Rudolf Schock: Vom Landarbeiter zum Heldentenor

Von: Pedro Obiera
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Die schwere Kindheit hat ihn geprägt: Rudolf Schock wäre heute 100 geworden. Er lebte lange in Düren. Foto: Stock/teutopress

Düren. Am Freitag wäre Rudolf Schock 100 Jahre alt geworden. Noch 29 Jahre nach seinem Tod werden Scharen von treuen Fans an das Grab des großen und beliebten Sängers in Düren pilgern.

Seine bescheidene und alles andere als einfache Kindheit in Duisburg-Hochfeld hat ihn zeitlebens geprägt. Mit acht Jahren verlor er seinen Vater. Die Freude am Gesang, die er mit seinen vier Geschwistern teilte, musste er früh nutzen, um die Familie finanziell zu unterstützen. Die Musik half ihm, auch spätere Schicksalsschläge zu verkraften, so den Tod seiner geliebten Mutter und die tragisch endende Krebserkrankung seiner Tochter Isolde, die ihn bewog, von Starnberg an deren Wohnort Düren zu ziehen.

Seine Weltkarriere ist Rudolf Schock nicht in den Schoß gefallen. Vom Opernchor der Rheinoper wurde er in den Bayreuther Festspielchor aufgenommen. 1937 erhielt er seinen ersten Solovertrag in Braunschweig, der Krieg verzögerte seinen Aufstieg, und nach 1945 verdiente er zunächst als Landarbeiter den Lebensunterhalt für seine Familie.

Allmählich entwickelte er sich zu einem der besten lyrischen Tenöre seiner Zeit, wobei er sich auch das dramatische Fach und ein immens großes Repertoire erarbeitete, das Mozart und Wagner ebenso einschloss wie Puccini und Strawinsky, Alban Berg und Leonard Bernstein.

Sein Hang zu volkstümlicher Musik, zur Operette und seine mediale Präsentation in diversen Fernsehshows und seichten Heimatfilmen brachte ihm eine ungeheure Popularität ein, stieß aber auf Skepsis bei vielen Klassik-Puristen. Das minderte freilich nicht seine Sympathien, die ihm selbst Giganten wie Herbert von Karajan entgegenbrachten.

In seiner Glanzzeit rissen sich die Opern- und Konzerthäuser von New York bis Wien um ihn. Ähnlichkeiten mit Richard Tauber wurden zwar schon früh behauptet und brachten Schock eine lukrative Filmrolle ein („Schön ist die Welt“), führten aber auch zu unglücklichen Vergleichen der völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten. Rudolf Schock sang quasi bis zum letzten Atemzug. Selbst seine Herzerkrankung konnte seinen Drang nicht aufhalten. Er wurde nur 71 Jahre alt.

Seit 1991 trägt in Düren der Platz vor dem Haus der Stadt seinen Namen. In dessen Foyer wird am Samstag, 5. September, um 14.30 Uhr eine Ausstellung mit Erinnerungsstücken eröffnet. Um 16 Uhr gibt es dort in Zusammenarbeit mit den Duisburger Philharmonikern ein Konzert. Karten gibt es im Bürgerbüro der Stadt Düren am Markt

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