Düsseldorf - Oper Düsseldorf: Beifall für Aachener Komponisten Schreier

Oper Düsseldorf: Beifall für Aachener Komponisten Schreier

Von: Pedro Obiera
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Schauergeschichte im Zirkuszel
Schauergeschichte im Zirkuszelt: James Bobby (vorne) als „Mörder Kaspar Brand” in der Düsseldorfer Uraufführung der gleichnamigen Oper des Aachener Komponisten Anno Schreier. Foto: Hans Jörg Michel

Düsseldorf. Mit viel Beifall ist das sechste Bühnenwerk des Aachener Komponisten Anno Schreier von der Deutschen Oper am Rhein im Düsseldorfer Central uraufgeführt worden.

Mit der 70-minütigen Kammeroper „Mörder Kaspar Brand” setzt der Trojahn-Schüler seine musikalische Suche nach Abgründen der menschlichen Seele fort. Nicht so aufwendig wie in der kürzlich in Zürich aus der Taufe gehobenen Oper „Die Stadt der Blinden”, aber kaum weniger ambitioniert.

Der 35-Jährige knüpft an die Schauergeschichte „Das Fass Amontillado” von Edgar Alan Poe an, in der ein betrogenes Opfer bittere Rache an seinem vermeintlichen Freund übt, indem es ihn in einem Kellerverlies lebendig einmauert. Die Tat, von Librettist Philipp J. Neumann in die Kühlkammer einer modernen Restaurantkette verlagert, interessiert Schreier freilich weniger als die psychischen Folgen für den Mörder.

Und da drohen Komponist und Autor über ihre Ansprüche zu stolpern, indem sie ein verwirrendes Handlungsgeflecht aus verschiedenen Reflexionsebenen, Rückblenden, Illusionen und harten Realitäten spinnen, das musikalisch kaum umzusetzen ist. So schlendert die Musik oberflächlicher und plakativer am Libretto entlang als etwa in der „Stadt der Blinden”.

Musik, die sich im Verlauf des Abends immer stärker tonalen Harmonien annähert und Assoziationen an bekannte Vorbilder auslöst. Der Mörder leidet als geschundene Kreatur wie ein Enkel Wozzecks an seinen Wahrnehmungsstörungen. Und als er erkennt, dass er nicht den verhassten Geschäftskonkurrenten im Kühlhaus auf Eis legte, sondern seine Tochter nebst Gattin, ist der Schritt zum „Rigoletto” nicht weit. Auch harmonisch nicht.

Die Musik, revuehaft changierend zwischen rauschhafter Tonkulisse und stilistischen Anleihen an Zirkus und Oper, greift Regisseur, Bühnenbildner und Librettist Philipp J. Neumann auf, indem er die Handlung kurzerhand in eine Zirkusmanege verlegt. Auf engem Raum wird so eine beklemmend ausweglose Szenerie geschaffen, in der der arme Mörder wie in einer römischen Arena gegen seine inneren Ängste und Spannungen ankämpft.

Ein Werk, das Schreiers musikdramatisches Talent erkennen lässt, aber trotz der komplexen Handlungsstruktur einen eher plakativen Eindruck hinterlässt. Auch trotz des wie immer kompetenten und engagierten Einsatzes von Wen-Pin Chien und der in Zirkusuniform gekleideten Düsseldorfer Symphoniker. Vorzüglich singt der Kammerchor der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf.

Star des Abends ist James Bobby in der Titelpartie. Der Bariton verkörpert die gewaltige Rolle trotz einer starken Erkältung ideal. Besondere Akzente setzt auch die Sopranistin Anke Krabbe als Kaspars Gattin Nadja.

Die nächsten Aufführungen im Düsseldorfer Central in der alten Paketpost am Hauptbahnhof, Worringer Str. 140: am 16., 21., 24., 27. und 29. Juni sowie am 1. Juli.
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