Pionier der Nachkriegs-Kunst

Von: Eckhard Hoog
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Er setzte in den 50er und 60er Jahren in Aachen und im lebhaften Austausch mit französischen Künstlern wichtige Akzente: Hanns Pastor ist 92-jährig bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Foto: M. Schuldt

Aachen. Ein Veteran der deutschen Nachkriegsmalerei ist tot: Der Aachener Künstler Hanns Pastor ist im Alter von 92 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, wie sein Herzogenrather Galerist (Artco) Joachim Melchers bestätigte.

Pastor gehörte in den 50er und 60er Jahren zu den Pionieren der abstrakten Malerei in Deutschland. Mit Karl Fred Dahmen, Karl Otto Götz, Herbert Kaufmann, Fritz Martin, Hubert Werden und Raoul Ubac zählte er damals zu jenen „jungen Stürmern”, denen das Suermondt-Ludwig-Museum 2006 unter dem Titel „Aufbruch im Westen” eine umfangreiche Ausstellung widmete.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren sie es, die neuen Visionen Bilder gaben. Hanns Pastor, stets sehr experimentierfreudig, bediente sich der unterschiedlichsten Techniken. Seine Handschrift prägten Objekte aus der Alltagswelt ebenso wie Chiffren aus Schriften, Zahlen und Rissen.

Hanns Pastor wird am 21. März 1917 in Jülich geboren; in Köln geht er zur Schule, studiert Medizin und wird im Krieg als Feldarzt eingesetzt. Als Marathonläufer gehört er zur deutschen Olympiamannschaft für Tokio 1940, doch der Krieg macht die Teilnahme zunichte. Kurz vor Kriegsende wird er noch zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wegen „antinationalsozialistischer Umtriebe und Zersetzung der Wehrkraft”.

1945 setzt er seine Studien der Malerei fort. Als freischaffender Künstler lässt er sich zunächst in Köln nieder und zieht 1954 nach Aachen. Anfang der 50er erlebt er prägende Jahre in Paris, dort trifft er unter anderem Fernand Lger.

Austausch mit Frankreich

Mit dem Namen Hanns Pastor bleibt die Erinnerung daran lebendig, dass in den fünfziger Jahren gerade von Aachen ein lebhafter künstlerischer Austausch mit Frankreich ausging.

Die jungen Avantgardisten, die sich hier zum „Aachener Künstlerbund” und 1952 zur „Neuen Aachener Gruppe” zusammenschlossen und im Suermondt-Museum ihre ersten Ausstellungen hatten, luden Pastor regelmäßig zu ihren Präsentationen ein. Zu der Gruppe gehörten Künstler wie die Stolberger Karl Fred Dahmen und Fritz Martin und die Aachener Hubert Werden und Rolf Faber.

1953/54 schickten sie eine Wanderausstellung auf Reisen durch Städte im niederländischen Limburg, Düsseldorf und im Ruhrgebiet. Beteiligt waren unter anderem auch Pastor und Peter Lacroix, die andere Aachener Künstlerlegende, sowie Altmeister Ewald Matar, späterer Lehrer von Joseph Beuys.

Ein wichtiger Meilenstein einer ganz neuen Ausstellungskultur war 1953 die Schau „Malerei von heute - eine deutsch-französische Ausstellung” im Suermondt-Museum, an der neben Pastor auch Karl Otto Götz teilnahm.

Die 22 beteiligten Künstler repräsentierten ein Spiegelbild der Avantgarde zwischen geometrischer Abstraktion und beginnender informeller Malerei.

Bereits 1955 überraschten Pastor & Co., darunter Ludwig Schaffrath, der als einer der weltweit führenden Glasmaler berühmt werden sollte und heute in Alsdorf lebt, im Suermondt-Museum das Publikum mit zukunftsweisenden Präsentationsformen: Sie hängten die Bilder einfach an die Decke oder legten sie auf den Boden.

Zusammen mit Jupp Kuckartz, Peter Lacroix und Fritz Martin gründete Pastor in Aachen die legendäre „Gruppe 65”, die in Jahresausstellungen im Suermondt-Museum starke Akzente setzte.

Pastor trat vor allem mit plastisch wirkenden Bildgestaltungen hervor, die er ganz bewusst einem Vorgang der Zerstörung aussetzte. Auch seine späten Werke erinnern entfernt an zernarbte Landschaften und zerfallene Mauern.

1968 beendete dann Peter Ludwig mit seiner Pop-Art die Vorherrschaft der abstrakten Kunst in Aachen, während die Stadt gleichzeitig ein Zentrum der Fluxus-Bewegung wurde, gespeist von Initiativen aus dem Bereich der Hochschule.

Hanns Pastor arbeitete in Aachen neben seiner künsterischen Tätigkeit von 1961 bis 1980 als Kunsterzieher am Viktoria- und Rhein-Maas-Gymnasium.
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