Rheinoper: „Platée” als frisch-fröhliches Vergnügen

Von: Armin Kaumanns
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Küsschen vom Sonnengott. Sami Luttinen (Jupiter, l.) und Anders J. Dahlin (Platée). Foto: Hans Jörg Michel

Düsseldorf. Die Welt ist aus den Fugen: Ins leicht heruntergekommene Schloss hat der Blitz eingeschlagen, das barocke Gemäuer zerklüftet durch einen riesigen rosaroten Damenschuh, in dem eine Art Showtreppe den Sumpf der Menschen mit dem Götterhimmel verbindet.

Hoch oben steht gerade Jupiter unter der Dusche, scheuert seinen güldenen Body samt Strahlenkranz; unten zärtelt hübsch-hässlich ein androgynes Wesen an sich herum in bräutlicher Erwartung des Sonnengottes.

Platée ist´s, die Titelfigur des buffonesken Spiels, das Jean-Philippe Rameau zur Belustigung des nach-sonnenköniglichen Hofes in Versailles komponierte. An der Rheinoper wirkt die Sumpfnymphe kein bisschen angestaubt. Dafür ist Karoline Gruber hauptverantwortlich, sie inszeniert.

Maßgeblichen Anteil am frischfröhlichen Gesamteindruck gebührt auch Konrad Junghähnel, der die Barock-Spezialisten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik im hochgefahrenen Graben zu klanglich spektakulären Eskapaden inspiriert. Wenn besonders quäkige Oboen oder schnatternde Fagotte in eine Vogelschar aus Blockflöten einfallen, ist das Hörvergnügen vollkommen.

Nachdem in der vorigen Spielzeit Rameaus „Les Paladins” einen beherzten Schritt gewagt hatte, war das Feld bereitet für das heitere Vexierspiel. Man tanzt und singt und erzählt ganz nebenbei eine Geschichte von heute. Grubers Platée, im Original eine böse Parodie auf die Mätresse Ludwigs XV., ist ein Mädchen von nebenan. Aber der blonde Schopf von Anders J. Dahlin, dessen Tenor die Partie mit unglaublicher Finesse zum Strahlen bringt, verrät: Es steckt was Schönes unter Wuschelpulli und Karorock. Die Abgründe hat die Regisseurin Platée in die Handtasche gesteckt: ein Spieglein für die Eitelkeit, eine Pistole für - man wird sehen.

Hohe Gesangskultur

Rameau erzählt von einer Intrige im Olymp, mit der die eifersüchtige Junon (Marta Márquez), ihres Zeichens Göttergattin, zur Raison gebracht werden soll: Jupiter (stimmlich die reine Pracht: Sami Luttinen) soll die hässliche Platée heiraten, Juno solls erfahren und empört erkennen, dass so geschmacksverirrt der Gatte nun wirklich nicht sein kann. Und die Ehe wäre wieder gekittet.

Ist Platèe bei Rameau noch durch Eitelkeit verblendet und irgendwie verdient am Schluss die Dumme, zeichnet Gruber die Figur sehr sympathisch widersprüchlich. So mancher Teenager würde sich in ihr wiederfinden.

Die barocke Fabulier- und Ausstattungslust hat aber auch etwas Ermüdendes. Andauernd wuseln Massen von Menschen auf der Bühne: Der Chor, stimmlich famos auf Durchsichtigkeit getrimmt, agiert als Festgesellschaft; eine Truppe von Tänzern präsentiert rasante Körperakrobatik in ausgelassen abstrusen Kostümen (Mechthild Seipel). Und Bühnenbildner Roy Spahn langt kräftig in die Spaßkiste, alle Figuren bestechen durch Übertreibung.

Man muss sie sehen und die hohe Gesangskultur bewundern: La Folie Sylvia Hamvasi, die als lackschwarze Domina die Gesellschaft aufmischt; den Amor von Iryna Vakula, die mit delikaten Pfeilen bewaffnet ist; oder Platées Freundin Clarine, feinst intoniert die Partie Iulia Elena Surdu.

Am Schluss knallts, aber da ist es schon dunkel. Wir wollen hoffen, Platée hat den Herz-Luftballon getroffen, der ihr statt Jupiter geblieben ist. Sonst wär der Spaß gar nicht lustig.

Drei Stunden, eine Pause. Karten: 0211/8925211; Termine: nur 1., 3., 6., 10., 12. Februar.
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