„Ressentiment – Kulturen des Dissens“: Die Ausstellung der Stunde

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
13839913.jpg
Er präsentiert im Eupener ikob Museum eine inspirierende Ausstellung mit 17 Künstlern aus zwölf Nationen zu dem hochaktuellen Thema „Ressentiment“: Frank-Thorsten Moll. Foto: eho

Eupen. Was haben Donald Trump, Wladimir Putin, Viktor Orbán und Recep Tayyip Erdogan gemeinsam? Antwort: Sie diffamieren Gegner, vereinfachen massiv komplexe Zusammenhänge, streuen Hass, Wut und instrumentalisieren unterdrückte Gefühle der Unterlegenheit für ihren eigenen Machterhalt. Kurz: Sie betreiben eine Politik des Ressentiments.

Insofern ist das die Ausstellung der Stunde: „Ressentiment – Kulturen des Dissens“ im ikob Museum für zeitgenössische Kunst in Eupen. Mit seiner ersten Themenausstellung fühlt ikob-Direktor Frank-Thorsten Moll buchstäblich am Puls der Zeit.

Gleichzeitig kommt die Schau mit Werken von 17 Künstlern aus zwölf Nationen einer einzigen Hommage an die Kunst gleich: Die ist rein von ihrer Natur her immer gegen Ressentiments und Vorurteile gerichtet. Die Präsentation dokumentiert zugleich die hart erkämpften Strategien der Kunst im Umgang mit autoritären Kräften und antimodernen Tendenzen, ohne plakativ zu werden. Selbst abstrakte Werke belegen den Anti-Ressentiment-Charakter künstlerischer Positionen.

G8-Gipfel 2001 in Genua: 300.000 demonstrierende Globalisierungskritiker werden widerrechtlich festgesetzt, die juristische Aufarbeitung dauert bis heute an. Der Fotograf Julian Röder ist dabei und hält repräsentative Momente mit seiner Kamera fest – maskierte Menschen, voranstürmende Massen. Die Ressentiments wirken auf beiden Seiten und prallen aufeinander – die der Staatsmacht und die der Demonstranten.

Der südafrikanische Künstler François Knoetze legt sich ein Kostüm aus Zeitungspapier, Blechdosen und anderem Müll an und lässt sich in den Townships und auf den Halden, wo die Ärmsten der Armen nach Ess- und Verwertbarem suchen, filmen. Die Videos entlarven in beinahe karnevalistisch-närrischem Kommentar den Mythos vom vermeintlich besseren Zeitalter der Post-Apartheid – die Verlierer der Geschichte sind geblieben.

Der Österreicher Gerold Tagwerker fotografiert Fassaden von modernistischen Architekturen – mit Balkonen und Fenstern gerastert wirkende Bauten, die wie ab-strakte Kompositionen erscheinen. „Hoch und schnell gebaut, in Modulen angelegt“, erklärt Moll und sieht darin das Gegenstück zu einem reduzierten, auf Gleichförmigkeit und Konsum minimierten Menschenbild. Die Vereinfachung ist das Prinzip.

„Wir schaffen das!“ lautet das legendäre Wort, an das sich selbst die Kanzlerin nicht mehr gerne erinnern mag. Die Ungarin Tímea Anita Oravecz hat die sogenannte „Willkommenskultur“ in ein Bild geschnitzt, das der Wirklichkeit wohl eher entspricht. Das „Willkommen“ prangt nur mehr isoliert als Schild an der Wand, während der Kranz aus den zwölf EU-Sternen aus blankem Stahl scharfkantig und gefährlich gegen jede Annäherung droht und an all die Stacheldrahtzäune in Europa erinnert. Das Phänomen Ressentiment verbirgt sich gleich mehrdeutig in diesem Werk.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert