Pinkpop: Im Funkenregen musikalischer Highlights

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
Pinkpop 2011: 66 000 Menschen
Pinkpop 2011: 66 000 Menschen sind begeistert von Coldplay und all den anderen Künstlern auf der großen Bühne in Landgraaf. Foto: Harry Heuts

Landgraaf. Unnötig war es, dieses Feuerwerk. Denn der Funke wäre auch ohne Raketen im Abendhimmel übergesprungen. Coldplay stürmte die Pinkpop-Bühne. Und überraschte nicht nur mit unerschöpflicher Spielfreude. Denn es ist durchaus mutig, den Auftritt mit einem neuen Song zu eröffnen.

Nicht „Yellow”, nicht „Viva La Vida”, auch nicht „Fix You” oder wenigstens die Radio erprobte und im Internet millionenfach geklickte Single „Every Teardrop Is A Waterfall” stimmt Chris Martin im Funkenregen der gezündeten Raketen an, sondern einen hymnischen Titel mit dem Namen „Hurts Like Heaven”.

Martin schaut dazu mit großen runden Augen ins Pinkpop-Megaland. Er singt „Use Your Heart As A Weapon” (Benutze dein Herz als Waffe) und wenn man dieses Bild aufgreift, dann beginnt mit diesen Worten ein friedlicher Feldzug der britischen Band in die Ohren und direkt weiter in die Herzen der Festivalbesucher.

Krachende Präsenz

Man könnte beim Pinkpop 2011 im niederländischen Landgraaf von dem zeitlos einnehmenden Auftritt der Manic Street Preachers berichten. Von den US-Indierockern Kings Of Leon, die sich allzu sehr auf die Wucht ihrer großartigen Songs verließen und wortkarg, fast schon abweisend bis zum furiosen Finale („Use Somebody”, „Sex On Fire”) mehr Distanz zum Publikum, aufbauten, als den Bühnengraben. Oder von der krachenden Präsenz von Dave Grohl und seiner Band Foo Fighters, die am Montagabend das Pinkpop-Programm abgeschlossen haben.

Oder von den britischen Rockpoeten Elbow um den unwiderstehlichen Guy Garvey, den deutschen Erfolgsrockern Beatsteaks. Aber man muss nach drei Tagen mit 39 Bands und Künstlern auf drei Bühnen über Coldplay schreiben, weil kein Auftritt mit so viele Vorfreude und gleichzeitig so großer Erwartungshaltung begleitet wurde. Denn die britischen Superstars hatten unlängst einen ersten neuen Song - „Every Teardrop? - als Vorgeschmack auf ein bald erscheinendes Album vorgestellt.

Der hatte die gerne zitierte Lust auf mehr gemacht. Und als die Nacht die 66 000 Pinkpop-Besucher nach Hause oder in ihre Zelte scheuchte, blieb das gute Gefühl von gleich einer Handvoll neuer Songs, dass Coldplay Coldplay bleiben und das neue Album einen Platz im CD-Regal und - irgendwie auch in den Herzen - verdient haben wird.

Es ist schwer zu erklären, warum ausgerechnet Coldplay letztlich den Geschmack von 66.000 Menschen vereint. Denn das Pinkpop-Publikum ist ein bunter Haufen in pink - bemerkenswerte wie viele Menschen augenscheinlich pinke Kleidung im Schrank haben.

Beim Pinkpop finden sie irgendwie alle zusammen: die Altrocker, die bierselige Partyjugend, die die Altrocker etwa bei Rock am Ring längst weggefeiert hat, Familien, Nachbarn, Festivaltouristen. Die alle ergeben ein angenehmes aber nicht anspruchsloses Publikum. In Landgraaf wird noch zugehört.

Beim 42. Pinkpop stehen die Menschen dicht an dicht, recken die Hälse zur Bühne, hören und genießen - Coldplay.

Es sind nicht die Raketen, die in den Nachthimmel steigen, nicht die Papierschmetterlinge, die in die Zuschauer gepustet werden und auch nicht die großen bunten Bälle, die über die Köpfe titschen. Es ist alles zusammen, was Coldplay ausmacht.

Die netten Ideen, die flirrenden Lichter und Effekte, die auf jeden einzelnen Song zugeschnitten werden und derart stimmig zur Musik erscheinen, als seien beide unzertrennlich miteinander verbunden. Dazu eine charmante Band (Chris Martin, Jonny Buckland, Will Champion und Guy Berryman), ein fröhlicher Martin und unverwechselbare Pophymnen.

„God Put A Smile Upon Your Face” hat nie besser geklungen, als von Martin Akkustikgitarre angezupft. Und während die Menschen bei „In My Place”, The Scientist” oder „Lost” lautstark jede Silbe mitsingen (Martin vergisst dagegen bei „Politik” dagegen den Text), bleiben die 66.000 Münder - geradezu staunend andächtig - ob der Premieren von „Major Minus” und vor allem der zerbrechlich reduzierten Gitarrenballade „Us Against The World”, die so sehr an die ersten Coldplay-Stücke des 2000er Debüts „Parachutes” erinnert.

„Jahrelang standen Coldplay auf unserer Wunschliste, endlich wird dieser Wunsch erhört”, hatte Pinkpop-Macher Jan Smeets den Auftritt vorab kommentiert.
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