Paolo Conte in Köln: Das Publikum singt mit

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Begeisterte in der Kölner Philharmonie: Paolo Conte, der Sänger mit der rauen Stimme. Foto: T. Brill

Köln. Kopf ab? Nein. Nicht Kopf ab. Finito. Wenn Paolo Conte nach gut 120 Minuten (mit Pause) noch ein allerletztes Mal auf die Bühne der Kölner Philharmonie zurückkehrt und sich, zum Publikum gewandt, mit der Handkante über den Hals fährt, dann bedeutet das lediglich, dass heute Abend unwiderruflich Schluss ist.

 Mehr als eine Zugabe gibt es nicht. Beinahe schlagartig verstummt der tosende Applaus.

Mit Conte verhandelt man nicht. Weil man ihn viel zu sehr achtet und viel zu tief ergriffen ist, von dem, was der inzwischen 76-Jährige geleistet hat – und noch immer leistet. Er wird nicht nur von zehn vorzüglichen Musikern begleitet, sondern von seiner Lebensleistung.

Der Mann aus dem norditalienischen Asti schrieb Lieder wie „Azurro“, das längst ein Welthit ist, er machte sich mit seiner rauen Stimme, die nach Nächten in verräucherten Bars mit viel rotsamtenem Plüsch und noch mehr Whisky klingt, selbst einen Namen als Sänger. Und er ist – am Piano, am Vibra- oder Marimbafon und mit dem Kazoo – ein begnadeter Jazzmusiker, der sich auf raffinierte, sehr ausgefeilte Arrangements versteht. All dem gilt die Ehrerbietung im Kölner Konzertsaal. Und von all dem erhascht man an diesem Abend ein Stück.

Contes Wangen sind eingefallen, was die markante Nase nur umso markanter wirken lässt, Haare und Schnurrbart schlohweiß, die Cordhosen schlackern, mitunter tastet er nach Halt. Mit den ersten Tönen von „Cuanta pasión“ ist all das vergessen. „Sotto le stelle del Jazz“ verschmilzt mit dem Klang von Contes Piano zum wehmütigen Blues, „Come di“ setzt mit dem hell auftriumphierenden Brass-Sound des „Cotton Club“ ein, „La Negra“ bewegt sich sinnlich und kurvig im Rumba-Rhythmus, bei „Bartali“ brilliert der Maestro am Marimbafon.

Mit „Via con me“ zieht Conte noch ein Ass aus dem Ärmel, den Refrain kann jeder mitsingen. Das toppt nur noch das furiose „Diavolo rosso“ – in einem Tempo und einer Marathonlänge, die für die Gitarristen teuflisch ist. Dagegen klingt eine Zigeunerkapelle wie ein Mandolinenorchester.

Ansagen, Ansprachen und Aufforderungen zum Mitmachen sind nicht das Ding von Conte. Er stellt seine Musiker vor. Das ist alles. Fast. Nach dem letzten Stück, „L‘Orchestrina“ vom 2010 veröffentlichten Album „Nelson“ schenkt er denen, die von den Sitzen aufgesprungen und vor Begeisterung schier außer sich sind, ein Lächeln. Und nach der Zugabe zwei Kusshände. Danach ist finito. 

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