Reise durch das wildromantische Amerika

Von: Sabine Rother
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Wilde Schönheit: Die Veranstaltung „Pferd und Sinfonie” im Deutsche Bank Stadion des ALRV bot am Samstag erneut eine reizvolle Verbindung von Musik und Reitkunst. Das Sinfonieorchester Aachen dirigierte der stellvertretende Generalmusikdirektor Daniel Jakobi, die Choreographie übernahm Renate Dahmen. Das Projekt von ALRV und Theater Aachen fand zum sechsten Mal statt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eine heiße Sommernacht im ausverkauften Deutsche Bank Stadion. Mit „Pferd und Sinfonie”, wagten der ALRV und das Sinfonieorchester Aachen nun bereits zum sechsten Mal einen künstlerisch wie sportlich furiosen Auftakt zum CHIO.

Das Weltfest des Pferdesports entfaltete hier einen eigenen magischen Zauber, der das von Anfang reaktionsfreudige Publikum rund zweieinhalb Stunden lang bannte.

Für taktgenaue und fantasievolle Choreographien sorgte wieder Renate Dahmen mit ihrem Team, die viele Monate lang an der Symbiose von Werken der Musikliteratur und den Ausdrucksmöglichkeiten des Reit- und Fahrsports gefeilt hat.

Charmante Moderation

Auch im Gastgeber-Duo spiegelte sich die Kooperation: ALRV-Moderator Volker Raulfs und Musikdramaturg Kai Weßler teilen sich kenntnisreich mit Witz und Charme die Arbeit, wobei Raulfs die Zuschauer zusätzlich über den Stand des WM-Fußballspiels Deutschland-Uruguay informieren - bis zum erlösenden 3:2.

Und das Sinfonieorchester unter der aufmerksamen und schwungvollen Stabführung seines Ersten Kapellmeisters Daniel Jakobi? Die rund 60 Musikerinnen und Musiker bewiesen kraftvolle Spielfreude trotz der „Sauna” im Bühnenzelt, eine Meisterleistung.

„Pferd und Sinfonie” ist ein vielschichtiges Erlebnis. Was diesmal von Anfang an auffällt: die Hinwendung zu gelassener Eleganz. „Welcome to America” ist ein schillerndes Motto, das optisch wie musikalisch zahlreiche Assoziationen zulässt. Renate Dahmen hat eine klare Linie mit Zeit zum Genießen gefunden. Fantasievolle Kostüme unterstreichen die Wirkung.

Zum Einstimmen sausen die „Roten Teufel” auf Einrädern durch die Arena, mutige Kinder mit niedlichen und extrem eigenwilligen Ponys. Dann eine erste große musikalische Geste: Zu John Williams „Star Wars”-Komposition rollen die höchst diszipliniert in Traditionsuniformen gekleideten Gäste vom Landgestüt Warendorf mit der Traberwagenquadrille in die Arena - Ruhe und Erfahrung sorgen dafür, dass selbst in einem Moment, als sich bei zwei Kutschen die Räder verhaken, niemand aus dem Takt gerät.

Gleichfalls die Warendorfer beeindruckten etwas später mit der „Schule über der Erde”, bei der atemberaubende Dressurleistungen im Stile der Spanischen Hofreitschule zu sehen sind. Auch hier lauscht man wieder „Star Wars”-Klängen, die das Orchester schwebend leicht zur Szene liefert.

Wie bunte, luftige Ausrufezeichen wirken die zierlichen „Broadway”-Tänzerinnen der Ballettschule Ferberberg, wenn sie von den Reitern des Stalls Dahmen umrundet werden. Philip Sousas „Stars und Stripes” wird von der Schaubildgruppe Lobberich szenisch frisch und fröhlich gestaltet.

Amerika und seine Cowboys - - ein gutes Thema für Reiterinnen und Reiter. Selbst ein Star wie Anky van Grunsven macht da mit. Die Dressurreiterin mit Weltmeister- und Olympiaehren zeigt, was ein erstklassiges Cowgirl mit ihrem Pferd leisten kann.

Und das Orchester hat die richtige Musik: Bei Leonard Bernsteins „I want to be in America” sprühen die Funken. Auch das temperamentvolle „Barrel Race” der Thunderguys zu John Williams´ Filmmusik aus „Indiana Jones” weckt Szenenbeifall.

„O sole mio” mit Louis Kim

Und wieder kehrt Ruhe ein, bannt Tenor Louis Kim sein Publikum mit „O sole mio” (zweite Strophe in seiner Muttersprache Koreanisch) und später mit dem gefühlvollen „Maria” aus Bernsteins „West Side Story”. Inzwischen ballen sich am Abendhimmel dramatisch die Gewitterwolken. Es donnert, doch er große Regen kommt erst nach dem Schlussapplaus.

Bis dahin gibt es eine Menge Abwechslung. Schön die Zusammenarbeit des Tanzsportzentrums Aachen/ TD TSC Düsseldorf Rot-Weiss mit dem souveränen Reiterpaar Kai Vorberg und Jana Kun bei „Tango, Tango”. Klare Ästhetik bietet die Rhönrad-Showgruppe RollAix, ein schwereloses Kunstturner-Ballett, das den Walzer aus Peter Tschaikowskis 6. Sinfonie in pure Bewegung umsetzt. Mit akrobatischer Voltigierkunst ist Pia Engelberty kostbares Element dieses Programmteils.

So kunstvoll sich auf der einen Seite „Pferd und Sinfonie” darstellt, so erfrischend natürlich ist es - etwa mit einer dynamischen Pferdeherde. In „Ritmo de los Caballos” kann man sehen, wie 16 Tiere allein durch Reiterkunst bewegt und gelenkt werden. Als Elmer Bernsteins Musik aus „Die Glorreichen Sieben” erklingt, brennen an den blankpolierten Kutschen des Reit- und Fahrvereins Eicherscheid schon die Lämpchen.

Fackeln und Schattenspiel

„New York, New York” darf in einem Amerika-Programm nicht fehlen. Jana Kun und Tim Keersmaekers zeigen nochmals Reiter-eleganz während das Orchester amerikanisch schwungvoll das Spannung steigert. Bereits traditionell ist der Abschluss: Edward Elgars „Pomp & Circumstance Nr. 1”, Fackeln, festliche Stimmung, Schattenspiele, die die Nacht verwandeln. Dann marschieren nochmals alle Akteure ins Stadion (die Pferde dürfen sich bereits erholen) und werden vom Publikum euphorisch gefeiert.
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