Ritter Rost zieht es jetzt in den Weltraum

Von: Eckhard Hoog
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Ins seinem Leben dreht sich vieles, aber nicht alles um den Ritter Rost: der Aachener Komponist Felix Janosa (links). Zusammen mit dem in Aachen lebenden französischen Musiker Renault Marquart gibt er an diese Freitag einen deutsch-französischen Chanson-Abend. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Eigentlich wohnt ja der Ritter Rost – das weiß doch jedes Kind – auf seiner Eisernen Burg, zusammen mit Burgfräulein Bö und dem Feuerdrachen Koks. Außerdem wären da noch König Bleifuß, der Verbogene, Hofschreiber Ratzefummel, Mies, der Werwolf, Graf Knoblauch, der schusselige Don Quietsch, und wie sie alle heißen.

15 Abenteuer sind seit 1994 erschienen – immer ein Bildband mit lustigen Zeichnungen samt CD mit Hörbuch und Musik. Millionenfach verkauft! Und wenn wieder mal ein neuer Band in Arbeit ist, dann verlässt das knuddelige Ritterchen mit dem Registrierkassenbauch sein Schrottland und fliegt in Aachen, in der Welkenrather Straße, ein.

Band 16 erscheint im Herbst

Gerade ist es wieder so weit: Im dortigen Tonstudio spielt Komponist Felix Janosa die Lieder zu Nummer 16 des einzigartig kultigen Kindermusicals ein. Und weil Janosa, der übrigens in Stolberg lebt, nicht nur gerne die Musik zu Ritter-Rost-Abenteuern schreibt, kann man ihn in Kürze auch wieder einmal von einer ganz anderen Seite erleben: als Sänger, Pianist und Gastgeber einer Talkshow – das alles auch noch gleichzeitig. Etwas später dann zusätzlich noch als Kabarettist.

Zunächst bleibt aber mal festzuhalten: Ritter Rost ist nicht von gestern – im Gegenteil! Im Raketenzeitalter zieht es auch ihn in die Weiten der Galaxie – „Star Wars“ lässt grüßen. „Ritter Rost im Weltraum“ – so heißt der Titel von Band 16, der im Herbst bei Carlsen erscheint. An den Songtexten hat auch wieder Jörg Hilbert mitgewirkt, Janosas alter Studienkollege an der Folkwang-Hochschule in Essen, der die Kinderbuchfigur mit ihren liebenswerten Schwächen einst erfunden hat. Die Musik klingt bei dem neuen Thema ganz schwer nach „Star Wars“-Komponist John Williams. Kein Wunder: Janosa kann es einfach nicht lassen und liebt es auch diesmal wieder, in seinen Liedern viele musikalische Anspielungen unterzubringen.

„Die Mandy will ein Handy, das findet sie so trendy, SupersuperHandy . . .“, heißt es in einem der neuen Songs. „Das Thema ‚Technik‘ steht im Mittelpunkt von Band 16“, erklärt Janosa. Technische Dinge wie Handys oder Navis – Sachen, die eben auch den „Kurzen“ längst alltäglich wie selbstverständlich begegnen, ihnen nimmt sich der Ritter Rost bei seiner Reise ins Weltraum an. „Die Geschichte führt wie alle vorherigen auch mit Humor und ironischer Brechung durch die Realität“, sagt Janosa und lacht herzlich dabei. „Das lieben dann eben auch die Eltern.“ Die dürften weit mehr Zitate und Anspielungen entdecken als das eigentliche Publikum.

Abseits von Ritter Rost kommen die anderen Seiten Janosas zum Zuge – genauer: an diesem Freitag, 12. Mai, um 20 Uhr in Aachen. Bevor der kleine Ritter für ihn zum wesentlichen Teil seines Lebensinhalts wurde, zog Janosa zehn Jahre lang als Kabarettist durch die Lande. Und das an den besten Adressen, wie dem Theater des Westens in Berlin und dem Mainzer Unterhaus. Außerdem hat er mittlerweile über 200 Musik-CDs produziert. Janosas Aachener Auftritt lebt so ziemlich von all seinen erprobten Talenten: Zusammen mit dem in Aachen wohnenden französischen Sänger und Musiker Renaud Marquart gibt er am Freitag eine Vorstellung unter dem Titel „L’Art de la Chanson / Die Kunst des Liedermachens“ im KuKuK, dem ehemaligen deutschen Zollhaus an der Eupener Straße 420. Janosa am Piano, sein französischer Kollege an der Gitarre.

Der Ort ist mit Bedacht gewählt. So kurz nach der Präsidentenwahl in Frankreich soll es hier eine besondere deutsch-französische Begegnung geben – ein echtes Kennenlernen: Marquart und Janosa nämlich kennen sich kaum, lediglich zwei Liednummern haben sie abgesprochen, alles andere soll sich während eines munteren Dialogs abspielen, zu dem das Publikum auch zur Teilnahme eingeladen ist. Musikalisch soll der Bogen von Jacques Brel bis Udo Lindenberg gespannt sein, jede Nummer von beiden jeweils ganz spontan ausgewählt, immer aber aufeinander bezogen. Die Zuhörer sind aufgefordert, mit eigenen Songwünschen zum Programm des Abends beizutragen. „Aber es wird kein Wunschkonzert!“, betont das Duo. Eher eine Talkshow mit Musik – Thema eben: das deutsch-französische Verhältnis. Weitere Infos unter Telefon 0241/55942306.

Kooperation mit Haverkamp

Zurück zu den kabarettistischen Wurzeln soll es dann im nächsten Jahr gehen – bei einem Abend voll schwarzen Humors à la Georg Kreisler. Programm und Konzept entwickelt der Aachener Kabarettist Wendelin Haverkamp. „Er bleibt dabei aber ganz im Hintergrund“, sagt Janosa. Im Mittelpunkt stehen Songs des amerikanischen Satirikers Tom Lehrer, 1928 geboren in New York City. „Er ist eine Art amerikanischer Georg Kreisler.“ Haverkamp hat dessen Songs ins Deutsche übersetzt. „Lehrer ist in den USA ein absoluter Außenseiter“, erklärt Janosa. „Er hat eine superkritische Haltung gegenüber der amerikanischen Gesellschaft.“

Sein berühmtes „Tauben vergiften im Park“ soll Kreisler bei seinem amerikanischem Kollegen Lehrer abgekupfert haben, der Wiener bestritt das allerdings immer. Felix Janosa betrachtet jedenfalls seinen Ausflug ins Kabarett als satirische Antwort auf Donald Trump und als künstlerischen Beitrag zur deutsch-amerikanischen Freundschaft. Termin und Aufführungsort stehen noch nicht fest. Janosa kann sich ganz gut das Aachener Franz vorstellen.

Außerdem zu erwähnen: Von dem Autoren-Duo Janosa/Hilbert ist eine neue Ausgabe des „Rap-Huhns“ bei Carlsen herausgekommen – ein Band mit witzigen Illustrationen und coolen Songs auf CD für Kinder über die Vor- und Nachteile des Stadt- und Landlebens.

Gelesen wird die Geschichte von dem Berliner Schauspieler Oliver Korittke, bestens bekannt unter anderem als „Ekki“ aus der ZDF-Krimiserie „Wilsberg“.

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