Oper Lüttich startet Saison mit „Samson et Dalila”

Von: Guido Rademachers
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Lüttich. Monatelang hing sie demonstrativ schief in der Vertäfelung, die heraus gefallene Holzkassette von Stefano Mazzonis di Pralaferas Intendantenloge.

Wer über verschlissene Auslegware und schmuddelige Korridore den Zuschauerraum der Oper Lüttichs betrat, der wurde nachdrücklich darauf hingewiesen: Hier herrscht akuter Sanierungsbedarf. Inzwischen ist es so weit. Die Renovierungsarbeiten am Plüsch- und Pompbau des frühen 19. Jahrhunderts haben begonnen. Auf 18 Monate sind sie angesetzt. Vorerst jedenfalls.

In der Mehrzweckhalle

Für Mazzonis di Pralafera kein Grund, währenddessen auf opulente Opernaufführungen zu verzichten. Der Start in die neue Ersatzspielstätten-Saison hätte kaum spektakulärer ausfallen können. Er wirkt wie ein Statement: Camille Saint-Saens´ „Samson et Dalila” steht auf dem Programm der „Country Hall Ethias”. Die Monumentaloper in der Mehrzweckhalle. Bis zu 7000 Zuschauer passen hinein. Belgacom Lüttich, der Basketballverein der Stadt, absolviert hier seine Heimspiele.

Klar, dass filigrane Personenführung nicht angebracht ist, wenn man eher Feldstecher als Opernglas benötigt. Regisseur Michal Znaniecki setzt auf überschaubar arrangierte Massenszenen, große Tableaus mit Ballett und Chor in üppiger Ausstattung. Klar auch, dass sich das sängerische Anliegen darin erschöpft, über ein XXL-Orchester hinweg (Musikalische Leitung: Patrick Davin) noch die letzte Reihe zu erreichen. Geschätzte 100 Meter sind es. Die Solisten überbrücken sie souverän ohne jede technische Verstärkung.

Julia Gertseva (Dalila) kann sich mit ihrem perfekt sitzenden Mezzo ausgiebige Exkursionen ins Piano erlauben, ohne an Tragfähigkeit zu verlieren. Und José Cura, argentinischer Startenor und der Samson seit über zehn Jahren, nimmt sich seine Paradepartie mit plakativen Effekten und bisweilen ans Rufen oder Schreien grenzendem Verismo-Gesang zur entblößten Brust. Keine schlechte Entscheidung beim eingeschränkten, bisweilen an alte Kassettenrekorder erinnernden Klangspektrum im riesigen Betongeviert.

Mit „Samson et Dalila” ist das Gastspiel in der „Country Hall” beendet. Die nächsten Produktionen finden im akustisch erprobten „Forum de Liège” statt. Und in einem Theaterzelt, das sich während des Wiederaufbaus von Venedigs abgebranntem Opernhaus schon einmal als Ersatzspielstätte bewährte.

Dann dürfte auch Lüttichs Profil wieder besser zur Geltung kommen: Musikalisches Spitzenniveau in konservativ-zurückhaltenden Inszenierungen. Weltstars sind angekündigt: Ruggero Raimondi singt die Titelpartien in Verdis „Falstaff” (Premiere im November) und Mussorgskijs „Boris Godunow” (Juni 2010), Riccardo Muti am 7. November dirigiert konzertant Donizettis „Don Pasquale”.
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