Punk und Prof zusammen: Billy Childish und Matthias Dornfeld

Von: Jenny Schmetz
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Unter Frauen: Matthias Dornfeld. Foto: Harald Krömer
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Bilder von Billy Childish, der am Samstag zur Eröffnung in den NAK kommen soll. Foto: Harald Krömer

Aachen. Beide sind Künstler, der eine ist Punk, der andere Prof. Und doch malt der Prof vielleicht kindischer als der Punk – na ja, zumindest auf den ersten Blick. Beide zusammengebracht hat Ben Kaufmann, der Chef des Neuen Aachener Kunstvereins.

Nach einer ziemlich unsichtbaren Laser-Installation und für manche möglicherweise nicht so leicht zugänglichen Ausstellungen gibte_SSRqs jetzt richtig was zu sehen, tatsächlich gerahmte Kunst, die an der Wand hängt. Das verströmt fast ein bisschen Retro-Charme – und ist doch ganz up to date. Auf jeden Fall: „Malerei, die aufs Auge drückt“, bringt es Kaufmann auf den Punkt. Also: expressiv und knallig. Das sind aber schon fast die Gemeinsamkeiten der Bilder, die das Kunsthaus im Stadtpark ab Samstag zeigt. Vielleicht noch, dass beide Künstler mit ihrem Werk wohl polarisieren werden.

Bisweilen in die „naive Ecke“ gerückt wird die Malerei von Matthias Dornfeld. Der Berliner Künstler, früher Kaufmanns Kommilitone an der Münchner Akademie und zurzeit Gastprofessor dort, präsentiert im unteren Raum eine Art „Ahnengalerie“ mit weiblichen Porträts. Angesichts von Strichnasen oder Wallehaaren kann ein Betrachter schon mal das unsägliche „Das könnte mein fünfjähriger Sohn auch“-Diktum auf den Lippen haben. Meist mit Öl oder Acryl bringt Dornfeld seine „unkontrollierten Eruptionen“ auf die Leinwand – „ehrlich, intensiv, direkt“, wie der 54-Jährige selbst sagt. Und doch sehr gebrochen, mit vielen Übermalungen und einem selbstreflexiven Spiel doppelter Rahmungen etwa.

Oben dann der englische Gesamtkunstwerker Billy Childish, ebenfalls 54, der vor allem als Punk- und Independent-Rocker, Ex von Skandalkünstlerin Tracey Emin und Schriftsteller von sich reden machte. Aber zuletzt immer mehr auch als Maler. Das Etikett „akademisch“ lässt sich seiner Kunst leichter anpappen. Handwerklich gekonnt nimmt er für seine Serie „Willow Tree“ Fotos aus den Burenkriegen um 1900 als Vorlage, um große Schinken von der Palette zu zaubern.

Eher pazifistisch, romantisch, naturverbunden anmutend. Auf den psychedelisch verschlungenen Weiden-Ästen räkelt sich immer wieder der Künstler als Selbstdarsteller, der sich auch „privat“ gerne mit breitkrempigem Hut, dicker Zigarre und noch dickerem Schnäuzer inszeniert, sich laut Kaufmann menschenscheu und kunstmarktkritisch gibt, aber für ein Bild doch 40.000 Euro verlangt.

„Eher bürgerlich“, findet Dornfeld beim Betrachten der Kollegenwerke. „Meine Arbeiten sehen eigentlich childish aus“, sagt er lachend in Anspielung auf den kindischen Künstlernamen. Aber egal, ob „kindisch“, „naiv“ oder „akademisch“: Bezüge zum formalen Kanon der Moderne – ob Kirchner, Jawlensky oder Munch – sind oben wie unten zu finden.

Der Ausstellungstitel „Paintings Sweet Paintings“ greift schön den süßen Kitsch-Verdacht auf. Und ein bisschen bietet die Schau auch „Home Sweet Home“: Während Dornfeld alte Teppiche zum Verweilen ausrollt, lässt Childish zwei Sitzbänke aufstellen. Eine durch und durch einladende Ausstellung.

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