Russischer Kafka in Düsseldorf: Spielzeit beginnt mit Volks-Chor

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:

Düsseldorf. Mit einem russischen Kafka-Experiment und einem 70-köpfigen „Volksavantgardechor” startet das Düsseldorfer Schauspielhaus in die neue Spielzeit. Der St. Petersburger Regisseur Andrej Mogutschi (50) bringt an diesem Samstag Franz Kafkas Romanfragment „Der Prozess” auf die Bühne.

Im Zentrum der Sprachperformance steht ein Freiwilligen-Chor aus Düsseldorfer Bürgern, die für die Inszenierung vom Schauspielhaus eine Schnellausbildung in Singen, Sprechen und Spielen erhielten.

„Was auf der Bühne passiert, ist einzigartig”, sagte Intendant Staffan Valdemar Holm am Donnerstag. Für ihn ist es die zweite Spielzeit in Düsseldorf. Die Inszenierung mit rund 100 Beteiligten lasse das Theater förmlich „explodieren”. Rund 50 Laien-Chorsänger spielen bei jeder Aufführung mit, zur Premiere am Samstag sollen aber alle 70 Düsseldorfer auf der Bühne stehen. „Es ist eine Inszenierung für die Stadt und in der Stadt”, sagte Mogutschi, der sich erstmals Kafka vorgenommen hat.

Der in Russland für seine experimentellen Theaterprojekte bekannte Regisseur will seine Inszenierung weder politisch noch sozialkritisch verstanden sehen. In Kafkas Werk geht es um den Bankprokuristen Josef K., der eines Morgens verhaftet wird und in eine absurde Gerichtsbürokratie gerät. Kafka habe ein „archaisches Werk” geschrieben. Es gehe im „Prozess” um die Frage des Todes, und die betreffe jeden Menschen. „Wir versuchen, die Geschichte eines Menschen zu erzählen, der mit sich selbst konfrontiert wird.”

Mogutschi ist Hausregisseur am traditionsreichen Petersburger Alexandra-Theater, einer der ältesten Bühnen Russlands, und führt auch eine eigene experimentelle Theatergruppe.

Die Homepage wurde aktualisiert