Pantomimenkunst: „Snow Symphony“ bei Cultura Nova

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
10747674.jpg
Kampf gegen die Naturgewalten: die „Snow Symphony“ mit dem russischen Meisterclown Slava Polunin. Foto: Veronique Val

Heerlen. Mit einem besonderen Highlight startete das bis zum 6. September andauernde Kulturfestival Cultura Nova am Wochenende im Theater Heerlen. Die „Snowshow“ des russischen Meisterclowns Slava Polunin genießt seit 1993 auf internationalem Parkett Kultstatus.

Jetzt erweiterte er die Show zu einer „Snow Symphony“, bei dem niemand Geringerer als der lettische Stargeiger Gidon Kremer und ein Streicherensemble des Kremerata Baltica Kammerorchesters für eine kongeniale musikalische Kulisse sorgen.

Klamauk sucht man vergebens

Zu erleben ist eine heiter-melancholische Traumwelt überwiegend leiser Töne. Auch wenn es die sieben Mitstreiter des eher nachdenklich agierenden Meisterclowns bisweilen krachen lassen, auch wenn die Bühnentechnik den ganzen Saal mit Konfetti, Wasserspritzern, Spinnennetzen, Seifenblasen und Luftballons aller Größen überzieht oder eindeckt: Klamauk sucht man vergebens. Geboten werden subtil ausgearbeitete Episoden aus dem Alltag mit überraschenden Wendungen, in ruhigem Tempo, oft auf Zehenspitzen zelebriert.

Das Ganze hat weniger mit Zirkusspektakel zu tun als mit brillanter Pantomimenkunst in Clownskostümen – und zwar in Kostümen trauriger Clowns. Gleich zu Beginn der fehlgeschlagene Versuch Polunins, sich aufzuhängen. Das Seil, das er hinter sich herzieht, will nicht abreißen und am Ende versucht ein Leidensgenosse ebenso vergeblich, die Schlinge wirksam zu befestigen. Das kann nicht gut gehen. Tut es aber doch, denn beide überleben. Gratwanderungen zwischen Komödie und Tragödie.

Es ist schade, dass kein Programmheft die Musiknummern verrät, die Gidon Kremer für die „Symphony“ zusammenstellte. Die jungen Talente der Kremerata Baltica spielen sich mit unbändiger Energie und Konzentration durch ein buntscheckiges Repertoire, das von barocken Klängen bis zu avantgardistischen Experimenten reicht, das romantische Schnulzen ebenso einschließt wie Filmklassiker und virtuose Pretiosen. Teilweise dienen die Musikstücke als Intermezzi zwischen den Clownsauftritten, oft werden sie in die Show integriert. Wobei es zu skurrilen Duellen auf der Geige kommt oder ein Vögelchen auf der Bogenspitze Kremers von einem Vogelfänger erhascht wird.

Dass Kremer die Solopassagen erstklassig interpretiert, ist keine Überraschung. Allerdings geriet die Aufmerksamkeit an seiner Kunst schnell in den Hintergrund, wenn die Clowns simultan agierten. Laute Lacher an den falschen Stellen waren immer wieder die Folge. Freilich genoss Kremer sichtlich die ungewohnte Umgebung. Und dass ihm professionelle Spaßmacher gelegentlich den Rang ablaufen, damit kann ein Künstler, der der Welt eigentlich nichts mehr beweisen muss, gut leben.

Die Begeisterung des Publikums kannte jedenfalls keine Grenzen. Erst recht nicht, wenn es direkt in das Treiben mit einbezogen wurde. Und das geschah bisweilen deftig, wenn etwa das ganze Parkett mit schneeähnlichem Konfetti überschwemmt wurde.

Dienstagabend um 20 Uhr ist die Show noch einmal im Parkstad Theater zu Heerlen zu sehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert