Düsseldorf - „Roses of Shadow“ im Düsseldorfer Opernhaus uraufgeführt

„Roses of Shadow“ im Düsseldorfer Opernhaus uraufgeführt

Von: Pedro Obiera
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Klassische Tanzelemente sind hier bis auf winzige Rudimente ausgemerzt: in dem Stück „Roses of Shadow“ über die Endlichkeit des Menschen von Martin Schläpfer im Düsseldorfer Opernhaus. Foto: Gerd Weigelt

Düsseldorf. Von einer ungewohnt dunklen und fast urtümlich archaischen Seite zeigt sich Martin Schläpfer in seiner neuen Choreographie „Roses of Shadow“, die er jetzt mit seinem Ballett am Rhein im Düsseldorfer Opernhaus zur Uraufführung brachte.

Eine Arbeit, die etliche Zuschauer sichtlich verstörte, zumal sie mit ihrem kantigen, schroffen Profil einen scharfen Kontrast zu zwei geradezu lieblich anmutenden, teilweise verspielten Choreographien von George Balanchine und Hans van Manen bildet, mit denen Schläpfer sein dreiteiliges Ballett-Programm „b.33“ bestückt.

„Roses of Shadow“: Der Titel des neuen Schläpfer-Werks bezieht sich auf ein Sonett Shakespeares und reflektiert die Endlichkeit des Menschen. In dunkle Textilien gekleidet, im Hintergrund von einem geheimnisvollen Monolithen geradezu bedroht, zappeln Menschen wild wie aufgescheuchte Insekten, kriechen und schlängeln sich wie Reptilien oder bizarr rankende Pflanzen über die Bühne. Klassische Tanzelemente, die die Grundlage von Schläpfers Ästhetik bilden, sind hier bis auf winzige Rudimente ausgemerzt.

Eine einsame Primaballerina erinnert an klassische Zeiten, muss aber am Ende humpelnd von der Bühne abtreten. Eine pessimistisch angehauchte Kreation, die Schläpfer zur Musik von Adriana Hölszky erdachte. Die deutsch-rumänische Komponistin, mit der Schläpfer bereits sein abendfüllendes Ballett „Deep Fields“ gestaltete, nennt ihr 40-minütiges Werk „Eine Hymne auf die Schönheit dieser Erde“. Doch der Musik ist die Schönheit ebenso abhanden gekommen wie Schläpfers Bewegungsformationen menschliche Anmut.

Zu hören ist eine Geräuschkulisse, angerührt mit einem originellen Instrumentarium, bestehend aus Klarinetten, Trompeten, einem Alphorn, Streichern, Schlagwerk, Mundharmonika und einer 13-saitigen japanischen Zither.

Die Sopranistin Angelika Luz wirft kaum verständliche Textbrocken aus dem Shakespeare-Sonett ein und komplettiert die verstörende Wirkung der Produktion.

Zuvor huldigte Schläpfer noch seinem großen Idol Georges Balanchine mit dessen Klassiker „Stravinsky Violin Concerto“. Nach Schläpfers alptraumhafter Vision sorgte zum Abschluss des Abends Hans van Manen mit „Polish Pieces“ zur nähmaschinenartig virulenten Musik von Henryk M. Górecki für Entspannung. So düster sich Schläpfer ausdrückte, so bunt und lebensfroh geht es bei van Manen zu, einem Choreographen mit Kult-Faktor, den Schläpfer zutiefst bewundert.

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