Publikum tobt bei „Avanti Dilettanti!”

Von: Armin Kaumanns
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Ein herrlicher Bühnenspaß mit italienischem Liedgut im Theater Mönchengladbach: „Avanti Dilettanti!”. Foto: Theater

Mönchengladbach. Lange nicht so köstlich amüsiert. Während im stetig ausufernden Sumpf parteipolitischer Ränkespiele in Mönchengladbach das Theater abzusaufen droht, platzt das Schauspielensemble mit einer kleinen, gänzlich unbedarften Produktion heraus, die vergnüglich ignorant mit der Krise umspringt.

„Wenn schon depressiv, dann lieber an der Adria als am Niederrhein”, bringt es Matthias Oelrich aufs Bonmot. Der altgediente Schauspieler gibt den Conférencier in einem italienisch-deutschen Liederabend, in dem Schauspieler das tun, was sie eigentlich nicht können: singen.

„Avanti Dilettanti!” heißt folgerichtig der Spaß, den das Dream-Team für die leichte Muse, Regisseur Matthias Kniesbeck und Theatermusiker Jochen Kilian, äußerst appetitlich angerichtet hat.

Im Grunde ist die Sache banal, die Geschichte kaum der Rede wert: Auf einem Campingplatz an der Adria improvisieren Deutsche und Italiener einen „bunten Abend”, indem sie mal nicht Bingo spielen oder sich zusaufen, sondern sich an überwiegend italienischem Liedgut versuchen.

Schlager von Adriano Celentano bis Zucchero, von Milva über Paolo Conte bis Udo Lindenberg. Eine Bretterbühne ist mit Fähnchen verziert, es gibt sogar einen Vorhang, und wie zufällig sitzt eine Band parat.

Natürlich sind die großen Gags dieses ein wenig großsprecherisch als Uraufführung angekündigten Theaterabends die, wenn die mit Büchner, Shakespeare und Goldo-ni vertrauten Mimen ein Mikrofon in die Hand nehmen und Celentanos „Azzuro” trällern und die unerträgliche Milva mit dem Theodorakis-Song vom Wesen der Frau nachmachen. Was sich peinlich anhört, ist es nämlich überhaupt nicht. Vollblutmusiker Kilian hat den Akteuren ganz genau aufs Maul geschaut und die Songs auf den Leib geschrieben. Und die dilettieren mit so viel Herz und einer Freude am Unmöglichen, dass der Saal tobt.

Hier die Einheimischen: der Patron des Campingplatzes (Joachim Henschke) mit seinem halbwüchsigen Nachwuchs, der auf nichts als Sex aus ist; andererseits die Touristen: als Dauercamper vom Niederrhein der „alte” Fritz (köstlich quietschbunt ausstaffiert Matthias Oelrich) samt leckerem Töchterchen Veronika (Judith C. Jakob gereichte jeder Musicalproduktion zur Ehre), ein Pärchen aus den neuen Ländern, das zwischendurch zur rhythmischen Sportgymnastik ins Zelt verschwindet und Fridolin (wieder mal ein Bewegungswunder: Stefan Diekmann), der ein Auge auf Veronika hat, aber mit dem goldkettchenbehängten Giuseppe (Adrian Linke) konkurrieren muss.

„Avanti Dilettanti!” im Theater Mönchengladbach, 90 Minuten, keine Pause. Nächste Vorstellungen: 8., 14. Februar, 3., 28., 29. März.

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