Pralles Leben in winzigen Werken

Von: Sabine Rother
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Die „Vertreibung aus dem Paradies”, Ornament eines „Rosettenkastens” aus der Elfenbeinsammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, die ab Freitag in Aachen zu sehen ist. Foto: Harald Krömer

Aachen. Er war eine schillernde und höchst gebildete Persönlichkeit, dieser Kölner Baron von Hüpsch (1730-1805), ein Menschen mit naturwissenschaftlichen und künstlerischen Forscherdrang.

Neben Gemälden, Handschriften, Waffen, Skeletten, ausgestopften Tieren und sogar Kleidern seiner Zeit, faszinierten ihn fein gearbeitete Kunst aus Elfenbein.

„Vom Paradies ein heller Schein” ist der Titel einer exquisiten Sonderausstellung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, das zurzeit umgebaut wird und seine schönsten Werke auf Reisen schickt. Ab Freitag (Eröffnung 19 Uhr) ist das Elfenbein im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zu sehen. Schon der Titel signalisiert die mystische Verehrungt, die man dem kostbaren Werkstoff zukommen ließ.

Gewaltige Originalschädelknochen und Stoßzähne (Walross, Flusspferd, Narwal, Elefant) erzählen von einem Naturmaterial, dessen jungfräulich weiße Farbe die Menschen seit der Antike magische anzog.

Mit 60 ausgewählten Stücken, von denen die meisten einst bunt bemalt waren, besitzt Darmstadt nach Berlin die zweitgrößte Sammlung in Deutschland. Dass die Kostbarkeiten aus den Wunderkammern des Barons nach dessen Tod nicht in Köln blieben, ist dem Testament des rührigen Sammlers zu verdanken. „Köln wollte ihm kein Museum bauen”, erzählt Theo Jülich, stellvertretender Leiter des Darmstädte Museums. „Dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Ludwig X., hatte Hüpsch bereits Teile seines Kabinetts verkauft. Ihn trug er als Universalerben ein.”

Nicht immer war der Sammelstil des Barons unumstritten. „Er lieh sich gern Stücke aus und hoffte dann, dass man in unruhigen Zeiten vergaß, sie zurückzufordern, was ja wirklich oft klappte”, weiß Jülich aus umfangreichen Dokumenten. Dabei zeigte sich Hüpsch als kenntnisreicher Elfenbeinfreund. „Es sind wunderbare Arbeiten, die die Entwicklung dieser Kunst von der Spätantike bis zur Spätgotik dokumentieren”, bestätigt Jülich.

Eines der besten Werke ist das Fragment einer Himmelfahrt Christi - gefertigt im 9. Jahrhundert in der Hofschule Karls des Großen in Aachen: Dicht gedrängt zeigt es verzückte Jünger, die ihre Hände in die Höhe recken. Der Faltenwurf ihrer Gewänder ist kunstvoll. Jede Linie strebt himmelwärts. „Man muss diesen Christus nicht sehen, um ihn zu erahnen”, rät Jülich zum sehr genauen Hinschauen.

Ob feierliches Heiligenporträt oder spannende Alexander-Legende - die oft winzigen Darstellungen zeigen pralles Leben in perfekten Details. Und wenn Ochs und Esel im Stall nach dem Kind in der Krippe Ausschau halten, kann man genau das geknickte Eselsohr und die gut geformten Hörner des neugierigen Ochsen erkennen.

„Vom Paradies ein heller Schein”, mittelalterliche Elfenbeinkunst aus dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt bis 26. April im Suermondt-Ludwig-Museum , Wilhelmstraße 18. Geöffnet Di.-Fr. 12-18 Uhr, Mi. 12-20 Uhr, Sa./So. 11-18 Uhr, Katalog: 29,90 Euro. Großes Angebot für Schulklassen und Kindergärten.
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