Polnische Künstlerin Paulina Olowska erhält Kunstpreis Aachen

Von: Eckhard Hoog
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Die 16. Aachener Kunstpreisträgerin: Die international erfolgreiche polnische Künstlerin Paulina Olowska erhält am Sonntag im Ludwig Forum die Auszeichnung und zeigt dort bis zum 20. September Arbeiten, die sie eigens für diese Ausstellung geschaffen hat. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein Höhepunkt des regionalen Kulturlebens steht vor der Tür: An diesem Sonntag wird zum 16. Mal der Kunstpreis Aachen verliehen – im Rahmen einer Ausstellung im Ludwig Forum, die traditionellerweise zur Ehrung immer dazugehört.

Mit Paulina Olowska, 1976 in Danzig geboren, erhält eine der international erfolgreichsten polnischen Künstlerinnen ihrer Generation die renommerierte, mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung.

Paulina Olowska studierte an der School of the Art Institute in Chicago und an der Akademie der Künste in Danzig. Sie kann auf Einzelausstellungen in den bedeutendsten Museen für zeitgenössische Kunst der Welt zurückblicken: unter anderem in der Kunsthalle Basel, dem Stedelijk Museum Amsterdam, im MoMa New York, im Carnegie Museum of Art Pittsburgh, im Museum Folkwang in Essen und in der Münchner Pinakothek der Moderne.

Hochkarätige Jury

Der alle zwei Jahre vergebene Kunstpreis Aachen wurde im Jahr 1981 vom Verein der Freunde des Ludwig Forums initiiert, der ihn seither zusammen mit der Stadt Aachen und der Aachener Wirtschaft trägt. Die erlesene Riege der bisherigen Preisträger beginnt mit Luciano Fabro (1983), umfasst unter anderem Namen von so berühmten Größen wie A. R. Penck (1985), Christian Boltanski (1994), Katharina Fritsch (1996), Pawel Althamer (2010) und endete zuletzt mit Phyllida Barlow (2012), um nur einige zu nennen.

Der Jury gehörten diesmal an: Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, Sabine Breitwieser, Direktorin des Museums der Moderne in Salzburg, Brigitte Franzen, Direktorin des Aachener Ludwig Forums, und Ernst Höhler, Erster Vorsitzender des Vereins der Freunde des Ludwig Forums. Hauptkriterium der stets offenen Preisträgerwahl ist der nachhaltige Einfluss des Künstlers/der Künstlerin und eine ganz besondere Position in der internationalen Szene.

Diese Position lässt sich am besten beschreiben mit einem schier unendlichen Fundus der Kulturgeschichte, aus dem sich die Künstlerin bedient und daraus über alle Genregrenzen hinweg Bilder, Zeichnungen und Collagen ebenso schafft wie Installationen und Videos, Performances und Architekturmodelle. Quellen sind die Moderne genauso wie die eigene Biografie, der sozialistische Realismus wie die Pop-Art, Kunst- und Designgeschichte – Mode und Kunsthandwerk, nicht zu vergessen.

Ihre künstlerische Strategie richtet sich dabei stets auf das Befragen und Infragestellen hin – sei es die Neubewertung der Vergangenheit, der Geschichte, von Traditionen oder allgemeinen Vorstellungen. In ihrer Aachener Ausstellung ist die Inspirationsquelle der vormalige Industriestandort des Ludwig Forums, die massenhafte Fabrikation von Schirmen, und die Industriegeschichte Aachens selbst. Der Titel „Needle/Nadel“ spielt darauf an.

Ein Tapisserie-artiges Gebilde wirkt wie aufwendig genäht oder irgendwie gewirkt – das vermeintliche Textilobjekt an der Wand entpuppt sich bei näherem Hinsehen aber als spaghettiartiges Geknäuel aus Polyamid von einigem Gewicht: Schrottrest, Abfall, Fundstück aus einer polnischen Kunststofffabrik, neu arrangiert. Fast alle Objekte in den beiden Räumen des Ludwig Forums sind eigens für diese Ausstellung entstanden und auch nur hier zu sehen. Altes Handwerk und moderne Industrie vermischen sich und werden konfrontiert mit dem Innovationswillen des Künstlers, neue Formen, Vorstellungen und Ideen zu entwickeln.

500 Kilogramm wiegt Olowskas Tafel aus solchen Polyamidnudelknäueln auf einer anderen Wand – ein ganzes Team ist noch dabei, das Plastikgewusel anzubringen. Schräg gegenüber eine Collage aus Malerei und Foto, das zwei propagandistisch-fröhliche Arbeiterinnen in einer polnischen Autofabrik aus der Vor-Wende-Zeit zeigt. Schneiderbüsten mit Kleidfragmenten auf Marmorsockeln stellen den Wert und das Zusammenspiel von Kunst, Handwerk und Mode in Frage. Alles Weitere erklärt Julia Küchle am Donnerstag, 11. Juni, um 18.30 Uhr bei einer Kuratorenführung.

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