Aachen - Ronja von Rönne: „Beachtet meine Tipps nicht!“

Ronja von Rönne: „Beachtet meine Tipps nicht!“

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
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Lesung in der Aachener Couvenhalle: Autorin Ronja von Rönne liebt oder hasst man. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Dass sie die Stimme ihrer Generation sein soll, gefällt Ronja von Rönne überhaupt nicht. „Es ist doch bei den meisten Autoren so, dass sie versuchen, das Label wieder loszuwerden, das ihnen anfangs angeheftet worden ist“, sagt die 25-Jährige nach einer Lesung in der Couvenhalle der RWTH Aachen. Überhaupt sei die Frage nach der Generation Y so langweilig wie ein Töpferkurs ohne Ton, schreibt sie in einem ihrer Texte. Ihre Generation möge Sex mit Menschen, die man liebt, und Jobs, die nicht Praktika heißen – immerhin das könne sie sagen.

Aber: „Ich fände es anmaßend, für meine Generation zu sprechen; mich hat ja keiner gewählt“, sagt von Rönne – das Weinglas in der einen, die Zigarette in der anderen Hand.

„Willst Du auch eine?“, fragt die Autorin, die mit ihrem Blog „Sudelheft“ bekannt wurde, 2015 beim Bachmann-Preis antrat, lange für das Feuilleton der „Welt“ schrieb und seit diesem Jahr für die „Zeit“ schreibt. Überhaupt ist sie sehr darum bemüht, dass jeder, der es möchte, die nötige Portion Nikotin bekommt. „Wer hat da eben nach Kippen gesucht?“, fragt sie die rund 80 Zuhörer in Aachen. Der Mann, der sich meldet – zugegebenermaßen einer der wenigen Männer, denn von Rönne spricht wohl eher ein weibliches Publikum an –, bekommt eine Packung Zigaretten. „Das erlebst Du auch nur einmal im Leben bei einer Lesung“, sagt von Rönne, als sie ihm die Packung reicht.

Gern kokettiert von Rönne damit, dass keiner zu ihren Lesungen komme. Auch für den Termin in Aachen hatte sie Befürchtungen, vor leeren Reihen aus ihrem Buch „Heute ist leider schlecht“ vorzutragen. An einer Technischen Hochschule erwarte sie kein großes Publikum für ihre Texte: ironische Betrachtungen über das Leben, über die konforme Ikea-Einrichtung der meisten jungen Menschen oder darüber, wie man Menschenhasser wird. „Zehn Tipps, um einen One-Night-Stand loszuwerden“ gibt sie Lesern etwa. Einer davon lautet: „Bringen Sie Frühstück ans Bett. Denken Sie laut über Babynamen nach. Sie fänden ,vole‛ schön, weil das rückwärts gelesen ,Love‛ heißt.“

„Und was ist Dein bester Beziehungstipp, Ronja?“ „Keinen meiner Tipps, zu beachten“, sagt von Rönne. Aber dann fällt ihr doch noch etwas ein. „Ich habe gehört, dass Paare, die sich gern zusammen betrinken, gute Beziehungen führen. Das ist doch mal ein lebensnaher Tipp.“ Überhaupt sei sich betrinken häufig eine gute Option – wenn man vom Alkohol bloß nicht so müde würde.

Auch wenn Ronja von Rönne nicht als Vertreterin ihrer Generation gesehen werden will, ist sie sicher keine Autorin wie jede andere. Sie polarisiert. Zuletzt war das der Fall, als sie gemeinsam mit Ingo Zamperoni in der ARD vor der Bundestagswahl die Sendung „Überzeugt uns!“ moderierte und angefeindet wurde, weil sie unter anderem den AfD-Politiker Alexander Gauland fragte, ob er in einer Multikulti-Fußballmannschaft auf der Position Rechtsaußen spielen würde. Trotz aller Beschimpfungen: Sie mag das Feedback der Leser. Das sei eine Art von Abhängigkeit. Wie so vieles im Leben, Liebe zum Beispiel.

Von Rönne ist eine dieser Schreiberinnen, denen einerseits viel Liebe und andererseits viel Hass entgegenschlägt. Nur sehr selten Gleichgültigkeit. Von Hype ist oft die Rede. Und dann wird sie für ihren umstrittenen Text „Warum mich der Feminismus anekelt“ kritisiert. In dem Text, den sie inzwischen als missverständlich bezeichnet, schreibt von Rönne etwa, dass sie noch nie einen Nachteil als Frau erlebt habe. Gern wird der Autorin auch vorgeworfen, dass sie so viel jammere – über Schreibblockaden beispielsweise. Als Vorwurf kann sie das gar nicht verstehen. Denn man könne ja gar nicht genug jammern.

„Hat es denn dann überhaupt Sinn, glücklich zu sein?“ „Natürlich hat das Sinn“, sagt von Rönne. Aber das Leben sei nun mal eher mit Scheitern verbunden. Blöd sei es aber nur, wenn man stets gleich scheitere. „Und wann bist Du zuletzt gescheitert?“ Von Rönne: „Ich habe mich während der Zugfahrt nach Aachen mit meinem Freund per WhatsApp gestritten und es nicht geschafft, mich wieder mit ihm zu vertragen.“ Das sei schon ziemlich peinlich und dumm.

Von heiler Welt mag sie nichts hören. Und so widmet sie eine ihrer Kolumnen der Kinderbuchfigur „Connie“, die immer brav und perfekt ist. Was man nur furchtbar finden könne. Statt „Conni lernt Fahrradfahren“ werde es später sicher Titel wie „Conni hat Aids“ geben. Laute Lacher im Aachener Publikum. Das gefällt der Autorin. „Ihr seid ganz schön schlau.“ Sonst könne sie nicht viel zu Aachen sagen, Aachen sei doch einfach sehr durchschnittlich, sagt die 25-Jährige, die in Berlin lebt und in Bayern großgeworden ist. Ohnehin sei der Unterschied zwischen Land und Stadt viel größer als der zwischen Jung und Alt, sagt sie.

Also doch kein Sprachrohr für ihre Generation? Vielleicht eher die bissige, ironische Freundin, die einen zum Lachen bringt.

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