„Räuber Hotzenplotz”: Zwei Stunden ist es mucksmäuschenstill

Von: eho
Letzte Aktualisierung:
hotzenbild
Nicht nur für die Kleinen ein Vergnügen: die Kinderoper „Der Räuber Hotzenplotz” im Theater Aachen mit (von links) Martin Berner als Hotzenplotz, Pawel Lawreszuk als Kasperl und Guy van Horne als Seppel. Foto: Ludwig Koerfer

Aachen. Wenn fünf- und sechsjährige Kindergartenkinder knapp zwei Stunden lang (mit einer Pause) atemlos und mucksmäuschenstill in ihren Sesseln sitzen und mit großen Augen und Ohren verfolgen, was da vor ihnen passiert, dann muss es mindestens großartig sein, was sie da so fesselt.

Großartig? Fantastisch! Traumhaft schön sind die Kinderopern am Theater Aachen: Nach zuletzt dem „Traumfresserchen” kam am Freitagvormittag „Der Räuber Hotzenplotz” von Andreas N. Tarkmann (Musik) und Jörg Schade (Text) nach dem Kinderbuch von Otfried Preußler zur Uraufführung.

Da stimmt einfach alles: herrliche Darsteller und Sänger, allesamt kernige Typen, ein raffiniertes Bühnenbild (Detlev Beaujean), eine einfühlsame Regie (Martin Philipp), fantasievolle Kostüme (Renate Schwietert) und 15 perfekte Musiker des Sinfonieorchesters Aachen unter der versierten Leitung von Volker Hiemeyer, die selbstverständlich live und gut sichtbar auf ihren Instrumenten spielen. Plus eine spannende Geschichte, nicht zu vergessen. Und allein die Musik ist schon ein Hochgenuss.

Große Kisten stapeln sich auf der erhöhten Bühne und geben, nach und nach aufgeklappt, ein liebevoll gestaltetes Innenleben preis: Schlafzimmer und Küche von Zauberer Petrosilius Zwackelmann (Andreas Joost), gefährlich anzuschauen in seinem schwarzen Anzug; die Höhle von Räuber Hotzenplotz (Martin Berner), dessen gewaltige Gestalt in der Kartoffelhose und mit der stoppeligen Visage unter dem zerfransten Hut allein schon gruselige Gefühle verbreitet. Klapp-klapp - und schon zerlegt sich eine Kiste wie von Zauberhand in die Küchenbank von Kasperls Großmutter.

Auch Opernstar Irina Popova ist sich nicht zu schade, hier vor dem ganz kleinen Publikum mitzuwirken - und ihr macht es offensichtlich genauso Spaß wie allen ihren Kollegen: Pawel Lawreszuk als Kasplerl, Guy van Horne als Seppel ebenso wie Hans Schaapkens als Wachtmeister Dimpflmoser und Foteini-Niki Grammenou als Fee Amaryllis.

Hotzenplotz ist wieder mal in Hochform: Er klaut nicht nur die klingende Kaffeemühle der Großmutter, nein - er stibitzt doch glatt noch den Stab des Dirigenten und den Schlägel des Paukers. Grund genug für Kasperl und Seppel, ihn listig bis zu seiner Höhle zu verfolgen. Doch Hotzenplotz´ Kumpan Zwackelmann führt Böses im Schilde und verdammt Kasperl zum Schälen seiner Leib- und Magenspeise - Kartoffeln. Bis zum Happyend, wenn schließlich sogar die verwunschene Kröte als Fee wieder ins Leben zurückkehren darf, muss Kasperl noch einiges an Abenteuern im furchterregenden Zauberschloss überstehen, das nur aus Kisten besteht und der Fantasie viel Freiraum lässt.

Endlich mal eine Oper, bei der nicht nur jedes Wort zu verstehen ist: Der Text passt komischerweise auch noch zum Geschehen auf der Bühne. Und das ist ganz schön spannend für so ein kleines Herz, das über all den Bühnenzauber mit dem vielen Dampf und aus dem Boden auftauchenden Menschen mächtig ins Staunen gerät.

Die Musik - zart konturiert beim Einsatz einzelner Instrumente, tuttig stampfend zur Begleitung der fröhlich einhermarschierenden Freunde, anschwellend, wenn es besonders spannend wird, und charakterisierend beim Auftritt der verschiedenen Figuren - gibt dem Bühnengeschehen den entscheidenden Pfiff.

Andreas Joost und Martin Berner amüsieren und gruseln zugleich als die Bösen, dämonisch der eine, grob der andere. Pawel Lawreszuk und Guy van Horne spielen lustig-locker die beiden Buben, Hans Schaapkens den ordentlichen Dimpflmoser, Foteini-Niki Grammenou die in jeder Hinsicht zauberhafte Fee und Irina Popova die gemütliche Großmutter.

Keine Frage, dass solch ein Knüller nicht ohne sehnlichst herbeigerufene Zugabe abgeht. Das Theater Aachen braucht sich jedenfalls um den Publikumsnachwuchs nicht zu sorgen.

Weitere Aufführungen im Theater Aachen: am 4., 5., 11., 18., 19., 29. Apri und am 3. Mai, jeweils um 11 Uhr.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert