Aachen - „Pferd und Sinfonie“: Eine Reise durch Europa

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„Pferd und Sinfonie“: Eine Reise durch Europa

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Weder Musiker und Reiter noch die das Publikum ließen sich vom Starkregen beeindrucken. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Stolze Rösser, lustige Ponys, zarte Ballett-Eleven, klassische Klänge und leider auch prasselnder Starkregen – den zwei- und vierbeinigen Mitwirkenden der elften reiterlich-symphonischen Revue „Pferd und Sinfonie“ wurde am Freitagabend in der Aachener Soers einiges an Stehvermögen abverlangt.

Aber weder die Musiker des Sinfonieorchesters Aachen noch Pferd und Reiter und schon gar nicht das Publikum ließen sich im ausverkauften Deutsche-Bank-Stadion die Stimmung durch so etwas Prosaisches wie „Wetter“ vermiesen. Dafür war die Faszination des stimmungs- und effektvollvoll choreographierten, musikalischen Programms einfach viel zu stark. Allein die Pause schenkte man sich angesichts der Güsse.

Als „Reise durch Europa und Vorgeschmack auf die Reit-EM im August“ angekündigt von ALRV-Moderator Volker Raulfs und Musikdramaturg Michael Dühn, stürmen zu Beginn „The Vikings“ von Wäller Wind e. V. mit ihren Islandpferden die größte Dressurarena der Welt. 5100 Zuschauer erleben einen mitreißend temperamentvollen Einzug der mit Helm und Wams wild-romantisch kostümierten „Wikinger“ aus dem Westerwald. „Vulcano“ heißt passgenau das musikalische Arrangement, das Theatermusiker Malcolm Kemp eigens für diese Nummer geschrieben hat.

Ein Streitwagen der Gladiatoren hat sich angesagt zum Triumphmarsch aus „Aida“ - das Deutsche-Bank-Stadion als Circus Maximus? Eher Minimus: Was im Schneckentempo hereintrippelt, ist zum großen Vergnügen des Publikums Ben Hur, gezogen von einer Quadriga putziger Eselchen. Und dann ist auch noch der Löwe los: „Dompteurin“ Mélie Philippot aus Frankreich lässt ihr gefährliches Raubtier spektakuläre Kunststückchen vollbringen wie den Sprung durch einen – allerdings nicht wirklich entzündeten – Feuerreifen: „Luma the Lion“ – ein neunjähriges Pony mit Löwenmähne.

Nicht enden will der Einzug der Landelijke Rijverenigingen aus Belgien, 49 Reiterinnen und Reiter faszinieren mit einer komplizierten Parade, die sie „Kurkentrekker“ (Korkenzieher) nennen. Tanz auf zwei und vier Hufen vollführen anmutige zwölf Eleven der Ballettschule Natalie Jungschlaeger und Reiterin Andrea Schmitz auf einem schwanweißen Ross zu Auszügen aus Tschaikowskis Ballett „Schwanensee“. Mit würdevoller Eleganz in der Bewegung, mit „Grandezza“ eben, demonstrieren Stefan Schneider und sein Team zum Paso Doble die Kunst der spanischen Reiterei, ehe die Gäste vom Nordrhein-Westfälischen Landgestüt Warendorf zu Händels Feuerwerksmusik fantastische Quadrillen zelebrieren. Da hüpft das Herz eines jeden Pferdefreundes.

Die Ouvertüre zu Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ erklingt zum französischen Cabaret, wie es Mélie Philippot und die Showtanztruppe „Chili B’s“ der Ballettschule Brigitte Erdweg mit atemberaubender Akrobatik auf dem Pferd demonstrieren. Dann ein ganz besonderer Moment in dem facettenreichen Programm des Abends – mit zehn Jahren begann er in Indianapolis bereits, Klarinette zu spielen: Kazem Abdullah, Generalmusikdirektor der Stadt Aachen, der es sich nicht hat nehmen lassen, auch bei „Pferd und Sinfonie“ selbst zu dirigieren. 

An diesem Abend legt er den Dirigentenstab für einen Moment aus der Hand, um wieder zu diesem wunderbaren Instrument zu greifen und als Solist bei Mozarts Klarinettenkonzert, dem zweiten Satz Adagio, mitzuspielen. Das gibt Sonderapplaus. Für manchen ist das der Höhepunkt des Programms: Vier Youngster-Haflinger vom Gestüt Kiefferhof aus dem Oberbergischen lassen dazu ihrem jugendlich-natürlichen Temperament im Geviert der Arena einfach frei seinen Lauf, goldene  Mähnen wehen im Wind – und es turnt mal keiner auf einem Pferderücken herum. Das folgt dann zwei Nummern später in akrobatischer Manier von den preisgekrönten Kölner und Neusser Voltigier-Teams zu Coldplay-Songs, gesungen vom Bariton Hrólfur Saemundsson. 

Auch diese Begegnung wird man nicht vergessen: Die Ostsee-Quadrille Deutschland ist die größte und bekannteste Friesenpferde-Showgruppe Europas. Zu Auszügen aus Rossini-Opern faszinieren 16 herrliche Rappen allein mit ihrer majestätischen Erscheinung, der langen Mähne und dem Ausdruck geballter Kraft. 

Zu Beethovens „Ode an die Freude“ gibt es schließlich ein Wiedersehen mit Monica Theodorescu, der Bundestrainerin der Deutschen Dressurreiter, und ihrem einstigen Erfolgspferd Whisper bei einer vollendeten Demonstration der Hohen Schule. Das stimmungsvolle Finale begeistert das Publikum vollends.

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