Schüler betrat er zum ersten Mal eine Bühne. Entscheidend wurde für ihn die Begegnung mit Georges Brassens, den er als Chansonnier erlebte: „Der stand da mit seiner Gitarre und sah aus wie ein Bär“, sagte er einmal. „Da dachte ich: So willst du auch mal sein – auf der Bühne stehen und dem Publikum Geschichten erzählen.“

1958 kehrte die Familie nach Köln zurück, Stéphane änderte seinen Namen in die deutsche Version Stéfan. Während des Studiums der Theaterwissenschaft an der Kölner Universität lernte er später berühmte Kollegen wie Jürgen Flimm und Klausjürgen Wussow kennen.

1994 Talbahnhof Eschweiler

Ein erstes Engagement führte ihn an das Theater Darmstadt. Über weitere Stationen in Coburg, Lübeck und Trier gelangte er 1976 an den Intendantenposten in Paderborn. 1981 wechselte er an das Stadttheater Aachen – heute Theater Aachen –, wo er Stellvertreter von Intendant Manfred Mützel wurde. 1988 schlug Horn freiwillig die Verlängerung seines Vertrags am Aachener Theater aus.

Danach widmete er sich mit Herzblut der Kleinkunst, der er in der Region eine feste Heimat geben wollte. Nach einigen Versuchen bot sich Stéfan Horn und Walter Danz 1994 schließlich der Talbahnhof in Eschweiler als geeignete Spielstätte an. 20 Jahre später konnte man zum Jubiläum eine stolze Bilanz ziehen: Alle waren sie da gewesen – Volker Pispers, Dieter Nuhr, Thomas Freitag, Jochen Busse und wie sie alle heißen. Über 2000 Veranstaltungen waren bereits bis dato über die kleine Bühne gegangen. Der Eschweiler Talbahnhof ist ein Begriff und nicht zuletzt auch bei den Künstlern hochgeschätzt. Horns Versuch, in Aachen das Roncalli-Café als Kleinkunstbühne zu etablieren, war leider nicht von Erfolg gekrönt.

Als 70-Jähriger veröffentlichte Stéfan Horn seine Memoiren unter dem Titel „Ein Leben in der zweiten Reihe oder Immerhin . . .“ – eine respektables Buch mit vielen Erinnerungen und Anekdoten aus einem ereignisreichen Leben auf 560 Seiten. Über drei Jahre hatte er daran gearbeitet.

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