Düren - Sammlung des Aachener Arztes Werner Dohmen im Leopold-Hoesch-Museum

Sammlung des Aachener Arztes Werner Dohmen im Leopold-Hoesch-Museum

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
15797565.jpg
Renate Goldmann, Direktorin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums, öffnet wieder einmal eine Schatzkiste: Erstmals wird in ihrem Haus die Sammlung des Aachener Arztes Werner Dohmen vorgestellt. Hier stehen sie in einer Installation der Koreanerin Haegue Yang. Foto: Anne Welkener

Düren. „Kunst muss eine Aura haben, die einen in den Bann zieht“, sagt Werner Dohmen, von Hause aus Allgemeinmediziner mit Praxis in Aachen, Gründungsmitglied und seit 29 Jahren Vorstandsvorsitzender des Neuen Aachener Kunstvereins (NAK).

Jetzt offenbart er eine Leidenschaft, von der wohl nur Eingeweihte wussten, wie weit sie sein Leben seit Jahrzehnten bestimmt und geprägt hat: Erstmals stellt er seine Privatsammlung zeitgenössischer Kunst umfassend in einer Ausstellung vor – genauer gesagt: einen Teil davon.

„Beyond The Box“ heißt die Schau im Dürener Leopold-Hoesch-Museum – was so viel meint wie „Jenseits des Gewohnten“. Und das sind Werke von Künstlern eben nicht aus der unvermeidlich westlichen Kunsthemisphäre, sondern aus Mexiko, Kuba, Westafrika, Israel, Russland, Südkorea, Japan und Neuseeland, ergänzt durch einige individuelle, außergewöhnliche Positionen aus Europa und den USA, insgesamt 17 Künstler aus 13 Ländern. Museumsdirektorin Renate Goldmann öffnet damit wieder einmal eine Schatzkiste.

Brücke zwischen den Kulturen

75 Jahre ist Georges Adéagbo alt, 1942 im heutigen Benin geboren. Er verstand sich selbst keineswegs als Künstler, als er aus Einsamkeit in den 80ern begann, mit gefundenen und erworbenen Objekten Geschichten zu erzählen. Bis ihn ein französischer Kurator durch Zufall entdeckte – 2002 wurde Adéagbo zur documenta eingeladen, in den letzten Jahren führten ihn Ausstellungen in alle Welt. Werner Dohmen war einer der Ersten, den die „sprechenden“ Objekt- und Collagekästen des Westafrikaners faszinierten – angefüllt mit Schriftstücken, Fotos, Büchern oder Gemälden. Da hängt die afrikanische Maske gelegentlich neben einer Platte von Peter Maffay. Adéagbo schlägt eine Brücke zwischen den Kulturen und spricht postkoloniale Themen damit an. Am Donnerstag überwachte er selbst im Hoesch-Museum die Präsentation seiner Werke.

Alles andere als L‘art pour l‘art ist das, was den Aachener Kunstsammler bannt – immer geht es um tiefgreifende Inhalte, ungewöhnlich erzählt. So hat etwa das Schicksal der französischen Schriftstellerin Marguerite Duras, deren Mann unverhofft aus dem KZ heimkehrte, als sie bereits wieder mit einem anderen Mann aus der Resistance liiert war, ausgerechnet die koreanische Künstlerin Haegue Yang zu einer raumgreifenden Installation inspiriert.

In den originalen Proportionen hat sie die Möbelstücke in Duras’ Wohnung aus Metallkästen mit Jalousien als Wänden nachgebaut und das Innenleben mit Kabeln und Steckern, Knäueln technischer Fundstücke ausgefüllt. Ein Reflex auf die geradezu explodierte Industrialisierung ihrer eigenen Heimat, verbunden mit historischen und literarischen Reminiszenzen aus Europa. Geschichte konfrontiert mit Geschichte. „Sie sind alle superbelesen“, sagt Dohmen über seine künstlerischen Schützlinge.

Gesellschaftspolitische Akzente setzt die chinesischstämmige US-Amerikanerin Mel Chin, indem sie mit fiktiven Ausstattungsstücken für die Soap Opera „Melrose Place“ ironisch provoziert: zum Beispiel einem schmückenden Gemälde fürs Wohnzimmer – „Bomben auf Bagdad“.

Verschwitzte weiße Kappen von Golfspielern liegen vor der Wand – versaut mit toten Insekten, Bienen. Ein auf seine Art berührendes Menetekel der Ignoranz des Detroiter Künstlers Michael E. Smith.

Über reitenden Cowboys in einer schier unendlichen Steppenlandschaft schweben gleichfalls berittene Geistergestalten in den Wolken. Ein Riesenbild des Russen Pavel Pepperstein, in dem Dohmen Motive von Freiheit, Traum und Mythos erkennt. Einfach so aus dem Bauch heraus. „Eine tolle Arbeit!“ Kennerschaft und Instinkt finden hier eine Symbiose.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert