Aachen - Schauspieler Matthias Brandt: „Dieser Name hat eine besondere Geschichte“

Schauspieler Matthias Brandt: „Dieser Name hat eine besondere Geschichte“

Von: Bernd Mathieu
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„Ich bin da ziemlich hartgesotten“: Matthias Brandt begeisterte jetzt in Aachen gemeinsam mit dem Musiker Jens Thomas in einer atemberaubenden Vorstellung nach Daphne du Mauriers Kurzgeschichte „Die Vögel“, Vorlage für Alfred Hitchcocks berühmten Thriller. Foto: dpa
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„Ich mag den schon gerne“: Matthias Brandt über Hanns von Meuffels, den er im „Polizeiruf 110“ spielt. Foto: dpa
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„Ich denke voller Liebe an meine Eltern“: Matthias mit Rut und Willy Brandt. Foto: dpa
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Gespräch in Aachen: Matthias Brandt und Bernd Mathieu.

Aachen. Er spielt im „Polizeiruf 110“ den Kommissar Hanns von Meuffels. Er brilliert in vielen Rollen mit seiner großen Schauspielkunst. Er begeistert auf der Bühne – auch mit Gesang. Er ist einer der großen Fernsehstars in Deutschland. Jetzt begeisterte Matthias Brandt mit dem Musiker Jens Thomas in Aachen in einer Performance im Rahmen des „Kulturfestival X der StädteRegion Aachen“.

Was steht bei diesen wunderbaren Programmen wie „Psycho“ und „Angst“ vorher zwischen Ihnen und Jens Thomas fest – außer Anfang und Ende?

Matthias Brandt: Nicht so viel. Wir wissen, welche Songs wir machen. Das sprechen wir vor der Vorstellung ab.

Und ansonsten?

Brandt: Lassen wir uns natürlich von der Umgebung, in der wir uns befinden, beeinflussen. In Aachen war es etwas Besonderes, in einer Kirche zu spielen.

War es das erste Mal in derart sakraler Atmosphäre?

Brandt: Ja, Kirche, glaube ich, war tatsächlich das erste Mal. Das ist auch akustisch etwas sehr Besonderes. Darauf stellen wir uns natürlich ein.

Improvisieren Sie und Jens Thomas mit bewährten Programmteilen, oder entsteht spontan ganz Neues, das es vorher noch nie gegeben hat?

Brandt: Es passiert viel Neues! Das ist Teil des Programms und erfordert ein gutes Gehör füreinander.

Finden Sie selber ausgeprägten Gefallen an Thrillern, an Horrorgeschichten?

Brandt: Das hat mit „Psycho“ angefangen, unserem ersten Programm. Das fanden wir in der Konstellation reizvoll, weil es so viele spielerische Möglichkeiten bietet, gerade für diese Form von Präsentation, die wir uns dafür gesucht haben. Da wollten wir noch ein bisschen weitermachen. Als nächstes wird es aber etwas ganz Anderes geben.

Steht schon fest, was das sein wird?

Brandt: Nein, wir baldowern das gerade aus.

Was haut Sie denn, wenn es um Angst und Horror geht, selber aus dem Sulky?

Brandt: Fiktional nicht so viel. Ich bin da ziemlich hartgesotten. Das ist nicht unbedingt mein Genre, in dem ich mich herumtreibe. Aber es ist in der Darstellung sehr dankbar.

Wie haben Sie Jens Thomas kennengelernt, wie ist die Idee geboren worden, von wem ging der Impuls aus?

Brandt: Ich bin von den Organisatoren eines Musikfestivals gefragt worden, ob ich Interesse hätte, zusammen mit einem Musiker etwas in der Kombination von Wort und Musik zu machen. Jens Thomas war mir als Theatermusiker ein Begriff, und ich hatte schon immer Lust, dass wir beide mal zusammen arbeiten, und deshalb habe ich ihn vorgeschlagen. Wir haben tatsächlich verabredet, dass wir nicht proben, sondern uns erst auf der Bühne begegnen. Wir wussten, welchen Text wir machen, und er schafft jeden Abend einen neuen Soundtrack zu dem, was da geschieht.

Sie haben viel Theater gespielt, war Ihnen schon früh bewusst, dass Sie ein so musikalischer Mensch sind, der auch singen kann?

Brandt: Nein, obwohl es in gewisser Weise zur Ausbildung gehört, aber wenn die von durchschlagendem Erfolg gekrönt wäre, gäbe es nicht so viele Schauspieler, die nicht singen können. Ich habe mir, ehrlich gesagt, darüber nie viele Gedanken gemacht.

Reden wir über Hanns von Meuffels, den Sie im „Polizeiruf 110“ schon zehn Mal gespielt haben.

Brandt: Ich habe nicht mitgezählt, aber so viele dürften es sein.

Ein kleines Jubiläum, ist von Meuffels für Sie schon so etwas wie eine Lieblingsrolle geworden? Oder gibt es das bei der Vielzahl Ihrer Rollen gar nicht?

Brandt: Ich mag den schon gerne. Erstaunlicherweise ist es momentan offenbar bei uns der absolute schauspielerische Ritterschlag, einen Polizisten zu spielen. Ich weiß nicht, ob man das so hundertprozentig ernst nehmen soll. Ich ziehe das in Zweifel. Dieser Krimi-Hype ist bei uns schon sehr, sehr ausgeprägt. Hanns von Meuffels ist eine Figur, die ich in gewisser Weise mit erfunden habe und an der ich sehr stark mitarbeite. Deshalb liegt er mir natürlich am Herzen. Aber der „Polizeiruf“ ist eben nur eine Facette meiner Arbeit.

Man könnte es drehen und sagen: Für „Polizeiruf 110“ ist es der Ritterschlag, dass Sie dort eine Hauptrolle spielen.

Brandt: Das dürfen Sie sagen, nicht ich.

Wie viel Einfluss haben Sie auf Hanns von Meuffels?

Brandt: Wir überlegen sehr lange im Vorfeld, auf welche Geschichten wir Lust haben. Die Rolle, die Figur ist schon sehr von mir geprägt, da habe ich mich intensiv einbringen können mit dem, was mich interessiert.

Haben Sie Gemeinsamkeiten mit ihm?

Brandt: Ich glaube, dass das gar nicht ausbleibt. Als Erzähler, und das sind Schauspieler, geht man immer von sich aus – auch wenn man das Gegenteil der eigenen Persönlichkeit darstellt.

Sie fahren manchmal 40, 50 Kilometer mit dem Fahrrad durch die Großstadt, durch Berlin. Was fasziniert Sie daran, andere fahren eher durch grüne Landschaften?

Brandt: Die Stadt ist so groß, da kommen schnell ein paar Kilometer zusammen. Ich glaube, dass meine Arbeit sich immer aufs Leben beziehen sollte. Wenn sie das tut, dann muss ich immer für Situationen sorgen, in denen ich zumindest ansatzweise etwas vom Leben mitkriege, das um mich herum passiert. Bei der Arbeit, die ich mache, und bei dem Leben, das ich führe, besteht die Gefahr, dass es eine relativ hermetische Angelegenheit ist, eine künstliche Welt. Das finde ich nicht gut. Es bekommt einem Schauspieler nicht, wenn man sich ausschließlich darin aufhält.

Wie begegnen Menschen Ihnen, zum Beispiel wenn Sie zu Ihrem Lieblingsverein Werder Bremen ins Stadion gehen, wie sieht das auf einer Skala zwischen „kumpelhaft“ und „distanziert“ aus?

Brandt: Sowohl als auch. Grundsätzlich gilt: Wer zur Hauptsendezeit im deutschen Fernsehen auftritt, kann sich ja nicht ernsthaft darüber beschweren, dass das von vielen Menschen wahrgenommen wird. Ich kann wirklich nicht meckern. Nach meinem Empfinden haben die allermeisten Leute ein starkes Gespür dafür, dass es auch einen Punkt gibt, an dem man mal privat sein möchte. Ich kann da nichts wirklich Negatives berichten. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber die gibt es ja überall.

Sie leben in Berlin, Sie sind in Berlin geboren, ist Berlin für Sie Heimat?

Brandt: Das ist für mich schwer zu beantworten. Richtig, ich bin in Berlin geboren, aber ich bin komplett im Rheinland aufgewachsen, da aber nach dem Abitur weggegangen, und dann setzte die Theaterexistenz ein. Alle paar Jahre wechselt das Engagement. Ich war an sehr unterschiedlichen Häusern, etwa am Schauspielhaus Zürich eine Zeitlang, am Schauspielhaus Bochum, in München. Deshalb ist die Frage nach Heimat nicht leicht zu beantworten. Aber Berlin ist zumindest der Ort, den ich mir freiwillig ausgesucht habe und an dem ich freiwillig bleibe. Vielleicht ist das auch eine Definition von Heimat.

Haben Sie noch eine besondere Beziehung zu Bonn? Ist es etwas Anderes, wenn Sie in Bonn sind als in Aachen oder in Düsseldorf?

Brandt: Ja, obwohl es schon weit weg ist. Es ist eine Weile her, dass ich die Stadt verlassen habe. Ich glaube, dass es eine ambivalente Geschichte ist: einerseits weit weg, andererseits komme ich dort irgendwo an eine Hausecke und werde plötzlich 30 oder 40 Jahre zurückkatapultiert.

„Die Familie ist Schutz vor allem, was da draußen ist“, haben Sie einmal gesagt. Was ist „da draußen“?

Brandt: Diese Art von öffentlichem Leben, das ich zumindest partiell führe, ist für mich nur möglich, dadurch dass ich auch ein privates, familiäres Leben habe, das nicht öffentlich stattfindet und davor geschützt ist. Ich brauche das, um dann wieder rausgehen zu können. Das handhaben andere Leute anders, die leben dann komplett öffentlich, das wäre für mich nicht denkbar.

Wir haben eben über Werder Bremen gesprochen. Wie verliebt man sich in einen solchen Fußballverein einfach so, Hertha BSC hätte doch näher gelegen?

Brandt: Na ja, Hertha. Ich habe in Bremen mal Theater gespielt, das war der konkrete Grund. Außerdem ist es wie immer mit der Liebe: Die Frage, warum man sich in jemanden verliebt, kann man nicht beantworten. Wenn man die beantworten kann, dann stimmt schon irgendetwas nicht!

Wenn Sie die letzte Saison sehen, dann müssen Sie als Werder-Fan besonders belastbar und leidensfähig sein. Sind Sie das?

Brandt: Es bleibt mir nichts Anderes übrig.

Es ist mir viele Jahre mit dem 1. FC Köln auch so gegangen.

Brandt: Sie haben da momentan geradezu verdächtig stabile Zeiten.

Sie werden oft auf das Verhältnis zu Ihrem Vater angesprochen. Sie haben es vor Jahren in zwei Worte zusammengefasst: „Herzlich sprachlos“. Was beschreiben, was meinen Sie damit?

Brandt: Ich zögere etwas mit der Antwort.

Warum?

Brandt: Weil ich darüber nachdenke, ob ich das heute noch einmal so sagen würde. Nach meinem Empfinden ist es ja auch so, dass im Grunde das Verhältnis zu den Eltern, selbst wenn sie nicht mehr leben, sich weiter entwickelt und Veränderungen erfährt. Ich glaube, dass ich das heute ein bisschen milder betrachte, als es vielleicht in dieser Aussage scheinen mag. Es war gar nicht kritisch gemeint. Ich glaube, dass mein Vater und ich Schwierigkeiten hatten in der direkten Kommunikation, was an der Zuneigung nichts ändert! Wir hatten es beide nicht so leicht, weil wir beide nicht so expressive Typen sind. Ich denke voller Liebe an meine Eltern.

Sie haben darüber nachgedacht, sich einen Künstlernamen zuzulegen, das aber schnell als unsinnig verworfen.

Brandt: Ja, ich habe das deshalb für Unsinn gehalten, weil ich sehr schnell gemerkt habe, dass mein Name Teil meiner Identität ist und ich mir durch das Ablegen dieses Namens ein Stück meiner Identität genommen hätte. Und es gab einen pragmatischen Grund: Du nimmst einen Künstlernamen an, und dann kommt es irgendwann doch raus und verursacht viel mehr Aufsehen. Und außerdem hat dieser Name eine besondere Geschichte, weil es ein Kampfname ist, das Pseudonym meines Vaters aus der Emigration. Einen solchen Namen legt man nicht ab.

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf Hanns von Meuffels. Sie haben gesagt: Wann mit dieser Rolle Schluss ist, bestimme ich selber. Haben Sie das Finale schon im Blick oder liegt es noch in weiter Ferne?

Brandt: Ich weiß das, aber ich sage es nicht.

Das haben Sie noch nie verraten, geschenkt. Was dürfen und wollen Sie denn sagen, das mit dem „Polizeiruf 110“ nichts zu tun hat, worauf dürfen wir uns freuen?

Brandt: Ich habe jetzt mit einer sehr schönen Aufgabe angefangen, mit einer großen Serie in Berlin, die gerade von Tom Tykwer gedreht wird mit dem Titel „Babylon Berlin“, die größte Unternehmung dieser Art, die bislang in Deutschland gemacht worden ist. Es wird ein aufregendes Abenteuer.

Auf welchem Sender?

Brandt: Es ist zum ersten Mal eine Kooperation zwischen Sky und der ARD. Die Folgen spielen im Berlin der 20er Jahre.

Dann sind Sie zum ersten Mal Schauspieler im Bezahlfernsehen.

Brandt: Ja, aber wie ich die Sache sehe, wird es nicht das letzte Mal sein.

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