Podiumsdiskussion: Was soll das Ludwig-Forum leisten?

Von: Hermann-Josef Delonge
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Viel Klärungsbedarf: Die Diskussionsrunde über die Perspektive des Ludwig Forums stieß auf großes Interesse. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn es denn stimmt, dass sich die Aachener von Anfang an schwer getan haben mit dem Ludwig Forum (und es spricht einiges für diese Behauptung), dann dürfte dieser Diskussionsabend nicht viel zur Klärung der Verhältnisse beigetragen haben.

Immerhin, man ist ins Gespräch gekommen, und am Ende stand der erklärte Wille, endlich das leidige und unwürdige Parkplatzproblem zu lösen – ein Problem übrigens, das seit Jahren offensichtlich und bekannt ist.

Aber die grundsätzlichen Fragen blieben ungeklärt – etwa die, ob und in welchem Maße sich das Haus an den Besucherzahlen messen lassen muss. Oder warum es nicht gelingt, mehr junge Leute ins Forum zu holen? Immerhin gibt es knapp 50 000 Studenten in Aachen. Oder ob sich das Haus mehr öffnen müsse – und wenn ja, für wen und in welcher Form? Oder ob man das Marketing intensivieren bzw. verbessern sollte?

Geschweige denn die ganz konkrete Frage, was aus der Gastronomie im Haus wird. Bedarf an der Klärung dieser Fragen besteht; die Plätze waren mit über 300 Besuchern mehr als gut gefüllt. Dass die wenigsten die sechs Teilnehmer der von Forums-Direktorin Brigitte Franzen und Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, moderierten Diskussionrunde (siehe „Zitate“) sehen konnten, weil kein Podium vorhanden war, und dass die Runde vor weißen, leeren Wänden saß, mag als Beleg für ein nicht immer glückliches Selbstmarketing des Hauses gelten, ist aber letztlich nur eine Petitesse.

Zu wenig Aufgeschlossenheit?

Dass das Ludwig Forum einen schweren Stand hat, weiß auch Isabel Pfeiffer-Poensgen aus eigener Erfahrung. Die ehemalige Aachener Kulturdezernentin vermisst die Aufgeschlossenheit der Menschen in der Stadt, wie sie zu Zeiten der Neuen Galerie noch vorgeherrscht habe. Bekanntlich war die Sammlung Ludwig 1991 aus der Neuen Galerie im Alten Kurhaus in das ehemalige Fabrikgebäude an der Jülicher Straße gezogen, nachdem sich die Politik nicht auf ein Museum für die Ludwigs im Stadtpark hatte einigen können.

Pfeiffer-Poensgen wandte sich dagegen, die Qualität des Hauses und die Arbeit des Teams rund um Franzen allein nach den Besucherzahlen zu bemessen; das Haus habe eine viel breiter gefasste Aufgabe und einen Bildungsauftrag. So hatten zuvor schon Ernst Höhler und Kasper König argumentiert – allerdings mit kräftigeren Worten. Vor allem König ging wesentlich weiter; was ihm als nur noch ehemaliger Museumsdirektor und jetzt freier Kurator natürlich auch leichter fallen dürfte.

Sein Ruf nach absoluter Autonomie für das Haus („Vergesst die Besucherzahlen. Lasst die Leute im Museum selbst entscheiden. Die wissen, was sie tun. Hier muss etwas entstehen können, was es sonst noch gar nicht gibt. So wird daraus ein Ort, der Möglichkeiten der Veränderung aufzeigen kann, in einem positiven Widerstand zur Stadt. Aber dafür muss man volles Risiko gehen.“) fand im Publikum Beifall – wie allerdings später auch der Einwand aus dem Auditorium, natürlich müsse man die Zahlen bei der Beurteilung zu Rate ziehen.

Absolute Autonomie? Für Oberbürgermeister Marcel Philipp wäre das nur vorstellbar, wenn sich das Forum privat organisieren würde – als Teil der freien Szene und dann mit Zuschüssen von der Stadt (derzeit gut zwei Millionen Euro pro Jahr). Aber auch dann müsse man genau hinschauen, für wie viele Besucher man wie viel bereit sei zu zahlen. Man könne über alles reden, sagte Philipp – wohl wissend, dass dies wohl eine eher unrealistische Option ist.

Pfeiffer-Poensgen wollte denn auch die Stadt nicht aus der Verantwortung entlassen – und blieb dabei unwidersprochen: Museen, Theater und Musikschulen seien Dinge, die eine Kommune vorhalten und gewährleisten sollte, nach ihrer Meinung sogar müsse. „Das hat genau so viel Berechtigung wie Sportanlagen.“ Und an die Adresse des Oberbürgermeisters: „Wenn man will, dass das Haus mehr macht, dann braucht man dafür auch mehr Leute. Das kostet allerdings etwas, und: Diese Leute brauchen vernünftige Verträge.“

Es gab so einige Äußerungen, die sich hart im Raum trafen, ohne dass sich eine Annäherung abzeichnete oder sich wenigstens die Fakten klären ließen. Ob sich das Haus zu wenig der freien Szene oder Künstlern aus der Region öffne, wie es der Oberbürgermeister, aber auch Wortmeldungen aus dem Publikum reklamierten? Franzen, die ihre Moderatorenrolle inzwischen abgegeben hatte und sich der Diskussion stelle, beharrte darauf, dass ihr Haus sehr wohl sehr offen sei. „Warum wird das nicht wahrgenommen?

Es gibt hier so viele Projekte aus der Stadt – deshalb ermüdet mich diese immer wiederkehrende Kritik.“ Allerdings sei das Forum keine Kunsthalle und könne aus seinem Selbstverständnis heraus nicht einfach als Ausstellungsfläche für lokale Künstler dienen. „,In Aachen lebend‘ kann kein Kriterium für eine Ausstellung sein.“ Das Forum könne auch nicht so einfach als Location für Partys oder Konzerte dienen. „Wir sind ein Museum. Hier hängen und stehen Millionenwerte, für die wir Verantwortung tragen und deren Unversehrtheit wir garantieren müssen.“

Wo bleiben die jungen Leute?

Dann die Sache mit den jungen Leuten, mit den Studenten. Doris Klee regte an, das Forum könne doch selbst einmal mit einer temporären Ausstellung in die Hochschule gehen. Und sie verwies auf die bestehende Kooperation, die ausgebaut werden solle. Früchte hat die allerdings noch nicht so recht getragen – auch so ein Thema, das seit Jahren auf der Tagesordnung steht. Dass die alten Aachener Künstler-Kämpen der Neuen Galerie im Alten Kurhaus nachtrauern und aus dem Publikum heraus für einen Umzug näher ans Stadtzentrum plädierten, verhallte eher unbeachtet.

Was also bleibt von diesem Abend? Auf jeden Fall der Eindruck, dass das Verhältnis zwischen der Forums-Leitung und der Spitze der Stadtverwaltung nicht unbelastet ist – um es vorsichtig auszudrücken. Und die drei konkreten Wünsche von Brigitte Franzen: ein besseres Parkplatzmanagement, mehr Autonomie und Unabhängigkeit – vor allem, aber nicht nur inhaltlich – und mehr Geld sowie mehr Marketing. Das Problem mit dem Parkplatz wolle man angehen, entgegnete ihr Chef, der Oberbürgermeister. „Das kann ich bei den beiden anderen Wünschen nicht versprechen.“

Man kann ein Nein auch deutlicher formulieren.

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