Riesenapplaus für „Harold und Maude“

Von: Grit Schorn
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Lebensfrohe alte Dame trifft morbiden jungen Mann: Renate Fuhrmann als Maude und Johannes Franke als Harold scheinen für die Hauptrollen geradezu prädestiniert. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wer würde ihr nicht verfallen, dieser hinreißenden alten Dame, die sich – oft gar nicht ladylike – in den wilden Strom des Lebens stürzt? Beherzt, furchtlos und renitent wie ein Hippie, schert sich Maude wenig um ihren Adelstitel, dafür umso mehr um ihre Mitmenschen.

So auch um den blutjungen Sonderling Harold, der die wohlhabende Mama mit seinen morbiden Spielchen längst nicht mehr schocken kann.

Fast mit einem Unisono-Aufschrei reagiert das Publikum auf den Beginn des Stücks, das mit einem schrecklichen Einblick in einen Schrank aufwartet. In die elegante Wohnung kommt auch noch Dr. Mathews, der den todessüchtigen Harold von seinen „Marotten“ und Friedhofsbesuchen abbringen soll. Die kleine Bühne im Aachener Grenzlandtheater bietet einen Panoramablick: Manfred Schneider (auch Kostüme) vereinigt bruchlos Maudes verlotterten Wohnwagen mit Friedhof, Wäldchen und Mamas Wohnzimmer.

Harolds Vorgeschichte folgend, treffen er und Maude natürlich erstmals zwischen Gräbern aufeinander. Eine köstliche Szene: Unbekümmert isst die alte Frau Erdnüsse – was der Pater gar nicht gerne sieht – und spricht völlig unbefangen den gehemmten jungen Mann im dunklen Anzug an. Der kann nur noch staunen . . .

Staunen tut auch das begeisterte Publikum, denn was Uwe Brandt aus der Vorlage von Colin Higgins, der auch das Drehbuch für Hal Ashbys berühmten Film schrieb, gemacht hat, ist mehr als gelungen. Brandts Inszenierung ist so leichtgängig wie bewegend – alle Vorurteile, die den Altersunterschied von Maude und Harold betreffen, wehen im Zauber der beiden Hauptdarsteller davon. Harold lernt tanzen, Gitarre spielen und darf verbotene Substanzen probieren. Natürlich vorsichtig . . .

Bessere Protagonisten für das ungleiche Paar kann es gar nicht geben: Voller Leben und Todesmut die unkonventionelle Maude, die Renate Fuhrmann nicht „spielt“, sondern eher verkörpert. Die großartige Schauspielerin scheint ganz mit ihrer Rolle zu verschmelzen –wie schon im Demenz-Drama „Im Stillen“. Völlig ebenbürtig ist ihr der junge Johannes Franke als „Freak“ Harold, den Maude das Leben und Genießen lehrt. Den beiden glaubt man sogar die erotische Anziehung trotz des großen Altersunterschieds.

Ausgezeichnet besetzt sind auch die weiteren Parts: Heike Schmidt, am Grenzlandtheater wahrlich keine Unbekannte, als verzweifelte Mutter, die eine Heiratsvermittlung bemüht, um den seltsamen Sohn unter die Haube zu bringen. Hinreißend auch Sarah Härtling, die gleich drei Ehefrau-Anwärterinnen spielen darf. In bester Erinnerung an Walsers „Fliehendes Pferd“ kann man Volker Weidlich als Dr. Mathews und ebenso als ruppigen Inspector bewundern. Tom Viehöfer als Pater und Diana Margolina als Hausangestellte ergänzen wunderbar das großartige Team.

Das Ende mag ein klein wenig kitschig sein? Wenn es so bewegend und anregend ist – auch mit den tollen Songs, zum Beispiel von James Taylor – dann tut es dem Publikum richtig gut. Das sich übrigens mit Riesenapplaus und Standing Ovations bedankte.

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