Aachen - Rundum stolz auf das Aachener Publikum

Rundum stolz auf das Aachener Publikum

Von: Eckhard Hoog
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Er genießt die Offenheit des A
Er genießt die Offenheit des Aachener Konzertpublikums gegenüber neuen und unbekannteren Werken: Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch fühlt sich in „seiner” Stadt offensichtlich sehr wohl - und das überträgt sich auch auf das Orchester, wie er feststellt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wenn heute Abend im Aachener Eurogress Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 und Hector Berlioz’ „Symphonie phantastique” erklingen, dann darf sich das Publikum durchaus so fühlen, als säße es in der Carnegie Hall - ein grandioses Orchester, ein nicht minder fantastischer Dirigent und ein weltberühmter Pianist garantieren einen musikalischen Abend der Sonderklasse. Keine Frage, dass das 8. Sinfoniekonzert mit dem Sinfonieorchester Aachen, Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch am Pult und Lars Vogt seit langem ausverkauft ist. Dass dabei der Mann am Klavier aus Düren stammt und tatsächlich zur Einweihung des neuen Saals in der Carnegie Hall gespielt hat, macht das Ereignis nur noch schöner.

Dass dabei der Mann am Klavier aus Düren stammt und tatsächlich zur Einweihung des neuen Saals in der Carnegie Hall gespielt hat, macht das Ereignis nur noch schöner.

Aber richtig glücklich ist Maestro Bosch im Moment aus einem ganz anderen Grund. Wir nutzten jetzt die Gelegenheit nach einer der letzten Proben zu einem Gespräch mit Rück- und Ausblick - und trafen einen Dirigenten, der rundum stolz ist auf „sein” Aachener Publikum. Und überrascht, wie großartig Messi-aens „Turangalila”-Sinfonie beim letzten, dem 7. Sinfoniekonzert, angekommen ist. „Das ist ja nun wirklich keine leichte Kost”, sagt er und ist geradezu verblüfft von der Offenheit und der ausgesprochenen Neugierde des Aachener Konzertpublikums. „So etwas beflügelt gegenseitig”, spürt Bosch deutlich, wie die großartige Resonanz bei seinen Musikern ankommt.

Bereits letztes Jahr wagte er es, die weitgehend unbekannten Parts im Werk des häufig so einseitig beachteten „West Side Story”-Komponisten Leonard Bernstein zu kredenzen - auch ein gern und überraschend gut angenommenes Angebot. „Wichtig sind die Einführungen”, meint Bosch, ist aber dennoch erstaunt, dass sich stets ein gutes Drittel des Publikums bereits um 19 Uhr einfindet, um über die Werke etwas zu erfahren. „Das ist ein schönes Zeichen. Das schafft eine große Verbundenheit zwischen Orchester und Publikum.” Ein bisschen wie im Fußball......

Und so ist es kein Wunder, dass sich das immer noch wachsende Interesse auf der einen Seite mit Zusatzangeboten auf der anderen paart: Das weihnachtliche „Gold und Silber”-Konzert wird es am 12. Dezember erstmals genauso in doppelter Ausfertigung geben wie das Neujahrskonzert am 1. und diesmal eben auch am 2. Januar.

Allein das Opernpublikum, das ist Boschs nicht so ganz erbauliche Erkenntnis zum Schluss der Saison, das ist nach wie vor Neuem gegenüber weniger aufgeschlossen. „Es ist wie im Restaurant: Wenn einem der Thunfisch einmal nicht gefallen hat, geht man nicht wieder hin - obwohl die Rinderleber vielleicht ganz hervorragend munden würde.” In Aachen liebt man in der Oper verschwenderische Bühnenbilder: „Reduktionen betrachtet man mit mehr Abstand.” Eine „Sucht nach Sinnlichkeit” nennt das Bosch, die offenbar im psychologischen Untergrund waltet und den Geschmack bestimmt.

Bevor nun aber am 3. September mit den Kurpark Classix in Aachen ein weiterer musikalischer Höhepunkt steigt, der allgemeine Zustimmung erwarten lässt, begibt sich das Orchester erst einmal auf Reisen und begleitet den Chef zu zwei Festspielen, die er als künstlerischer Direktor in seiner Heimatstadt Heidenheim und als Intendant im schweizerischen Flims leitet. Dort eröffnet „unser” Sinfoniekonzert, in der gleichen Besetzung und mit dem gleichen Programm wie heute und morgen Abend, die „Waldhaus Konzerte Flims. Das Festival an der Rheinschlucht” - in der Tat vor atemberaubender landschaftlicher Kulisse.

Fünf große Hotels tragen das Festival, bei dem Lars Vogt und Rachel Roberts (Klavier) auch einen Kammermusikabend geben (24. Juli) werden.

Einen ganz besonderen Auftritt erleben die Gäste am 31. Juli, wenn Bosch am Klavier und die Kammerphilharmonie Graubünden die Schweizer Ausgabe von Max Raabe begleiten: den Bariton Samuel Zünd, der „Die Goldenen Zwanziger” mit einschlägigen Songs beschwören wird.

Mit berechtigtem Stolz wird dann das Heidenheimer Publikum seinen weithin gerühmten Sohn am 22. Juli beobachten, wenn er bei den Opernfestspielen das Galakonzert mit dem Sinfonieorchester Aachen auf Schloss Hellenstein dirigiert. Auf dem Programm stehen Sibelius und Berlioz: Solistin ist Rebekka Hartmann (Violine), die bei den Kurpark Classix in der „Last Night” am 5. September die musikalischen Sterne strahlen lässt, ehe das obligatorische Feuerwerk das Open-Air-Festival an der Monheimsallee beschließen wird.

Der nicht zu verachtende Nebeneffekt der Gastspiele des Orchesters übrigens, das deshalb extra den verdienten Urlaub verlegt: Sie bringen der Stadt Aachen zusätzliche Einnahmen ein - der Gewinn trifft alle Seiten.
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