Aachen - „Partner“ im Mörgens: Slapstick beim Bier in der Bar

„Partner“ im Mörgens: Slapstick beim Bier in der Bar

Von: Christina Merkelbach
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Lästern beim Feierabendbier: Frank (Thomas Hamm, links) und Arno (Philipp Manuel Rothkopf) wollen ihren Chef loswerden, den sie für wahnsinnig halten. Foto: Carl Brunn

Aachen. Im Zentrum ein langer Stehtisch mit Holzplatte: Er dient zum Draufschlagen, Festhalten und Anlehnen. Auf ihm landet an diesem Abend im Lauf von anderthalb Stunden auch ein beachtliches Arsenal an Alkoholika. Die Schauspieler holen Bierflaschen, Sektkübel, Schnaps- und Cocktailgläser von der Theke, ein paar Schritte entfernt, wo ein imaginärer Barmann auf Zuruf serviert.

Für „Partner“ hat Regisseur und Ausstatter Eike Hannemann die Spielfläche im Mörgens in eine Bar verwandelt. Thomas Melles Stück, am Theater Aachen uraufgeführt, handelt von Freundschaft und Loyalität, von Intrigen und Opportunismus. Zwei Kollegen wollen ihren exzentrischen Chef loswerden, mit dem sie allerdings auch irgendwie befreundet sind. Sie planen, ihn in die Psychiatrie zu verfrachten. Dabei bauen sie auf Schützenhilfe von dessen Freundin.

Arno (Philipp Manuel Rothkopf) und Frank (Thomas Hamm) arbeiten in einer Werbeagentur, direkt von dort kommen sie in die Bar. Der eine trägt Armeeparka und Turnschuhe zu Hemd und Krawatte, der andere Karohemd, Cargohose und Baseballkappe – bei den Werbern geht es bekanntlich locker zu. Auch der massive Alkoholkonsum ist ein Branchenklischee, zwischenzeitlich kommt das Gespräch unvermeidlich aufs Kokain-Schnupfen. Nach mehreren Runden „russischem Herrengedeck“ – Pils und Wodka – liefern sich die beiden Schauspieler zur Freude der Zuschauer einen Wettstreit im Lallen. Ausführlich ziehen sie über Klaus (Tim Knapper), den Agenturchef, her, den sie angesichts seines Wahnsinns für nicht mehr tragbar halten. Sperrige Wörter wie „Terminologie“ und „Krankheitseinsicht“ fallen, während das Bier aus den Flaschen schäumt und der Wodka auf den Boden spritzt.

Philipp Manuel Rothkopf und Thomas Hamm als betrunkene Lästermäuler erinnern ein wenig an Laurel und Hardy. Sie bieten kurze Slapstick-Einlagen zwischen Tisch und Theke, bis das Stück eine überraschende Wendung nimmt. Danach schleudert Rothkopf Hamm in einem Wutanfall gegen die Wand, Blut fließt, und ein Sektkübel muss zum Kühlen herhalten.

Dem intriganten Blödel-Duo steht das nicht wesentlich sympathischere Paar Klaus und Anne (Marie Hacke) gegenüber. Tim Knapper – grauer Anzug, gelbe Turnschuhe, gelb getönte Pilotenbrille – wechselt in Sekundenschnelle vom aufgedrehten Partyhengst zum Grübler. In einem Moment deutet er euphorisch einen Limbotanz unter der Discokugel an, im nächsten Moment hockt er meditativ im Schneidersitz auf einem Polster vor der Theke und balanciert ein Cocktailglas auf der Handfläche. Marie Hacke kommt die undankbare Aufgabe zu, sich neben stärkeren männlichen Darstellern behaupten zu müssen.

Eike Hannemann hat sich für seine Inszenierung wenige Freiheiten herausgenommen und „Partner“ sehr nah an der textlichen Vorlage ausgerichtet. Die bietet unterhaltsame Dialoge, deren Spitzfindigkeiten insbesondere Rothkopf und Hamm gut rüberbringen. Etwa, wenn sie sich einig sind, dass sämtliche Hartz-IV-Empfänger nach Perwoll riechen.

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