Professor Görtz auf dem Weg nach oben

Von: Christoph Classen
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Im neuen Kammermusiksaal: Marg
Im neuen Kammermusiksaal: Margit G. Fodor singt eine Arie aus der „Fledermaus”, Direktor Herbert Görtz begleitet sie am Flügel. Foto: Harald Krömer

Aachen. Nach dem Umbau der Musikhochschule Aachen hat Herbert Görtz einen neuen Lieblingsplatz, er liegt auf dem Dach des Gebäudes, und für die meisten ist er gar nicht zugänglich. Aber Görtz, Professor für Orchester-, Chor- und Ensembleleitung, ist ja Direktor des Hauses, und deswegen darf er auch aufs Dach

. Da steht er nun, ganz oben, rechts ist das Stadttheater und links geht der Blick bis zu einem riesigen Bürohaus.

Vielleicht ist das Görtz Lieblingsplatz, weil er so schön seinen eigenen symbolisiert. Er ist ein Mann zwischen Muse und Management. Seine Leidenschaft gehört der Musik, den Papierkram macht er, weil es als Direktor der „Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Aachen” eben nicht anders geht. Görtz hat jetzt aber keine Zeit für weiteres Schwadronieren über Lieblingsplätze. Er will wieder rein, die neuen Räume zeigen.

Im November 2009 begannen unter Federführung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW die Bauarbeiten an der Musikhochschule, das alte Gebäude wurde komplett saniert, ein zusätzlicher Anbau errichtet. 7,5 Millionen Euro wurden investiert und die sind dem Gebäude, das heute offiziell eröffnet wird, auch anzusehen. Görtz sagt: „Es ist der totale Wahnsinn!”

Mit dem Direktor durch die Musikhochschule zu laufen, ist ein bisschen wie die Besichtigung eines begehbaren Adventskalenders. Hinter den Türchen gibt es statt Schokolade Musik, und was einen genau erwartet, ist tatsächlich eine Überraschung. Die Räume jedenfalls sind ziemlich gut isoliert, so dass fast kein Ton nach außen dringt. Eine entscheidende Verbesserung im Vergleich zu dem „muffeligen Bürogebäude”, das die Musikhochschule vor der Sanierung gewesen sei, sagt Görtz: „Posaunisten, Gitarristen und Geiger können jetzt in nebeneinanderliegenden Räumen üben.” Und die Schlagzeuger werden im Keller untergebracht, dort könnten sie „richtig ballern”.

Etwa 200 Studierende sind im laufenden Wintersemester an der Musikhochschule eingeschrieben, Platz wäre für 300 - die sollen es in absehbarer Zeit auch werden. Görtz weiß es zwar noch nicht ganz genau, aber es werden zwischen 70 und 80 Räume sein, die den Musikern zur Verfügung stehen.

Einer davon ist der Kammermusiksaal im Erdgeschoss, das Holz ist auf dem Boden dunkel und an den Wänden hell, die Fenster sind hoch und schmal, vor der Bühne reihen sich blutrote Stühle und auf ihr steht ein schwarz glänzender Flügel. Görtz setzt sich dahinter, wechselt die Brille und spielt etwas aus der „Fledermaus”. Als er fertig ist, sagt er, dass es hier an fast jedem Abend ein Konzert geben soll. Daneben werde der Raum für Proben und Prüfungen genutzt. Eine Etage höher, im Opernstudio, ist der Flügel braun und die Wand weiß. Hier müsse noch ein wenig an der Akustik gearbeitet werden, meint Görtz, es halle zu sehr, Kleinigkeiten.

Die Räume für szenische Arbeiten haben einen dunklen Linoleum-Boden, damit die Gelenke der Musiker nicht über Gebühr belastet werden. Im Erdgeschoss wurde ein Pausenraum für die Studenten eingerichtet, und weil es dort neben einem Automaten für Snacks und einem für Kaffee auch zwei öffentliche Computer gibt, haben sie ihn Internetcafé genannt.

Die neue Bibliothek hat in der zweiten Etage ihren Platz gefunden, in ihrem Zentrum ein riesiger ovaler Tisch, drum herum klobige schwarze Bücherregale. Es ist ein Ort, an dem sich die Ruhe wie ein Klangteppich über alles legt. Zumindest bis Görtz ihn betritt, weil dann ein schrilles elektronisches Signal ertönt, das in der Musikhochschule ungefähr so fremd wirkt wie Heavy Metal im Musikantenstadl.

Registrierte Notenblätter

Ausgelöst wird es durch Notenblätter, die Görtz schon die ganze Zeit mit sich rumschleppt. „Registrierte Notenblätter”, sagt er und klingt stolz. Alles, was zum Bibliotheksbestand gehört, ist elektronisch gesichert; wer es mitnimmt, ohne es ordnungsgemäß auszuleihen, wird von einem Signal verraten, wenn er durch die Schranke am Ausgang geht. So wie Görtz es jetzt tut. Es fiept wieder. „Ich kann das gar nicht oft genug hören”, sagt der Direktor.

In der vierten Etage dann der riesige Orchesterproberaum, von hier führt die Tür aufs Dach, zum Platz zwischen Büroturm und Theater. Nun, Herr Professor, warum ist das denn Ihr Lieblingsplatz? „Weil man von hier einen herrlichen Blick über die Stadt hat.”

Am Mittwoch gibt es die offizielle Eröffnung, am Samstag einen Tag der offenen Tür.

Offiziell eingeweiht wird die komplett neu gestaltete Musikhochschule Aachen, Theaterplatz 16, am Mittwoch um 15 Uhr.

Die Eröffnung ist auch eine Einladung, sich selbst ein Bild von den neuen Räumen und den Studienbedingungen zu machen.

Ab 19.30 Uhr gibt es einen Opern-Gala-Abend. Von Mozarts „Zauberflöte” über Beethovens „Fidelio”, Rossinis „Il Barbiere di Siviglia” bis zu Gershwins „Porgy and Beth” reicht das Programm, das Professor Herbert Görtz moderiert.

Am Samstag, 8. Oktober, findet von 11 bis 16 Uhr in der Musikhochschule ein Tag der offenen Tür statt.

Der Tag soll die Gelegenheit bieten, ein bisschen Studienalltag zu erleben. Man kann den szenischen Proben zu „Lynen from Smyrna” beiwohnen. Konzerte runden den Tag ab.

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