Aachen - Pianistin Lise de la Salle: „Ich spüre meine russischen Wurzeln“

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Pianistin Lise de la Salle: „Ich spüre meine russischen Wurzeln“

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Stargast im fünften und siebten Aachener Sinfoniekonzert: Pianistin Lise de la Salle. Foto: Lynn Goldsmith

Aachen. Sie lebt in New York, wurde im französischen Cherbourg geboren, hat eine russische Urgroßmutter und liebt es, die Welt zu erkunden. „Es ist allerdings gar nicht so leicht, während einer Tour etwas vom Land kennenzulernen, Leute zu treffen“, meint Lise de la Salle. Schon bald hat die 28-jährige Pianistin Gelegenheit, Aachen näher kennenzulernen.

Gleich zwei Mal ist sie hier zu Gast: Beim fünften Sinfoniekonzert des Sinfonieorchesters am kommenden Sonntag und Montag wird sie unter der Stabführung von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah das Klavierkonzert Nr. 1 Des-Dur von Sergej Prokofjew auf der Eurogress-Bühne interpretieren. Beim siebten Sinfoniekonzert im Mai steht dann das Klavierkonzert F-Dur von George Gershwin auf dem Programm.

Mit vier Jahren schon am Klavier

„Ich bin sehr gespannt, dieses Orchester und den Dirigenten kennenzulernen“, sagt Lise de la Salle, die bereits mit Größen wie Sir Neville Marriner, Lorin Maazel, Philippe Herreweghe und James Conlon gearbeitet hat. Musik war und ist in ihrer Familie allgegenwärtig: die Mutter im Chor, die Großmutter Klavierlehrerin, eine Urgroßmutter, die als Musikerin sogar Tschaikowski kennengelernt hat. Im Alter von vier Jahren saß Lise bereits am Klavier.

Ein Muss? „Nein“, sagt sie lachend. „Nicht ich habe mich für das Klavier entschieden – das Klavier hat mich ausgewählt.“ Ein anderer Beruf kam deshalb „auf keinen Fall“ für sie infrage. Obwohl sie auch zur Malerei eine starke Beziehung, ein „musikalisches Gefühl“ für Farben und Formen hat. „Eine andere Urgroßmutter war schließlich Malerin, der Urgroßvater war Galerist von Modigliani, mein Großvater hatte eine Galerie in Südfrankreich.“

Wenn sie nun in Aachen Prokofjews erstes Klavierkonzert spielt, ist das eine Begegnung der ganz besonderen Art. Es ist ein Jugendwerk, das der Komponist während seines Studiums geschaffen hat. Bei der Uraufführung am 15. Juli 1912 in Moskau übernahm er selbst den Solopart. „Da spüre ich natürlich meine russischen Wurzeln. Ich habe noch nie ein Problem damit gehabt, dieses Werk zu verstehen und ihm nachzuspüren“, schwärmt die Pianistin.

Voller Energie und Jugend, Leben und Genialität – so empfindet Lise de la Salle dieses Werk, von dem sie fasziniert ist. „Das möchte ich dem Publikum unbedingt vermitteln“, sagt sie. „Pure Freude, kein Drama: Das kann man nur als junger Mensch so empfinden.“

Bereits mit elf Jahren studierte Lise de la Salle am Conservatoire de Paris und bestand mit 17 ihr Abitur – kurz davor spielte sie in Lissabon ihre dritte CD ein. Ihr Repertoire umfasst inzwischen Werke von Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Liszt, Ravel und den Russen Prokofjew, Schostakowitsch und Rachmaninow. Wie wird man als talentierte Musikerin zur gefragten Künstlerin, die auf den Bühnen der Welt zu Hause ist?

„Es ist neben eine großen Disziplin die Freude, die Fähigkeit, Emotionen zu vermitteln“, meint sie nachdenklich. „All das sollte das Publikum im Konzert verstehen. Ich möchte es teilhaben lassen, unabhängig davon, ob ich müde von der Reise bin oder mich erst an das Klavier gewöhnen muss. Das bedeutet Professionalität.“ Um fit zu bleiben, pflegt sie Seele und Körper mit Yoga und sucht in jedem Hotel den Fitness-Raum, um Ausgleich für die Arbeit am Klavier zu finden.

Auch für den Jazz schlägt ihr Herz

Lise de la Salle liebt den Dialog, spürt genau, wie Orchester und Dirigent zueinander stehen, welcher Führungsstil ihr begegnet. „Ich begegne da ja einer Gruppe von Menschen, die auf mich reagiert“, beschreibt sie. „Es ist spannend. Aber ich habe noch nie erlebt, dass die Chemie nicht stimmt.“

Nicht nur für die Klassik, auch für den Jazz in all seinen Schattierungen schlägt das Herz der französischen Pianistin. „Club-Jazz, Big Band, Jazz Standards: All das ist fabelhaft. Ich liebe es“, gesteht sie. Und nun also bald Gershwins Klavierkonzert F-Dur in Aachen: „Ein großer Spaß, da steckt Tanz.

Swing, einfach alles drin. Ich spiele es mit Leidenschaft“, versichert sie. In ihrer Wahlheimat New York lebt sie nicht zuletzt wegen der zahlreichen Jazz-Clubs gern. Und bald geht es hier auch beruflich weiter – mit Konzerten in Detroit und Mineapolis.

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