Premiere in Eupen: Mosblechs Film „Unvollendete“

Von: Günter H. Jekubzik
Letzte Aktualisierung:

Eupen. „Die Unvollendete“ – selten war ein Filmtitel passender. Grimme-Preisträger Bernd Mosblech geht mit seinem Langzeit-Projekt über das unvollendete, das ungelöste Problem von Atomenergie und -Müll erstmals an die Öffentlichkeit – in einer nach neun Jahren nun vollendeten Fassung der essayistischen Dokumentation.

Dass darin die „Camerata Nucle-are“ Schuberts „Unvollendete“ sogar in einem unvollendeten, sprich: ungenutzten, Atommeiler spielen, gehört zu den vielen unglaublichen Pointen, an denen der großartige Film reich ist. „Die Unvollendete“ hat am Samstag in Eupen um 20 Uhr im Alten Schlachthof, Rotenbergplatz, ihre regionale Premiere, die Mosblech seinen beiden Töchtern widmet. Ein großer Film von einem großartigen Regisseur

Komplett unabhängig

Seit Jahren filmt Mosblech komplett unabhängig, also ohne Unterstützung von Produzenten oder Sendern an diesem persönlichen Projekt. Dabei ist der Regisseur, Kameramann und Produzent eine bekannte Größe der deutschen Filmszene: Neben dem Grimme-Preis 1991 für „Alte Kameraden“, der Dokumentation über den Aachener Radsportler Christian Pützfeld, der Sportdoku „Die Hölle von Flandern“ (1996) hat der 1942 Geborene auch immer wieder wichtige Filme wie „Safari Rallye“ (2001) in Afrika gedreht.

In seinem neuen Werk muss nicht erst ein Atom-Physiker auf seiner Modelleisenbahn mit Castor-Containern spielen, um den Wahnwitz der Situation klarzumachen. Der Tatsache, dass der im belgischen Lontzen lebende Regisseur das Vertrauen von herausragenden Köpfen der Atomtechnik gewann, verdankt „Die Unvollendete“ erstaunliche Einblicke.

Immer noch kämpferisch

Es geht dabei nicht um die Frage „Atomkraft ja oder nein?“, es geht viel mehr um die Menschen auf beiden Seiten. Da ist der berühmte Fotograf Günter Zint, Chronist der Anti-AKW-Bewegung und immer noch kämpferisch. Da ist ein leidenschaftlicher Trompeter und Atomtechniker, der nach Fuku-shima um seinen Job bangte, aber glücklich ist, wenn er für den Film in einem Atommeiler trompeten darf. Oder der Physiker der KFA Jülich, der keine Heizung braucht und sein persönliches Dämmsystem aus mehreren Pullovern und Decken erläutert. Die sehr gelungene assoziative Montage hat nichts mehr mit konventionellen Dokumentationen zu tun. Sie mischt Demonstrationen gegen Castor-Transporte mit Modellbahnen, diskutiert „German Angst“ mit einer amerikanischen Opernsängerin, lässt Gründgens Faust zitieren und führt ein Kernkraftwerk vor, das als Papiermodell in Flammen aufgeht.

Der Vorführung schließt sich eine Debatte mit Befürwortern und Gegnern der Kernenergie an.

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