Bonn - Pippi Langstrumpf: Ärger über den „Negerkönig”

Pippi Langstrumpf: Ärger über den „Negerkönig”

Von: Nicole Gonsior, dpa
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Historiker: Pippi Langstrumpf verbreitet Vorurteile
Lächelnd trägt die Schauspielerin Inger Nilsson in einem Film von 1968 als „Pippi Langstrumpf” an einem kalten Wintertag ihr Äffchen „Herr Nilsson” auf der Schulter spazieren (Szenenfoto von 1968). Foto: dpa

Bonn. Wenn Pippi Langstrumpf in dem gleichnamigen Buch ihren Vater den „Negerkönig” nennt, macht das Kaisa Ilunga sauer: Der Ausdruck sei rassistisch, sagt Ilunga. Der Mann aus dem Kongo lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland.

Er ist Mitglied im Bonner Integrationsrat. Der Verlag Friedrich Oetinger hat die Wörter „Neger” und „Zigeuner” 2009 zwar aus dem Werk von Astrid Lindgren gestrichen und nennt Pippis Vater jetzt den „Südseekönig”. Aber: In rund 70 alten Exemplaren in der Stadtbibliothek Bonn ist immer noch die Rede vom „Negerkönig” oder von Pippi der „Negerprinzessin”.

Das will Ilunga geändert sehen. Auch an Bonner Schulen verwende man noch die alte Auflage im Unterricht, erklärt er. Seinen Ärger teilen andere Eltern und auch Schüler. Deshalb hat der 54-Jährige einen Antrag gestellt: Die Bücher sollen weg aus Stadtbibliothek und Unterricht.

War Astrid Lindgren eine Rassistin? Wohl eher nicht. Denn als die schwedische Autorin das Buch schrieb, „war in Skandinavien das Wort Neger die übliche Bezeichnung für Menschen mit schwarzer Hautfarbe”, heißt auf der Internetseite des Oetinger-Verlags.

Es sei auch bis in die 1970er Jahre normal gewesen, das Lied „Zehn kleine Negerlein” zu singen, zitierte der Bonner „General-Anzeiger” den Germanisten Jan Seifert von der Universität Bonn. Die Wissenschaftlerin Antje Hornscheidt, die sich mit dem Thema beschäftigt hat und zusammen mit Susan Arndt das Buch „Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk” verfasst hat, erklärt: Das „N-Wort” war auch in den 1970er Jahre bereits rassistisch. Es habe nur kein Bewusstsein dafür in der Bevölkerung gegeben.

Pippis Vater zum Südseekönig zu krönen, war nicht leicht für den Oetinger-Verlag: Astrid Lindgren sei ihr Leben lang gegen eine Änderung ihres Buches gewesen. Auch mit ihren Erben habe man lange verhandeln müssen. In der DDR dagegen hat man das Problem mit dem „Negerkönig” schon immer umgangen: Dort hieß Pippis Vater „König der Takatukaner”.

In Bonn stehen die Chancen derweilen gut, dass Pippis Vater bald einen neuen Namen bekommt: „Wir nehmen die Bitte des Herrn Ilungas sehr ernst”, sagte Stadt-Sprecherin Monika Frömbgen. Nun wolle man nach und nach die Bücher austauschen.

Aber nicht nur bei Pippi Langstrumpf finden sich aus heutiger Sicht fragwürdige Begriffe - auch in anderen Kinderbüchern sind sie vertreten: Bei „Struwwelpeter”-Exemplaren von Heinrich Hoffmann im Buchhandel ist immer noch vom „schwarzen Mohr” die Rede. Das Buch „Tim im Kongo” von der Comicreihe „Tim und Struppi” sei ebenfalls rassistisch, sagt Antje Hornscheidt: Dort zeige der belgische Comiczeichner Hergé die Schwarzen immer mit einfacher, primitiver Bekleidung, bringe sie mit Kannibalismus in Verbindung und ließe sie immer wieder die gleichen, einfachen Worte wiederholen.
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