„Pflanzenmenschen“ aus Stahl: Ren Rong stellt in Jülich aus

Von: Eckhard Hoog
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Er verbindet in seinen Stahlstelen die jahrhundertealte chinesische Volkstradition mit westlicher Konzeptkunst: Ren Rong, einer der international bekanntesten Künstler chinesischer Herkunft. Das Museum Zitadelle Jülich zeigt von diesem Sonntag bis zum 27. August rund 30 seiner Werke, die für ihn einen „Dialog der Weltkulturen“ symbolisieren. Foto: Guido Jansen

Jülich. Er versteht sich als Brückenbauer zwischen den Kulturen, sein philosophisches Credo sieht er als ökologisch fundierte Rückbesinnung des Menschen auf seine natürlichen Wurzeln: Ren Rong, einer der bekanntesten zeitgenössischen Künstler chinesischer Herkunft.

In Jülich, im Renaissancegarten des Museums Zitadelle, werden ab Sonntag bis zum 27. August im Rahmen einer Freiluft-Ausstellung jene Werke präsentiert, mit denen er international bekannt wurde: Stelen aus 2,80 Meter hohen, 75 Zentimeter breiten und zwei Zentimeter dicken Stahlplatten, rostrot patiniert. Jede einzelne wiegt 200 Kilo und steht frei im Garten.

Wie bei einem Scherenschnitt findet sich eine gewaltige Fülle an Symbolen aus allen Kulturen und Zeitaltern mit einer besonderen Schneidbrenner-Technik herausgeschnitten. Rund 30 Objekte hat der Künstler zu einem „Dialog der Weltkulturen“ arrangiert.

Anlass der Ausstellung ist das 45-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und China. Die Initiative stammt von dem Jülicher Galeristenpaar Georg und Marita Loven. Sie kennen Ren Rong seit zehn Jahren.

„Das ist gewachsen“, erklärt Loven, der in seiner Galerie an der Zitadelle während der Ausstellung weitere, kleinere Werke des Künstlers präsentiert. Überdies findet hier am Eröffnungstag um 17 Uhr ein Künstlergespräch statt. In Museumsdirektor Marcell Perse fanden die beiden sogleich einen enthusiastischen Unterstützer des Projekts.

Ren Rong erwartet viele chinesische Besucher, im September will er die Schau in der deutschen Botschaft in Peking aufbauen. Seine besondere Beziehung zu Deutschland gründet auf einer Heirat mit seiner deutschen Frau, 1986 siedelte er nach Bonn um.

Vor zehn Jahren erwarb er hier im Stadtteil Mehlem einen Gebäudekomplex „Villa Friede“, den er restaurieren ließ und 2013 als Kunst- und Kulturzentrum eröffnete. Ren Rong spricht hervorragend Deutsch; bestens aufgelegt und temperamentvoll dankte er am Mittwoch bei der Vorbesichtigung Perse für seinen leidenschaftlichen Einsatz.

Was gibt es in den Stelen nicht alles zu entdecken: Vögel und Blätter, Blüten und Bäume, Arme und Beine, Sonne und Mond, Adam und Eva, Romulus und Remus nebst ihrer Wölfin, Hirsche, Hasen und Ornamente – alle möglichen Symbole der unterschiedlichsten Weltkulturen.

„Pflanzenmenschen“ nennt Ren Rong seine Skulpturen, die in ihrer Symbolik das harmonische Zusammenleben von Mensch und Natur ebenso zum Thema haben wie das Miteinander der Kulturen. Und damit verbindet der Künstler zugleich die westliche mit der östlichen Hemisphäre, indem er Elemente der jahrhundertealten Volkstradition Chinas in Beziehung setzt zu denen der Konzeptkunst unserer Tage. Wie Kalligraphien auf Papierrollen wirken die bilder- und zeichenreichen Skulpturen aus einiger Entfernung.

Allein das Format erinnert daran. So positiv hoffnungsfroh und vital hier die Botschaft von einem allgemein friedlichen und fruchtbaren Miteinander verströmt wird, so optimistisch gestimmt wirkt der Künstler in seiner Erscheinung und in seinem Auftreten selbst – immer ein Lachen auf den Lippen , ein freundliches Zwinkern im Gesicht.

Den gelungenen Dialog mit dem Ort und seiner Geschichte stellt Museumsdirektor Perse, gänzlich begeistert von dem Projekt, noch einmal heraus. Und Anlass genug dazu hat ihm der chinesische Künstler gegeben: unverkennbar der in rostigen Stahl geschnittene, doppelköpfige Adler aus dem Wappen Kaiser Karls V., Schwiegervater von Herzog Wilhelm, der die Zitadelle errichten ließ.

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