Oasis in der Philipshalle: Auf bestem Weg zum Klassiker

Von: Bernd Schuknecht
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Die Pioniere der Brit-Pop-Welle gaben sich in der restlos ausverkauften Düsseldorfer Philips die Ehre: Oasis. Foto: Thomas Brill

Düsseldorf. „Rock ´n´ Roll Star” eröffnet das Konzert. Was sich zu Karrierebeginn von Oasis noch wie die Hybris rotzlöffeliger Möchtegerne anhörte, wird von der Gegenwart eindrucksvoll bestätigt. Nach einer 15 Jahre währenden Pubertäts-phase der Gallagher-Brüder, die von Rüpelhaftigkeit und Blasiertheit gekennzeichnet war, muss der Star-Status längst nicht mehr krampfhaft reklamiert werden.

Oasis besitzt ihn nicht nur, sondern die zwei Brüder aus Manchester haben mittlerweile offenbar auch gelernt, entspannt mit ihm umgehen.

Das einzige NRW-Konzert der Pioniere der 90er-Jahre-Brit-Pop-Welle, das wegen der Stimmbandprobleme von Liam Gallagher am 19. Januar kurzfristig abgesagt werden musste, geriet in der restlos ausverkauften Düsseldorfer Philipshalle zu einer leidenschaftlichen Demonstration neu erlangter musikalischer Kraft und Kreativität.

Eine Kreativität, die allerdings nie den Anspruch formulierte auch innovativ zu sein. Oasis besaß nie den Ehrgeiz, das Rock´n´Roll-Rad neu zu erfinden, sondern nahm das Publikum mit auf eine ganz spezielle Magical Mystery Tour, auf die in „The Shock of the Lightning” angespielt wird.

Nostalgisch rockig

Auf der nostalgisch rockigen, mitunter hymnischen Klangreise gab es jede Menge Versatzstücke aus den 60er und 70er Jahren zu entdecken. Der Klangfundus, der als Basis für die Oasis-Songs dient, enthielt aber nicht nur Inspirierendes von den Beatles als Brit-Pop-Ahnen. Bei „I´m Outta Time” bekennt sich Liam Gallagher denn auch zu seinem nostalgischen Faible und wagt einen musikalischen Retro-Flirt, der sich für „Lyla” subtil bei „Street Fighting Man” von den Stones bedient: Dazu ist er stets bemüht, seine leicht näselnde Stimme wie ein post-punkiger John Lennon klingen zu lassen. Aber auch „Get it On” von T. Rex klang durch, und die Keyboardsounds verströmten nicht selten die psychedelische Klangaura des Mellotrons von King Crimson.

Oasis entwickeln ihre Musik wie Köche, deren Rezepte zwar aus hinlänglich bekannten Zutaten bestehen, deren geschmacklicher Reiz jedoch in immer neuen Zusammenstellungen liegt.

Das alles funktionierte sehr entspannt, zumal die einstigen verfeindeten Brüder mittlerweile einen Modus des gewaltfreien Umgangs miteinander gefunden haben. Noel, der weniger Extrovertierte, durfte denn auch gelegentlich ins Rampenlicht und steuerte zu Klängen seiner akustischen Gitarre einige wunderschön besinnliche Momente bei.

Der Sound war insgesamt gut und die Stimmung unter den bemerkenswert textsicheren Fans, das galt insbesondere bei den Klassikern „Wonderwall” und „Don´t Look Back in Anger” grandios, wenngleich sich der Jubel in die Jahre gekommener Fans mittlerweile nicht mehr den Teenie-Kreischfaktor erreicht.

Mit einem opulentem „I Am The Walrus” als letzte Zugabe verneigte sich Oasis nochmals vor den Beatles. Wer sich derart souverän eines Klassikers bedient, sich selbst auf dem besten Weg zum Klassiker.
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