Operetten-Gags haben einen langen Bart

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
witwebild
Neckischer Regieeinfall: Die Damen in „Die lustige Witwe” an der Rheinoper baden in Cocktailgläsern. Trotzdem ist die Inszenierung beim Publikum nicht gut angekommen. Dem Regie-Duo Christian Brey und Harald Schmidt schlugen Buh-Salven entgegen. Foto: Rheinoper

Düsseldorf. So ist das im Showbiz: Die mediale Aufmerksamkeit richtete sich auf TV-Guru Harald Schmidt, der seine Rolle in dem Spektakel jedoch zunehmend vernebelte.

Nach der durchwachsenen Premiere der neuen „Lustigen Witwe” im Düsseldorfer Opernhaus konnte sich Schmidt nicht mehr auf sein Selbstverständnis als Mischung aus „drittem Regieassistenten, Producer und Freund der Souffleuse” zurückziehen. Auch ihn trafen massive Buh-Salven.

Der Preis einer im Vorfeld astronomisch gestiegenen Erwartungshaltung. Denn richtig schlecht ist die Rheinopern-Produktion nicht, begnügte man sich mit den Maßstäben einer ordentlichen Stadttheateraufführung. Das reicht Intendant Christoph Meyer natürlich nicht, und mit ihrem musikalischen Niveau setzt sich die Aufführung wenigstens hörbar vom Operetten-Allerlei ab.

Dramatische Stimme

GMD Axel Kober nahm den Stab selbst in die Hand und sorgte für einen unsentimentalen, pointierten und fein ausgehörten orches-tralen Rahmen, der auch vor klanglichen Schärfen in den fetzigen Märschen und Chorfinali nicht zurückschreckte. Mit Morenike Fadayomi griff man für die Titelrolle auf eine blendende Bühnenerscheinung und eine große dramatische Stimme zurück, die nicht nur das „Vilja”-Lied wunderbar beseelt sang, allerdings allmählich aus der Partie hinauszuwachsen beginnt.

Mit dem rollenerfahrenen Will Hartmann als stimmlich und darstellerisch flexiblen Danilo ergab sich so ein Traumpaar. Anett Fritsch als etwas halbseidene Präsidentengattin Valencienne sorgte mit ihrem mühelos ansprechenden Sopran für einen weiteren Glanzpunkt. Hier bahnt sich eine Hanna Glawari der Zukunft an. Der Rest des Ensembles um Erzkomödianten wie Peter Nikolaus Kante und den Schauspieler Lutz Salzmann überzeugte eher durch Spielfreude als durch herausragende gesangliche Meriten.

Ein silbern glitzernder Revuevorhang stimmte auf einen flotten Abend ein, was allerdings nur teilweise in Erfüllung ging. Die Co-Regisseure Christian Brey und Harald Schmidt suchten ihr Heil zunächst in einem mehr oder weniger gelungenen Spiel mit Anleihen an Slapstick-Gags aus Kintopp und Opas Operette. Querelen mit einer hinterhältigen Drehtür, der Auftritt des angesäuselten Danilo und etliche Posen der divenhaften Millionärin weisen eine lange Tradition, wenn nicht schon manchen Bartwuchs auf.

Brey arbeitete die Details zwar recht genau aus, doch die ironische Brechung gelang nicht immer. Vor allem verpuffte die Wirkung zunehmend, so dass im zweiten Teil kaum mehr als hilfloses Stehtheater zu sehen war, wenn nicht gerade eine Tanzszene oder das Charisma der Protagonisten das Ganze vor allzu langem Leerlauf retteten.

Dem erlahmenden Tempo begegnete ebenfalls mehr die flotte oder anrührende Musik Lehàrs als die Inspiration des Regie-Tandems. Auch wenn Schmidt das Publikum zu Tränen rühren wollte, versuchte man doch weitgehend jedem sentimentalen Schmalz aus dem Wege zu gehen. Dazu tragen die Bühnenbilder von Anette Hachmann und Elisa Limberg wesentlich bei, die viel Plastik und wenig k.u.k-Plüsch verwenden - mit einer atmosphärisch abkühlenden Wirkung. Der neutral weißen plastilinen Grundkulisse mit der besagten Drehtür als Angelpunkt gesellen sich Blumen, gebrochene Herzen, Luftballons und aufblasbare Rösser in modernem Kunststoff-Design bei. Mit einem Konfetti-Regen geht das letztlich etwas zähe Treiben wirkungsvoll zu Ende.

Die nicht immer gut verständlich gesprochenen Dialoge hat Harald Schmidt an einigen wenigen Stellen aktuell, aber zurückhaltend aufgepeppt („Treue Frauen in Pontevedro, die gibt es noch seltener als Minarette in der Schweiz”). Und in der Umbaupause zum dritten Akt lief er am Mikrofon zur Hochform auf, als er das Publikum mit lockeren Sprüchen bei Laune hielt („Nä, isch dä Heesters jung gebliebe!”, „Die 89-jährige Anna Schmitz hat ihre Eltern verloren und kann am Info-Tisch abgeholt werden!”).

Begeisterter Beifall für das musikalische Team, während die szenische Crew etliche Buh-Attacken einstecken musste. Und Christoph Meyer kann sich wenigstens über ein gigantisches Medien-Echo im Vor- und wohl auch im Nachfeld freuen.

Die nächsten Aufführungen im Düsseldorfer Opernhaus, Heinrich-Heine-Allee: 8., 12., 18., 20. und 31. Dezember sowie am 7., 17. und 23. Januar.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert