Rammstein in Düsseldorf: Es kracht, es dampft, es zischt

Von: Bernd Schuknecht
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Entfesselte Pyrotechnik: Ramms
Entfesselte Pyrotechnik: Rammstein in Düsseldorf. Foto: Thomas Brill

Düsseldorf. Ohrenbetäubendes Krachen explodierender Funkenfontänen vermischt sich mit dem schneidenden Zischen von Dampfwolken.

Von der Decke des Düsseldorfer ISS Dome senkt sich ein eiserner Laufsteg, über den die Musiker von Rammstein im staksigen Roboterschritt von der Hallenmitte Richtung Bühne marschieren, wo bereits entfesselte Pyrotechnik die Luft brennen lässt. Das Endzeit-Szenario beschwört eineBildsprache, wie man sie von Fritz Lang bis Roland Emmerich kennt, und der Titel „Sonne” heizt den Fans am Bühnenrand, die sich ohnehin wie Dönerfleisch am Drehspieß vorkommen müssen, zusätzlich ein. „Rammstein, Rammstein”, grölt es in schierer Begeisterung aus abertausenden Kehlen.

Dieser Konzertauftakt erzeugt grenzenlose Faszination bei den Fans, und selbst Menschen, die der Musik der Band eher distanziert gegenüberstehen, kommen um ein Gefühl von Respekt nicht herum. Rund zwei Stunden dauert das erste von drei innerhalb kürzester Zeit ausverkauften Düsseldorf-Konzerten, die Rammstein vor jeweils 12.500 Fans geben. Zu hören gibt es maßgeblich Lieder von „Made in Germany”, einer „Best-of”-CD, die am kommenden Freitag erscheint und die die wichtigsten Titel von 1995 bis heute vereint.

Der Titel macht es deutlich: Das Sextett aus dem früheren Osten Berlins ist längst ein sogenannter Global Player und spielt selbst im New Yorker Madison Square Garden vor ausverkauftem Haus. Das gerollte „R” von „Grösaz” (Größter Sänger aller Zeiten) Till Lindemann und das Henkersknecht-Outfit seiner musikalischen Mitstreiter beschwören ein Blut-und-Boden-Klischee vom Düster-Germanischen, das jedoch kaum in die politische Neonazi- als vielmehr in die Fantasy-Szene von War-Games-Anhängern passt. Die gigantische Show in höchstem Perfektionsgrad ist ein phantasmagorischer Bilderreigen um Unterdrückung und Kompensation, dient aber auch dazu, von der musikalischen Eintönigkeit ewig dumpf krachender Songstrukturen abzulenken.

„Ihr glaubt, zu töten wäre schwer, doch wo kommen all die Toten her”, skandiert der 48-jährige Lindemann, und wäre da nicht das martialische Drumherum, könnte das auch als Friedensappell interpretiert werden. Vieles bei Rammstein funktioniert nach Vexierbild-Art: Man kann es so, aber auch gegenteilig verstehen. Der Primat der Provokation ist allgegenwärtig. So werden die Musiker einmal wie Hunde an der Leine über den Laufsteg geführt und dürfen sodomitische Fantasien wecken. Auch „Bück Dich”, als elektronische Dance-Version remastert, ist ein schwer verdauliches Stück von Macho-Menschenverachtung.

Provokation ist immer mit im Spiel - ein Garant für den weltweiten Erfolg. Letztlich war das Konzert eine harmlose Ü30-Party mit viel Bier und guter Laune, und bei der Zugabe mit „Engel”, bei der Lindemann zwischen den feuerspeienden Flügeln eindrucksvoll verglüht, gab es sogar einen Hauch von Adventsstimmung, allerdings nach Heavy-Metal-Manier.
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